Hurrikan „Harvey“ hati n der texanischen Metropole Houston Überschwemmungen ausgelöst Foto: AFP

„Harvey“ kam als Hurrikan und überschwemmt nun mit seinem Dauerregen weite Teile von Texas. Tausende fliehen auf Dächer und setzen verzweifelte Notrufe ab. Das Ausmaß der Katastrophe ist noch gar nicht abzusehen.

Houston - Erst hat Hurrikan „Harvey“ in Texas schwere Verwüstungen angerichtet, dann sintflutartigen Regen gebracht. Dieser bedroht nun zunehmend dicht besiedelte Gebiete in dem US-Staat. Der Wetterdienst erwartete in Teilen der Millionenmetropole Houston die Rekordmenge von fast 1,3 Metern Niederschlag. „Das Ausmaß und die Intensität dieses Regens geht über alles bislang Dagewesene hinaus und führt zu katastrophalen Überschwemmungen“, erklärte der Wetterdienst.

Obwohl der am Freitagabend mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern pro Stunde nordöstlich von Corpus Christi über die Küste hereingebrochene Hurrikan sich bis Sonntag zum Tropensturm abschwächte, wurde die Lage insbesondere in Houston immer dramatischer. Beide Flughäfen dort wurden geschlossen. Im gesamten Staat seien 250 Fernstraßen wegen Überflutung gesperrt, sagte Gouverneur Greg Abbott in Austin. Er aktivierte 3000 Mitglieder der Nationalgarde.

Mit steigendem Hochwasser gingen bei den Einsatzzentralen immer mehr Notrufe ein. Houstons Bürgermeister Sylvester Turner teilte mit, er habe ein Kongresszentrum als Notunterkunft öffnen lassen. Dort trafen bis zum frühen Nachmittag bereits mehrere Hundert Menschen ein. Pritschen für sie fehlten noch.

Mehr als 2500 Notrufe gingen ein

Turner rief die Bewohner auf, ihre Autos stehen zu lassen und zu Hause zu bleiben. Sollte das Wasser kommen, sollten sie sich auf das Dach flüchten. Im Haus zu bleiben, könnte zur tödlichen Falle werden. Turner verteidigte seine Entscheidung, die 2,3 Millionen Einwohner der viertgrößten Stadt des Landes nicht zur Evakuierung aufgefordert zu haben. Niemand habe in dem Flachland voraussagen können, wohin die Fluten genau kommen werden.

Feuerwehrchef Samuel Pena sagte, von Mitternacht bis gegen 10.30 Uhr (Ortszeit) hätten seine Leute auf mehr als 2500 Notrufe reagiert. Weitere 1000 Anrufe müssten noch bearbeitet werden. Zudem habe die Feuerwehr in der Nacht innerhalb von drei Stunden mehr als 250 Mal Menschen aus Fahrzeugen im Hochwassergebiet gerettet. Menschen nutzten alles Erdenkliche, um sich über Wasser zu halten: Schlauchboote, Luftmatratzen, sogar Strandspielzeug - wenn es nur schwamm und Halt gab.

Nach einer vorläufigen Bilanz kamen bis Sonntag zwei Menschen ums Leben, bis zu 14 erlitten Verletzungen. Präsident Donald Trump kündigte einen Besuch im Katastrophengebiet an, „sobald diese Reise erfolgen kann, ohne Störungen zu verursachen“. Er lobte die Einsatzkräfte: „Großartige Koordination zwischen Behörden auf allen Regierungsebenen.“ Es ist der erste große Notfalleinsatz seiner Amtszeit. Am Freitag hatte er Texas vorab zum Katastrophengebiet erklärt und damit Bundeshilfe für den Staat mobilisiert. Am Sonntag beriet er mit seinem Kabinett über die Lage dort. Er erklärte, oberste Priorität habe die Rettung von Leben.

„Das Wasser verschluckt uns“

Der Direktor der Behörde für Katastrophenmanagement des Bundes, Brock Long, sagte, der Bund richte sich auf eine „gewaltige Hilfsmission“ ein. Diese Katastrophe sei ein einschneidendes Ereignis.

Menschen aus gefluteten Wohnungen, Speichern oder Autos zu retten, war die dringendste Aufgabe der Hilfsmannschaften. Der Sheriff von Harris County, Ed Gonzales, gab Notrufe über Twitter weiter. Darunter den einer Frau, die schrieb: „Ich habe zwei Kinder bei mir und das Wasser verschluckt uns.“

Die Behörden in Harris County baten private Bootsbesitzer, die Rettungsarbeiten zu unterstützen. Einer derer, die dem Aufruf folgten, sagte, in einigen Gegenden reiche das Wasser bis Schulterhöhe. Außer Menschen, die sich in Sicherheit bringen wollten, habe er auch viele schwimmende Hunde im Wasser gesehen, sagte Jimmy Gonzalez weiter. Das öffentliche Krankenhaus in dem County wurde evakuiert, weil der Strom ausfiel.

Die 10 000-Einwohnerstadt Rockport nordöstlich von Corpus Christi bot ein Bild der Verwüstung: Umgestürzte Strommasten, Holzrahmen von auseinandergerissenen Häusern waren mit anderen Trümmerteilen auf Straßen verteilt. Rund 300 000 Haushalte schnitt „Harvey“ von der Stromversorgung ab.

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