Sven König aus Rutesheim ist erst 21 Jahre alt und ist schon 15 000 Kilometer mit dem Rad quer durch Europa gefahren. Für die Zukunft hat er große Pläne.
Als seine ältere Schwester mit dem Vater eine Radtour von Rutesheim nach Ravensburg unternimmt, ist Sven König ziemlich neidisch. Er ist noch zu jung, die Strecke für ihn zu weit. Doch mit 14 Jahren darf er endlich mit: Vier Tage lang sind sein Vater und er auf dem Kocher-Jagst-Radweg unterwegs, mit einem Zelt übernachten sie in der freien Natur. Für den Rutesheimer war dieses Erlebnis etwas ganz Neues, erinnert er sich heute. „Im Vergleich zu anderen Reisen war es sehr anstrengend, man war wirklich unterwegs“, erzählt Sven König. Die Radtour mit seinem Vater hinterließ einen bleibenden Eindruck: „Da hat es einen kleinen Funken gegeben, aus dem sich über die Jahre ein Feuer ausgebreitet hat.“
Vom Glück auf dem Fahrrad
Der 21 Jahre alte Student aus Rutesheim ist von Kindheit an leidenschaftlicher Radfahrer. Seit 2021 ist er nicht mehr nur in Baden-Württemberg unterwegs – sonder unternimmt Radtouren durch Europa. 13 000 Kilometer hat er dabei schon zurückgelegt.
„Ich verspüre viel Glück beim Fahrradfahren“, erläutert der Student seine Leidenschaft für das Fahren mit dem Drahtesel. „Man ist draußen, sehr aktiv, erlebt die Natur.“ Ein leichtes Schmunzeln schleicht sich oft in das Gesicht des 21-Jährigen, wenn er von seinen Reisen erzählt, er beginnt zu gestikulieren. Die Strecken, die er bisher zurückgelegt hat, kennt Sven König genau, könnte wahrscheinlich stundenlang über Erlebnisse auf seinen Touren sprechen.
Nach seinem Abitur beschloss Sven König, alleine für drei Monate durch Europa zu radeln. Unterstützung bei seinem Vorhaben bekam er vom Rutesheimer Fahrradladen El Dorado: Dieser stellte ihm ein Gravelbike, also eine Mischung aus Mountainbike und Rennrad, der Eigenmarke Wolfsluder zur Verfügung. Der Name ist eine Anspielung auf einen Teil des Rutesheimer Stadtwaldes. 2021 ging es schließlich los: König fuhr in Rutesheim ab, durch Frankreich und über den Jakobsweg nach Spanien. Sein Rückweg führte ihn in Frankreich an der Atlantikküste entlang, durch Belgien bis nach Amsterdam und von dort zurück nach Rutesheim.
Eine Reise zum Nordkap bleibt in Erinnerung
Das Fahrrad mit dem dunkelgrünen Rahmen ist seitdem Königs ständiger Begleiter auf seinen Reisen. In dessen Sattel schwang er sich im Sommer 2021 gleich für seine nächste Tour. Dieses Mal radelte er von Rutesheim vorbei am Bodensee über die Alpen nach Florenz. Eine Reise hat den 21-Jährigen besonders beeindruckt: Gemeinsam mit einem Freund fuhr er 2022 zwei Monate lang durch Nordeuropa. Von Hamburg aus ging es durch Dänemark, mit einer Fähre nach Norwegen, dann weiter mit dem Fahrrad nach Oslo, die Atlantikküste entlang bis hoch ans Nordkap. Anschließend flogen die beiden nach Island und umrundeten die Insel.
Besonders in Erinnerung geblieben ist König seine Ankunft am Nordkap. „Das war ein überwältigendes Gefühl“, erzählt er grinsend. „Die letzten dreißig Kilometer mussten wir uns richtig erkämpfen. Als wir dann angekommen sind, war es ein Uhr nachts und weil es kurz nach Mittsommer war, hat die Sonne noch geschienen.“ Ein selbst gedrehtes Video zeigt, wie er und sein Freund vor dem Denkmal der Welt die Arme triumphierend in die Luft recken. Auch das Radeln auf Island war für König etwas Besonderes, die Natur beeindruckte ihn, wie er erzählt. „Es war auch herausfordernd. Wir mussten oft die Räder durch Flüsse schieben. Vielleicht hat es mir gerade deswegen so gut gefallen.“
Viele Abenteuer und Herausforderungen
Herausforderungen begegnet der 21-Jährige auf seinen Reisen immer wieder. In Spanien hatte er beispielsweise eine größere Panne. „Ich konnte noch treten, aber hinten hat sich das Rad nicht mehr gedreht“, erklärt König und ahmt mit den Fingern die Drehbewegung nach. „Da war ich aufgeschmissen.“ Hilfe bekam er aus Rutesheim: Der Fahrradhändler von El Dorado habe ihm ein neues Laufrad gebaut und nach Spanien geschickt.
Das war zwar bisher die einzige große Panne, einfach sind seine Reisen allerdings nie. Es gebe immer wieder Tage, an denen man sich durchkämpfen müsse, erläutert Sven König. „Tage, an denen es viel regnet oder windig ist, sind sehr anstrengend.“
Die Natur richtig spüren
Das schreckt ihn jedoch nicht ab: „Es reizt mich, dass man auf so einer Reise immer das Extreme hat: Es kann richtig gut oder richtig schlecht laufen.“ Urlaube mit anderen Fortbewegungsmitteln kommen für ihn daran nicht heran. „Man spürt einfach die Natur so richtig“, schwärmt der 21-Jährige. „Im Auto ist man wie in einer Kapsel.“ Nach einer Radreise ist König euphorisch, würde am liebsten gleich die nächste Tour unternehmen.
2023 war er wieder unterwegs, radelte für fünf Tage in die Schweiz. Eigentlich war eine Tour nach Kroatien geplant, aber sein Studium lässt wenig Zeit für lange Reisen. Für zukünftige Touren hat Sven König schon einige Ideen: Zum Beispiel eine Tour von Rutesheim durch Slowenien am Mittelmeer entlang nach Istanbul. Auch Neuseeland oder Südamerika würde er gerne bereisen. Nach dem Studium kann er sich sogar vorstellen, eine Weltreise auf zwei Rädern zu machen. Fest geplant ist das aber noch nicht.