Aus dem NC-Einkaufstempel wird NT, das Nürtinger Tor. Der neue Eigner modernisiert den Bau von 1970 und holt den Media Markt zurück in die Stadt.
Nürtingen - Ein bisschen Großstadtflair ist 1970 in Nürtingen eingezogen, als das NC-Center in der Bahnhofstraße eröffnete. Von nun an diente der vielstöckige Betonkoloss mit dem Nanz-Lebensmittelmarkt und dem Kaufhaus Hauber als der Einkaufstempel in der Stadt und katapultierte die Kommune in die Liga der Mittelzentren. Das Konzept funktionierte viele Jahrzehnte weiter, weil der Media-Markt und der Drogeriemarkt Müller als Magnete dienten. Der Niedergang kam schleichend. Steigender Konkurrenzdruck und sinkende Umsätze bewegten Hauber 2018 schließlich zur Aufgabe. Im Sommer 2020 schloss auch der Media Markt. Nun will die Geiger Unternehmensgruppe aus Oberstdorf als neuer Eigner dem NC neues Leben einhauchen und für den Umbau des Centers rund 28 Millionen Euro in die Hand nehmen.
Verschiedene autarke Ladeneinheiten
Und die gute Nachricht lautet: Der Media Markt kehrt zurück. Die Betreiber der Elektronik-Fachmarktkette hätten nie einen Zweifel am Standort Nürtingen gehabt, unterstreicht Roman Höhne die Entscheidung. Der Leiter der Stuttgarter Geiger-Niederlassung, die das Nürtinger Tor nach der Fertigstellung auch betreiben möchte, sprach bei einer Baustellenbesichtigung von einem Kompliment für Nürtingen, denn neben dem Media Markt haben sich auch Aldi, Müller, der Fitness-Betreiber Top Sports, Denns Biomarkt mit kleinem Café sowie zwei kleinere Gastronomiebetriebe, die sich auf der Ebene der Tiefgarage einmieten wollen, für das Nürtinger Tor (NT) entschieden, wie das Objekt künftig heißen wird. Und zudem werden die beiden bestehenden Arztpraxen dem Center weiterhin die Treue halten.
Wobei der Begriff Center künftig nicht mehr zutreffe. „Uns war von Anfang wichtig, dass dies keine in sich geschlossene Mall werden soll, sondern autarke Ladeneinheiten“, beschrieb Höhne das neue Konzept. Das findet auch beim Nürtinger Oberbürgermeister Johannes Fridrich Lob und Anerkennung: „Seit Geiger hat das Bauprojekt neue Dynamik entwickelt. Das Center ist wie eine offene Wunde in der Stadt, die wir jetzt schließen können, dafür sind wir Ihnen sehr dankbar.“
Bis auf den Rohbau zurück gebaut
Die Zeit der Vollsortimenter sei vorbei, aber mit dem neuen Mietermix werde es gelingen, wieder mehr Frequenz in die Innenstadt zu bringen. „Wir haben hier eine gewisse Torwirkung“ ergänzte Höhne und erklärte, das neue Nürtinger Tor sei sehr gut zu Fuß, per Bahn und mit dem Auto zu erreichen.
Bereits im Oktober war mit dem Rückbau des Gebäudekomplexes bis auf den Rohbau begonnen worden. Bis die für den Spätsommer 2023 geplante Neueröffnung Wirklichkeit werden kann, sollen „die Gebäudehülle erneuert sowie Teilbauabbrüche am Gebäude und rohbaurelevante Einbauten“ erfolgen. Auch das Dach wird vollständig erneuert, genauso wie die komplette Haustechnik.
„Nach seiner Fertigstellung wird das Gebäude auch energetisch auf heutigem Stand sein“, erklärte Höhne. Mit Hilfe moderner Fenster und eines Blockheizkraftwerks soll der KfW-Standard 100 erreicht werden. Und im Anschluss werden die neuen Mietflächen errichtet.
Für einen Abriss sei der Betonbau mit einer idealen Anbindung zur Fußgängerzone zu gut gewesen, urteilt der Eigner. Künftig sollen von den insgesamt 9300 Quadratmeter Nutzfläche rund 6500 Quadratmeter für den Verkauf zur Verfügung stehen. Und die Einteilung der Tiefgarage werde so angepasst, dass dort 70 Fahrzeuge Platz finden. Die Kommune will sich ihrerseits um die Freiflächen im Außenbereich des Centers kümmern. Besonders im Fokus stehe der kleine Platz zwischen dem Tresor und dem Center, erklärte Fridrich. Hier könne eine kleine Bühne Platz für Kleinkunstvorstellungen bieten und damit das Entree zur Innenstadt aufwerten.
Schwere Zeiten für Vollsortimenter
Ursprünglich sollte die Nanz-Gruppe, der bereits zwei Drittel des Gebäudes gehörten und die später auch die Flächenanteile des Traditionsunternehmens Hauber gekauft hatte, den Gebäudekomplex modernisieren. Dazu kam es nicht mehr. Nanz verkaufte weiter an die Geiger Unternehmensgruppe.
Zuvor hatte Joerg Hauber sechs Jahre lang erfolglos nach einem Nachfolger für seinen fast 250-jährigen Betrieb gesucht. Das tue sich heute keiner mehr an, sagte der Unternehmer 2018. Seit 2008 seien die Umsätze um 20 Prozent geschrumpft, und die Konkurrenz der Billiganbieter im Bereich Textil sei hart. So sei die Altersgruppe der 14- bis 30-Jährigen nach der Eröffnung des Stuttgarter Milaneo regelrecht weggebrochen. Hauber erklärte damals, der bundesweit zu beobachtende Frequenzverlust in Innenstädten habe auch vor Nürtingen nicht Halt gemacht. Da teile Hauber das Schicksal von Einzelhändlern in der ganzen Region.