Eine der Nilgänse im F3 – bald hat das letzte Stündlein der Tiere geschlagen. Die Stadt Fellbach erhofft sich davon einen Vergrämungseffekt. Foto: Gottfried Stoppel

Nach der Aufregung um die Tötung von Nilgänsen auf dem Gelände des Fellbacher Erlebnisbades und der fristlosen Kündigung des F3-Chefs beauftragt die Stadt nun einen Jäger, der die Tiere töten wird.

Die Nilgans ahnt noch nicht, was ihr und ihren Artgenossen bevorsteht. Von den Badegästen, die sich um sie tummeln, lässt sie sich genauso wenig beeindrucken wie von den ungewöhnlichen Badegästen – manche im Anzug, andere mit Kamera. Seelenruhig zupft die Gans an den Grashalmen, lässt ab und zu Gänsedreck fallen. Die Vögel, die seit einiger Zeit im Außenbereich des F3-Bades leben, sind in den vergangenen beiden Wochen zum Politikum geworden. Der F3-Geschäftsführer ist darüber gestürzt, dass er in mehreren Fällen Gänse gejagt und getötet haben soll, ein Tier wurde erst nach mindestens einem Tag von einer Tierärztin erlöst.

 

Dazu, so der Tenor der Besuchergruppe, habe es gar nicht kommen müssen. Den Gänsen geht es nun trotzdem an den Kragen – allerdings nicht mit bloßen Händen oder dem Aufsitzmäher, sondern mit Kleinkaliber und offiziellem Segen. Die Stadt Fellbach hat beim Landratsamt eine Ausnahmegenehmigung erwirkt, die es zulässt, dass die Gänse auf dem F3-Gelände geschossen werden dürfen. Die Schonzeit für diese Tiere endet eigentlich ohnehin am 1. August, doch offensichtlich hatte das Fellbacher Rathaus es besonders eilig, die Tiere loszuwerden.

Der interimsmäßige F3-Chef und Erste Bürgermeister Fellbachs, Johannes Berner, sagt, er sei erst durch die Affäre um die Tierquälerei auf die Gänse im Freibad aufmerksam geworden. „Aus heutiger Sicht hätten wir dagegen früher etwas unternehmen sollen, der Umgang mit den Gänsen war auch abseits dieser Extremfälle bisher nicht fachgerecht.“

Darum fühlen die Gänse sich im Freibad so wohl:

Natürlich hätten einige Badegäste die Nilgänse und ihre Küken als niedlich empfunden. „Andere waren aber auch entsetzt, dass die Tiere im Bad geduldet wurden.“ Es sei kein Problem gewesen, beim Landratsamt eine Ausnahmeerlaubnis zu bekommen. Dort hat man zuvor die Einschätzung von Naturschutz-, Veterinär- und Gesundheitsbehörde eingeholt. F3-Mitarbeiter wurden dafür zum Beispiel angewiesen, die Kothaufen der Gänse zu fotografieren und die Zahl der Gänse zu dokumentieren.

Dass die Abschussfreigabe kam, war nicht selbstverständlich: „In Waiblingen an der Erleninsel leben ebenfalls Nilgänse, dort haben wir uns dagegen ausgesprochen“, erklärt Gerd Holzwarth, der Leiter des Forstdezernates des Rems-Murr-Kreises. In Fellbach fiel die Entscheidung anders aus – auch, weil dort Menschen barfuß unterwegs sind und die Verantwortlichen die Gefahr sehen, dass beispielsweise Kinder im Becken oder im Sandkasten mit dem Kot der Tiere in Berührung kommen. „Es besteht die Gefahr, dass sich Salmonellen und Viren im Kot der Tiere befinden“, erklärt Holzwarth. Die Tiere seien außerdem eine invasive Spezies, die einheimische Tiere aus ihrem Lebensraum verdränge. „Es ist ähnlich wie beim Waschbären, man will die nicht hier haben“, sagt Holzwarth. Dass sich die Nilgänse gerade im F3 so wohlfühlen, sei kein Wunder: „Sie bevorzugen kurz gemähtes Gras und Wasser – dass sie von Menschen umgeben sind, stört sie nicht.“

Holzwarth sagt, der Abschuss der Tiere sei das letzte Mittel, wenn Vergrämungsversuche keinen Erfolg hätten. „Auch die Selbstschussgeräte, wie man sie aus dem Weinbau kennt, hätten keinen Sinn. Die Tiere gewöhnen sich daran und lachen gewissermaßen darüber“, sagt der Leiter des Forstdezernates. Allerdings müssten die Methoden tierschutzrechtlichen Bestimmungen entsprechen. Eine Hatz mit dem Aufsitzmäher oder mit dem Schlagstock, wie sie Zeugenaussagen zufolge im F3 stattgefunden haben soll, gehörten nicht dazu. Doch auch andere von Naturschutzverbänden empfohlene Mittel wie das Verscheuchen mit einem ferngesteuerten Boot oder einem Flugdrachen hätten keinen Erfolg gehabt. Ein Einfangen der Nilgänse sei auch nicht möglich – invasive Arten dürften nicht gehalten werden.

Die Entnahme, sprich Tötung der Gänse, wird dann die Aufgabe von Volker Schwörer. Er gehört zu zehn ausgebildeten Stadtjägern im Rems-Murr-Kreis. Diese sind darauf spezialisiert, in einer bewohnten Umgebung zu jagen und zu vermeiden, dass Fehlschüsse oder Querschläger unkontrolliert durch die Gegend fliegen. „Es ist natürlich besonders wichtig, dass niemand durch eine Schussabgabe gefährdet wird“, erklärt Schwörer.

Lokal erzeugten Gänsebraten wird es im F3-Gastrobereich übrigens auch nach erfolgreicher Jagd nicht geben. Einerseits habe das angesichts der oft von Parasiten befallenen Tiere hygienische Gründe, sagt Holzwarth. Johannes Berner betont: „Wir wollen aber auch vermeiden, dass hier irgendjemand ein Verwertungsinteresse hat.“

Die Gänse im F3 werden von einem Stadtjäger gejagt.

Die Ausnahmegenehmigung beschränkt sich auf das Gelände des Fellbacher Erlebnisbads. Gejagt werden darf jeweils bis anderthalb Stunden vor beziehungsweise nach Sonnenuntergang. Badegäste werden davon nichts mitbekommen. Von der Jagd erhoffen sich die Behörden auch einen Vergrämungseffekt. „So, wie es sich bei den Nilgänsen scheinbar herumspricht, dass es sich hier gut leben lässt, funktioniert es auch andersherum“, sagt Gerd Holzwarth.