In mehreren Stadien hatte es am vergangenen Wochenende Proteste und Plakate gegen Dietmar Hopp und gegen Kollektivstrafen gegeben. Foto: dpa/Andreas Gora

Der DFB macht einen ersten Schritt auf die erbosten Fans zu - und spricht von einem „klaren Nein“ bei der Frage, ob der Verband wieder vermehrt auf die Kollektivstrafe setzt.

Frankfurt/Main - Ein runder Tisch soll im völlig verfahrenen Streit zwischen dem DFB und den Ultra-Szenen eine erste Annäherung bringen. Zudem beteuerte der größte Einzelsportverband der Welt am Dienstag erneut mit einem „klaren Nein“, dass Kollektivstrafen nicht wieder zur Regel werden sollen. Ob das den aufgebrachten Fans reicht, ist fraglich. „Es wird sich Woche für Woche aufschaukeln, es sei denn, es gelingt dem DFB, die Luft aus dem Ganzen rauszulassen“, sagte der Fanforscher Harald Lange von Universität Würzburg der Deutschen Presse-Agentur.

Zumindest ein erster Schritt soll dem Deutschen Fußball-Bund zufolge noch „vor dem kommenden Bundesliga-Wochenende“ gemacht werden. Bei einem Treffen mit der AG Fankulturen soll der „konstruktive Dialog“ auch „in dieser emotionalen Thematik“ aufgenommen werden. Dabei wolle der Verband auch in einen Diskurs starten, „welche Formen - auch der überspitzten - Kritik gangbar sind und wo eine rote Linie verläuft“. In der AG Fankulturen sitzen Vertreter des DFB und der Deutschen Fußball Liga sowie von verschiedenen Fan-Organisationen.

Dialog suchen und führen

„Wir begrüßen es sehr, dass auch die Fanorganisationen im Dialog mit den Verbänden ihren Beitrag leisten wollen“, sagte DFB-Präsident Fritz Keller. Werder Bremens Geschäftsführer Frank Baumann forderte: „Es bringt niemandem etwas, die Situation weiter eskalieren zu lassen. Wir müssen den Dialog suchen und führen.“

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In den vergangenen Tagen hatte es in verschiedenen Stadien beleidigende Sprechchöre und Plakate gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp und den DFB gegeben, mit denen Anhänger gegen Kollektivstrafen protestierten. Die Begegnungen Union Berlin gegen VfL Wolfsburg und TSG 1899 Hoffenheim gegen FC Bayern München standen nach Spielunterbrechungen kurz vor dem Abbruch. Das DFB-Sportgericht hatte zuvor Anhänger von Borussia Dortmund wegen eines Plakats mit Hopp im Fadenkreuz zu einer Stadionsperre für zwei Jahre in Hoffenheim verurteilt - mit dem Widerruf der Bewährungsstrafe wurde die eigentlich ausgesetzte Kollektivstrafe angewendet.

Strafe gegen BVB-Fans sollte zurückgenommen werden

Das soll aber kein Signal für die Zukunft sein. „Es ist seit 2017 die noch immer gültige Linie, bei Zuschauerfehlverhalten im Stadion primär gegen die Täter vorgehen zu wollen“, erklärte der DFB. „Das unabhängige Sportgericht und der Kontrollausschuss können die Täter aber oft nicht selbst ermitteln und fast nie auf direktem Wege gegen Zuschauer vorgehen.“

Die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) in Frankfurt/Main sieht Kollektivstrafen wie Stadionverbote und Teilausschlüsse nach Fan-Vergehen grundsätzlich „sehr kritisch, weil sie gegen das geltende Rechtsverständnis in Deutschland verstoßen und weil sie dem Gerechtigkeitsempfinden von jungen Menschen widerlaufen“. Dies sagte KOS-Leiter Michael Gabriel.

Fanforscher Lange empfiehlt dem DFB, die Strafe gegen die BVB-Fans zurückzunehmen. „Wenn man sagen würde, „die Kollektivstrafe war falsch, wir gehen da anders mit um“, dann wäre die Luft sofort raus“, sagte er. „Das ist aber wahrscheinlich strategisch für den DFB nicht machbar. Das würde dann als Form von Schwäche interpretiert werden.“ Statt ganze Gruppen zu bestrafen, müsse man wieder in den Dialog mit den Fans eintreten, betonte auch Lange.

Forderungen nach Konsequenzen auch bei Rassismus

Derweil forderte Geschäftsführer Rachid Azzouzi vom Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth ein Einschreiten der Mannschaften auch bei rassistischen Vorfällen. „Es darf aber nicht passieren, dass gestreikt wird, wenn es gegen einen weißen, wohlhabenden Mann geht - und bei einem farbigen Spieler nicht“, sagte Azzouzi mit Blick auf Milliardär Hopp den „Nürnberger Nachrichten“.

Der 49-Jährige wurde in Marokko geboren und bestritt für das nordafrikanische Land unter anderem zwei Weltmeisterschaften. Er kam bereits als Zweijähriger nach Deutschland, spielte unter anderem für Duisburg, Fortuna Köln und Fürth und wurde nach eigener Aussage sein „ganzes Leben“ von Rassismus begleitet. „Hier in Fürth wurde ich als Kameltreiber beschimpft“, erzählte er.

Es handele sich bei den Vorgängen am Wochenende keinesfalls um eine „Lex Hopp“, betonte DFB-Boss Keller. „Die DFB-Haltung ist eindeutig: Wir dulden in unseren Stadien keine personifizierten Gewaltandrohungen oder gar Diskriminierungen.“

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