Ryanair plant offenbar im Jahr 2015 den Stuttgarter Flughafen anzusteuern Foto: dpa

Die Billigfluglinie Ryanair wird von kommendem Jahr an den Stuttgarter Flughafen ansteuern. Das gaben die Iren am Dienstag in Stuttgart bekannt. Zunächst bleibt es allerdings bei nur einem Flugziel.

Stuttgart - Seit über einem Jahrzehnt ist der Stuttgarter Flughafen-Chef Georg Fundel schon mit Ryanair im Gespräch. Gelandet ist die irische Billigflug­gesellschaft hier trotzdem nicht. Das wird sich ändern. Für Dienstagabend hatte sie „aufregende Ankündigungen“ bei einem Pressetreffen am Flughafen versprochen. Tatsächlich ließ man es dann bei der Ankündigung eines neuen Flugziels bewenden: An sechs Tagen der Woche wird je einmal am Nachmittag Manchester in Großbritannien angeflogen.

Am 2. April soll Auftakt sein. Eingesetzt wird eine Boeing 737-800 mit 197 Sitzen. Buchungen sollen von diesem Mittwoch an möglich sein – zu Preisen ab 24,99 Euro. Ryanair peilt 70 000 Passagiere pro Jahr an.

Vor dem Pressegespräch hatten die Verantwortlichen noch um keinen Preis irgendwelche Flugziele verraten wollen. Aber allein schon von der Einladung ging die Botsachaft aus: Die Iren kommen – und zwar immer öfter zu den großen deutschen Verkehrsflughäfen und nicht mehr nur zu Flughäfen im Hunsrück, im Allgäu oder zum Baden-Airpark, einem Ableger des Flughafens Stuttgart. Die größeren Verkehrsflughäfen spielten bis vor kurzem im Geschäftskonzept der Iren kaum eine Rolle: weil die Dienstleistungen für die Fluggesellschaften hier teurer sind und die Billigflieger in der Regel keine Subventionen erwarten können.

Dass sich etwas ändern könnte, hatte sich seit Wochen angedeutet. Vor Journalisten hatte Fundel immer wieder erwähnt, man sei mit Ryanair im Gespräch. Die Lufthansa und ihre Tochter Germanwings, wichtigste Kundin in Stuttgart, kämen noch stärker unter Druck. Denn der englische Billigflieger Easyjet hatte schon angekündigt, im Sommer 2015 nach Stuttgart zu kommen.

Jetzt auch noch Ryanair. Die ist für Germanwings wahrscheinlich noch gefährlicher. Die Iren, erinnerte Fundel, haben weltweit 82 Millionen Passagiere und damit rund sechs Millionen mehr als die Kernfirma Lufthansa. Ryanair sei um ein Vielfaches produktiver und somit preislich wettbewerbsfähiger. Colm O’Shea, Ryanair-Marketingchef für Deutschland, kündigte auch an, dass die Zeichen auf Wachstum stehen. Mit vier Prozent Anteil am deutschen Markt wolle man sich nicht begnügen. In der Zukunft seien auch innerdeutsche Flüge eine Option. Interessante Ziele sehe man auch in Norditalien und Südosteuropa. Lufthansa könne Ryanair durchaus als Drohung empfinden, sagte O’Shea.

Auch Fundel sieht in dem Markteintritt von Ryanair und Easyjet eine bedeutsame Zäsur. Wenn beide nur je ein Flugzeug in Stuttgart fest stationieren würden, entspräche das jeweils rund 250 000 zusätzlichen Passagieren pro Jahr. Aber das ist Zukunftsmusik. Dennoch zeigte sich Fundel zufrieden: Das Ziel Manchester sei im Moment nicht im Programm und somit eine erfreuliche Ergänzung. Ryanair beginne in Stuttgart langsam. Dadurch könne sich die Airline mit den Verhältnissen hier vertraut machen. Die Flughafengesellschaft und die Passagiere wiederum könnten sich mit Ryanair besser vertraut machen. Wenn das Produkt ankomme, rechne er mit einem stärkeren Engagement. Man habe die Chance, am Wachstum von Ryanair teilzuhaben.

Der Flughafen Stuttgart kann das brauchen. Seit Ausbruch der globalen Finanzkrise 2008 schwächelt die Passagierzahl. Auch 2014 wird die Rekordmarke von 10,2 Millionen Fluggästen im Jahr 2007 vermutlich erneut knapp verfehlt.

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