Der AK Flüchtlinge unterstützt die Asylbewerber – materiell wie psychisch. Foto: S.Bürkle

Der Arbeitskreis Flüchtlinge kümmert sich um die Menschen, die bei dem Brand des Asylbewerberheims am Wochenende fast alles verloren haben. Neben der materiellen Hilfe sind Gespräche besonders wichtig.

Heumaden - Die Bilder sitzen tief. Die Frau aus dem Irak, die sich an Krücken aus ihrem Zimmer nach draußen geschleppt hat, weint. Doch ganz offensichtlich sind es nicht nur die Schmerzen im Fuß, die der Frau zu schaffen machen. Die brennenden Häuser kennt sie aus ihrer Heimat. Das hat sie am Wochenende wieder erlebt, als ein Feuer in der Asylunterkunft an der Kirchheimer Straße gewütet hat, in der sie wohnt. Es ist auch ein Stück weit die Erinnerung, die weh tut. Und das Gefühl der Hilflosigkeit.

Mühsam erklärt die Frau mit der Unterstützung eines Dolmetschers, dass sie dringend etwas zu essen braucht. Normalerweise bekommt sie Lebensmittelgutscheine. Die tragen eine Nummer, die mit der auf ihrem Ausweis übereinstimmen muss. So besagt es das Gesetz in Deutschland. Der Ausweis aber ist verbrannt. So wie fast alles von der wenigen Habe, die die Frau besessen hat. Das bedeutet für sie: kein Ausweis, keine gültigen Gutscheine.

Die Stadt habe sich vorbildlich gekümmert

So wie ihr geht es derzeit vielen Bewohnern des Heims an der Kirchheimer Straße. Zwei der sechs Gebäude sind wegen Einsturzgefahr abgesperrt, ein Sicherheitsdienst wacht darüber, dass niemand sie betritt. In den anderen vier Gebäuden, die unversehrt sind, leben weiterhin Asylbewerber.

Die Stadt, so sagt es Ariane Mueller-Ressing, habe sich nach dem Brand vorbildlich um die Menschen gekümmert. Laut einer städtischen Pressemitteilung sind mittlerweile 68 Personen kurzfristig in anderen Unterkünften oder Privatwohnungen untergekommen, fast alle haben unbürokratisch Hilfe bekommen. Trotzdem bleibt für die Sprecherin des Arbeitskreises Flüchtlinge und ihre ehrenamtlichen Helfer noch viel zu tun. 14 von ihnen sind zurzeit abwechselnd vor Ort, um die Leute aus dem Heim mit dem Nötigsten zu versorgen.

Es fehlt nach dem Brand an allem

Etwa die Flüchtlingsfamilie mit vier Kindern, deren jüngstes behindert ist. Übergangsweise sind die Eltern mit den Kleinen in einer anderen Unterkunft im Stadtgebiet untergekommen . „Die brauchten dringend einen Wasserkocher“, sagt Mueller-Ressing. Also hat die AK-Sprecherin einen gekauft und der Familie gebracht.

Ohnehin fehlt es nach dem Brand an allem, seien es nun Töpfe und Pfannen, Schulsachen für die Kinder oder Drogerieartikel. „Viele Menschen haben nur noch die Kleider, die sie am Leib getragen haben, als sie aus dem brennenden Haus geflüchtet sind“, erzählt Ariane Mueller-Ressing.

Welle der Hilfsbereitschaft

Viele Menschen aus der Nachbarschaft haben sich in den vergangenen Tagen bereit erklärt, Sachspenden vorbeizubringen. Auch der Verein Kinderfreundliches Stuttgart und die Kinderbeauftragte der Stadt, Roswitha Wenzl, haben ihre Unterstützung zugesagt. Über die Welle der Hilfsbereitschaft ist die AK-Sprecherin froh – allein, damit ist den Flüchtlingen nicht immer gedient. „Kleider etwa können wir nirgends lagern“, sagt Mueller-Ressing.

Stattdessen sind die freiwilligen Helfer dringend auf Geldspenden angewiesen. „Derzeit plündern wir unser Konto“, sagt Mueller-Ressing. Das Geld werde benötigt, um den Flüchtlingen Fahrkarten für die Bahn zu bezahlen, wenn sie von ihren provisorischen Unterkünften zurück an die Kirchheimer Straße fahren müssen. Auch die Wiederbeschaffung von Papieren sei nicht billig. „Da müssen biometrische Fotos gemacht werden, die einiges kosten“, sagt die Sprecherin. Nicht zuletzt braucht der Arbeitskreis schlichtweg Geld, „um den Flüchtlingsfamilien mal den Kühlschrank zu füllen“, berichtet Mueller-Ressing – denn auch die Lebensmittel vieler Bewohner sind vom Feuer vernichtet worden.

Mit den Flüchtlingen ins Gespräch kommen

Neben der materiellen Unterstützung ist Ariane Mueller-Ressing aber vor allem eines wichtig: mit den Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen, ihnen zuzuhören. Viele von ihnen seien traumatisiert, fühlten sich an schreckliche Vorkommnisse in ihrer Heimat erinnert. Selbst psychische Zusammenbrüche habe es nach dem Brand gegeben, erzählt sie. Für die Sprecherin ist klar: „Da hilft nur eines: reden, reden, reden.“

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