In Hessigheim (Kreis Ludwigsburg) stirbt eine Frau auf einer Straße mitten im Ortskern. Jetzt steht fest: Der Freund der Frau hat sie nicht getötet, es war ein Unfall. Der Mann muss trotzdem mit Konsequenzen rechnen.
Der Vorfall sorgte überregional für Schlagzeilen und schockierte die Bürger und Bürgerinnen Hessigheims. Im August 2023 starb eine 44-jährige Mutter auf der Rathausstraße, mitten im Ort – sie wurde von einem Auto überfahren. Monatelang wurde wegen eines möglichen Tötungsdeliktes gegen den Freund der Frau ermittelt, jetzt steht für die Staatsanwaltschaft fest, dass es ein Unfall war. Der Mann muss sich dennoch für die Vorfälle der Nacht verantworten.
Am Mittwochmittag meldet die Staatsanwaltschaft Heilbronn, dass die Ermittlungen um den Tod abgeschlossen sind und die Verantwortlichen davon ausgehen, dass es sich um keine Tötung, sondern einen „tragischen Unglücksfall“ handelt. Dieser begann in der Nacht vom 18. auf 19. August mit einem Streit zwischen dem Unfallopfer und ihrem Freund, Hintergrund war eine mögliche Trennung des Paares.
Folgenschwerer Sturz
Laut Staatsanwaltschaft wollte der Mann während des Streits offenbar sein Auto ein Stück wegfahren, um es umzuparken. Dabei habe er nicht wahrgenommen, dass die 44-Jährige versuchte, über die Beifahrerseite ins wegfahrende Auto einzusteigen. Die Frau sei ins Straucheln geraten und gefallen, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft – „möglicherweise auch vor dem Hintergrund einer erheblichen Alkoholisierung“.
Das Opfer habe beim Aufprall auf den Boden einen Schädelbasisbruch erlitten, dann rollte das Fahrzeug mit dem rechten hinteren Reifen über sie drüber. Die Frau erlitt massive Traumata und verstarb noch an der Unfallstelle. „Dem Beschuldigten ist nach dem Ergebnis der Ermittlungen kein Vorsatz- und kein nachweisbarer Fahrlässigkeitsvorwurf hinsichtlich des Todes der Frau zu machen“, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.
Mutmaßliche Unfallflucht
Übrig bleibt jedoch ein zweiter Verdacht, der sich während der Ermittlungen erhärtete. Der Mann hat die Hessigheimerin zwar nicht getötet, hat sich aber von dem Unfallort entfernt und mutmaßlich Unfallflucht begangen. Der Beschuldigte kehrte laut Staatsanwaltschaft zwar nach wenigen Minuten an den Unglücksort zurück und setzte einen Notruf ab, dennoch beantragte die Staatsanwaltschaft den Erlass eines Strafbefehls.
Die verstorbene Hessigheimerin hinterlässt drei Kinder, zwei im Schulalter und eine junge Erwachsene. Die Frau arbeitete beim Landschaftsbauunternehmen Nägele in Hessigheim, sei beliebt und die „gute Seele des Betriebs“ gewesen, beschrieb ein Vertrauter die 44-Jährige. Unternehmertochter Claudia Nägele startete nach dem Unfall eine Spendenaktion für die Kinder, an der sich viele Hessigheimer beteiligten.