Dort, wo Manuela Uhlmann und Rudolf Podany stehen, befand sich das abgebrannte Vereinsheim der Gartenfreunde Böblingen – die Pizzeria Monte Cassino. Foto: Stefanie schlecht/Stefanie Schlecht

Die Pizzeria Monte Cassino, das Vereinsheim der Gartenfreunde Böblingen, ist im Januar 2023 abgebrannt. Ein Jahr später liegt die Fläche noch immer brach. Doch jetzt könnte es vorangehen.

Mehr als ein Jahr nach dem Brand zeugen nur noch Bodenplatten davon, dass hier einmal ein Haus stand. Das Vereinsheim der Gartenfreunde Böblingen an der Beckenklinge ist am 6. Januar 2023 den Flammen zum Opfer gefallen. Ein großer Verlust für die Gartenfreunde, aber vor allem auch für Gastronom Ionel Dobrita, an den das Gebäude verpachtet war und der dort die Pizzeria Monte Cassino betrieb.

 

Die Folgen des Feuers haben ihre Spuren hinterlassen und sorgen teilweise für Spannungen. Mitglieder wundern sich, warum das Vereinsheim noch nicht wieder aufgebaut ist und klagen über fehlende Toiletten, auch Dobrita ist enttäuscht. Rudolf Podany, erster Vorsitzender der Gartenfreunde, und Manuela Uhlmann, zweite Vorsitzende, berichten von schwierigen Monaten. Sie haben aber eine gute Nachricht: Seit zwei Wochen liegt die Baugenehmigung für den Wiederaufbau vor.

„Enorm viel auf uns zugerollt“

Das Feuer brach damals in einem Holzbau neben der Pizzeria aus und ließ mehrere Gasflaschen, die dort lagerten, explodieren. Als Brandursache nennt Uhlmann einen technischen Defekt. Trümmerteile des Gebäudes seien bis in die rund 100 Meter entfernte Einfahrt der Panzerkaserne geflogen, erinnert sich Podany. 55 Feuerwehrleute bekämpften rund sechs Stunden lang das Feuer.

Nach dem Brand standen die Wände der Pizzeria noch. Zunächst hat es so ausgesehen, als würde es reichen, den Dachstuhl neu zu machen, sagt Podany. „Ich habe am Anfang stolz gesagt, wenn der November kommt, wollen wir das Dach drauf haben.“ Er wurde jedoch eines Besseren belehrt. Denn Untersuchungen ergaben, dass das Vereinsheim komplett abgerissen und neu aufgebaut werden muss. „Da ist enorm viel auf uns zugerollt“, sagt Manuela Uhlmann. Sie schrieben mit der Versicherung hin und her, trafen sich mehrmals mit den Architekten, kommunizierten mit der Stadt, diskutierten über Gutachten und Baupläne. Eine Unsicherheit, die sie lange begleitete: Wie steht es um die Finanzierung? Es geht laut Uhlmann um Kosten von einer kappen halben Million Euro. „Ich habe Ende Januar Kontakt mit der Versicherung aufgenommen und erst im November war die Zahlungszusage da“, berichtet Podany.

Können Kritik nur teilweise nachvollziehen

Immer wieder galt es, neue Details zu klären. Ein Beispiel: Seit Bau des Vereinsheims in den 1970er Jahren haben sich Vorschriften geändert. Gaststätten brauchen nun eine Behindertentoilette. Eine Vorgabe, die es beim Neubau zu beachten gilt, die aber von der Vorgabe der Versicherung abwich, alles genau so aufzubauen, wie es vorher war. Also hätten sie sich vom Baurechtsamt eine Bestätigung holen müssen, dass diese Änderung zwingend notwendig ist, sagt Podany.

Die Pizzeria am Tag des Brandes. Foto: SDMG/ / Dettenmeyer

Beide wissen um die Fragen, warum der Aufbau so lange dauert und die Kritik an der Toilettensituation. Die Enttäuschung, dass das Heim noch nicht wieder steht, können sie verstehen. „Das sind wir ja selbst auch“, sagt Podany. „Aber schneller geht es einfach nicht.“ Einen Vorwurf will er niemandem machen. Sie hätten Architekten, die sich sehr für sie einsetzten, und auch die Stadt habe sich immer hilfsbereit gezeigt.

Weniger Verständnis zeigen sie hingegen für die Kritik an den fehlenden Toiletten. Früher standen den Pächtern im Vereinsheim Toiletten zur Verfügung, seit dem Brand halten zwei Dixi-Klos als Ersatz her – für 75 Pächter. Ein Mitglied bezeichnet die hygienischen Zustände als desaströs. „Das hier ist ein Notfall“, sagt Podany. Sollten die Pächter der Beckenklinge statt der Dixi-Klos beispielsweise einen Toilettenwagen wollen, so müssten sie diesen selbst organisieren.

Was jetzt geplant ist

Immerhin zeigt sich jetzt ein Lichtstreif am Horizont: die Baugenehmigung, die ihnen die Stadt vor etwa zwei Wochen erteilt hat. Geplant ist laut Podany ein Gastraum mit rund 60 Sitzplätzen, eine Küche, Umkleideräume fürs Personal, Toiletten fürs Personal und die Gäste und zwei Toiletten für die Gartenanlage.

Und wer wird dort bewirten? Ionel Dobrita hat vor dem Brand das Vereinsheim fast 20 Jahre lang bespielt. Doch die Gartenfreunde haben Dobrita den Pachtvertrag gekündigt. „Weil wir mit dem neuen Gebäude auch einen neuen Vertrag aufsetzen müssen“, lautet Podanys Erklärung. Bei Dobrita sorgte dieser Schritt allerdings für Irritationen. Die Zeit nach dem Brand, der die komplette Einrichtung zerstört habe, sei nicht einfach gewesen. „Das war ein riesiger Schaden für uns“, sagt der Gastronom, dessen Familie noch die Alte Kanne in Schönaich betreibt. Geholfen hätten ihm die Amerikaner, die zu seinen Stammgästen zählten. Er dürfe das Monte Cassino vorübergehend in der Panzerkaserne weiterbetreiben.

Obwohl sich Dobrita über die Gartenfreunde verärgert zeigt, schließt er nicht aus, das Vereinsheim erneut zu pachten. „Wenn die Bedingungen stimmen, übernehme ich wieder.“ Auch Podany sagt: „Mit ihm lief die Gaststätte, von Vorstandsseite spricht nichts dagegen.“ Eine Einschätzung, wann es so weit sein könnte, will Podany nicht geben. Die Baugenehmigung ist da, die Arbeiten sind aber noch nicht ausgeschrieben. Er habe schon einmal eine falsche Prognose abgegeben. Das soll ihm nicht wieder passieren.

Aus große Verein sollen fünf kleine werden

Gartenfreunde Böblingen
Die Anfänge des Vereins liegen im Jahr 1942. Inzwischen zählen fünf Kleingartenanlagen mit insgesamt 420 Pächtern dazu. Podany und Uhlmann, beide seit Jahrzehnten im Verein, verwalten als Vorstand das Ganze.

Aufteilung geplant
Die Gartenfreunde Böblingen streben laut Rudolf Podany in der nächsten Mitgliederversammlung am 13. April die Aufteilung des Vereins in fünf kleine Vereine an. „Der große Verein ist ehrenamtlich einfach nicht mehr zu stemmen“, sagt er. Bereits 2019 hätten sie von der Mitgliederversammlung den Auftrag bekommen, auf die Aufteilung hinzuarbeiten. Jetzt stehe der Entschluss an, diese Aufteilung einzuleiten. Dann gäbe es nicht mehr einen großen Verein, dem die fünf Kleingartenanlagen angehören, sondern jede Anlage würde einen eigenen Verein bilden.