Am Stuttgarter Wagenburg-Gymnasium sind die Verbindungen nach Frankreich besonders eng. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Der Terroranschlag in Straßburg hat auch Auswirkungen auf Stuttgarter Schulen. Am Wagenburg-Gymnasium könnte der geplante Schüleraustausch im März in Le Mans einem Reiseverbot seitens der französischen Partner zum Opfer fallen.

Stuttgart - Am Mittwochmorgen nach dem Terroranschlag in Straßburg hat ein Lehrer des Wagenburg-Gymnasiums im Stuttgarter Osten über Facebook eine Mitteilung einer früheren Schülerin erhalten, die gerade in Straßburg studiert. „Mir geht’s gut“, schrieb sie. „Das war dann gleich Teil eines Klassengesprächs“, berichtet Schulleiterin Petra Wagner – „die Schüler sind da gut vernetzt“. Dabei hatte sich der Vorfall am Straßburger Weihnachtsmarkt zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bei allen herumgesprochen. Allerdings ist man am Wagenburg-Gymnasium mit seiner deutsch-französischen Abteilung bei solchen Angelegenheiten besonders sensibilisiert. Denn von den 537 Schülern haben 174 einen französischen Pass. Und vom 11. bis 14. März steht ein Austausch mit der Partnerschule in Le Mans an. „Da sollte unsere Klasse neun hinfahren“, sagt Petra Wagner. „Und eine Gruppe aus Le Mans soll unsere Zehner besuchen.“ Doch dieser Austausch wackelt nun. Denn nach den bisherigen Erfahrungen sei damit zu rechnen, dass in Frankreich auch diesmal ein zentrales Reiseverbot für die Schüler verhängt werde.

Durch Anschlag in Paris vor drei Jahren Kontakt zu Partnerschule verloren

„Wir hatten das schon mal“, sagt Wagner. Nach den Terroranschlägen in Paris vor drei Jahren, unter anderem auf die Disco Bataclan und die Redaktion von Charlie Hebdo, bei denen 130 Menschen getötet und Hunderte verletzt wurden, durften die Partnerschüler der Stuttgarter Gymnasiasten aus Saverne und Le Mans nicht ausreisen. „Damals sind unsere ganzen Projekte und Austausche gecancelt worden“, berichtet die Schulleiterin – „wir haben von uns aus unsere Reisetätigkeit nicht eingeschränkt“, betont die Pädagogin – und eigene Aktivitäten gesucht. Doch mit der Schule in Saverne habe man inzwischen überhaupt keine Kontakte mehr, weil wegen der Reiseverbote keine zuverlässigen Projekte mehr geplant werden konnten. „Unsere Partnerschule hat daraufhin die Kontakte eingefroren“, bedauert Petra Wagner – „total schade“. Aber Frankreich reagiere eben sensibler auf solche Vorfälle als Deutschland – „das muss man respektieren“.

Auch die Ängste der Eltern werden ernstgenommen

Und nun? „Wir müssen nun schauen, wie die Eltern mit ihren Ängsten umgehen.“ Anders als in früheren Jahren habe man ohnehin die früher übliche Zwischenübernachtung in Paris bei der Fahrt nach Le Mans gar nicht mehr vorgesehen. „Man hat als Lehrer eine große Verantwortung, wenn man in eine Großstadt fährt“, meint Wagner. Es habe im Falle von Paris auch etwas mit Bauchgefühl zu tun. Erst am 9. November hätten die Schüler der Kursstufe eins eine Berufs- und Studieninformationsmesse in Straßburg besucht. Ohne Zwischenfälle. Unmittelbare Reaktionen auf den Anschlag in Straßburg seien bisher am Wagenburg-Gymnasium aber nicht geplant. Allerdings, so Wagner: „Wenn Schüler sich betroffen zeigen, werden wir das aufgreifen.“

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