Von Freitag bis Sonntag begeisterte das Böblinger Ensemble „Theater in der Baracke“ an gleich drei Abenden das Publikum. Statt im Fruchtkasten präsentierte die Truppe die Komödie „Gott sucht einen Therapeuten“ vor der Stadtkirche.
Böblingen - „Ja, ich bin es. Gott höchstpersönlich“, ruft jemand über den kleinen Platz neben der Böblinger Stadtkirche und erntet leicht verdutzte Blicke. Mit festem Blick und ausgestreckten Armen steht Abel Baumann, gespielt von Michaela Schubert, auf einem kleinen Stahlgerüst. Da Gott jedoch in einem Clownskostüm steckt, hat sein Gegenüber Zweifel. Und so beginnt für den angeblichen Allmächtigen die Überzeugungsarbeit.
Zirkusclown hält sich für Gott
Als weitere Hauptfigur der Komödie „Gott sucht einen Therapeuten“ steht Jakob Jakobi im Mittelpunkt der Handlung. Frank Schubert, der Leiter des Böblinger Ensembles „Theater in der Baracke“ (TiB), spielt den erfolglosen Psychotherapeuten, der nicht gerade vom Glück verfolgt ist. Als er gerade an einem neuen Tiefpunkt angelangt ist, begegnet ihm der wunderliche Abel Baumann: ein Zirkusclown mit Persönlichkeitsstörung. Oder wie Baumann sagen würde: Gott.
Gott braucht ganz dringend einen Therapeuten. Denn mit dieser schnelllebigen Welt kommt selbst der Schöpfer nicht mehr mit und ist geplagt von psychosomatischen Symptomen. So nimmt sich Jakob Jakobi des ungewöhnlichen Mannes an und zweifelt im weiteren Verlauf immer mehr daran, ob die kleinen Tricks von seinem neuen Freund Baumann wirklich alle so irdisch sein können. Steckt womöglich doch der liebe Gott in dem wunderlichen Clown?
Ob das wirklich stimmt, muss der Zuschauer am Ende selbst entscheiden. Denn die Komödie „Gott sucht einen Therapeuten“ schließt mit einem offenen Ende. Als Abel Baumann wegen eines Zusammenpralls mit einer Erzengel-Statue stirbt, wird nicht klar, wie viel Gott und wie viel Persönlichkeitsstörung nun wirklich Teil des sympathischen Spinners war.
Stück gekürzt: Ende bleibt offen.
„Wir mussten es ein wenig runterkürzen, deswegen ist das Ende nun offengeblieben“, berichtet Frank Schubert nach dem Auftritt. „Doch ich denke, in diesem Fall passt es ganz gut. Dann bleibt für jeden genug Interpretationsspielraum.“
Im Vordergrund steht eh die Spielfreude des TiB-Ensembles. Mit Witz, Charme und Hingabe präsentiert die siebenköpfige Theatertruppe das selbst umgeschriebene Stück. „Das Buch hat uns alle von Anfang an begeistert“, berichtet Frank Schubert, der gemeinsam mit dem Ensemble ein Jahr an einer eigenen Fassung gearbeitet hat.
Anderthalb Jahre Zwangspause nach der Premiere
Allerdings musste der Auftritt dann lange warten. Das TiB hatte mit der Komödie „Gott sucht einen Therapeuten“ bereits Mitte März 2020 im Fruchtkasten auf dem Schlossberg Premiere gefeiert. Wegen des Lockdowns war damals allerdings bereits nach der Premiere schon wieder Schluss. „Wir haben jetzt über ein Jahr nicht geprobt“, erzählt Frank Schubert. Immerhin konnte das Ensemble nun endlich weitere Aufführungen vor Publikum präsentieren.
Mit Charme und Enthusiasmus
Mit ganz viel Enthusiasmus zeigte die Truppe, wie sehr sie dem Wiedersehen mit dem Publikum entgegengefiebert hatte. Vor allem Michaela Schubert beweist ihr schauspielerisches Talent als Abel Baumann. Das schnell wechselnde Bühnenbild und das ständige Schlüpfen in neue Rolle der Nebendarsteller verleihen der Inszenierung Pep und Tempo. Die Perücken mochten zwar ein wenig billig erscheinen, aber dieser Minimalismus hat ja schon in der Vergangenheit den Charme der TiB-Produktionen ausgemacht.
„Es war ein wirklich spannender Abend. Ich war auch etwas aufgeregt, aber es ist alles super gelaufen“, zieht der Ensemble-Chef Frank Schubert am Ende sein Resümee. Seit 1989 ist er beim TiB aktiv. „Ich bin einfach nur erleichtert, endlich wieder spielen zu dürfen“, sagt er. „Es war echt eine schwere Zeit, weil wir kaum etwas machen durften.“ Zwar hatte das Ensemble zwischenzeitlich die Möglichkeit, mit Abstand und Maske zu proben, aber das sei einfach nicht dasselbe. „Es geht darum, dass es live ist und wir als Gruppe interagieren können.“
Gute Kommunikation unter Kulturschaffenden
Doch trotz der schwierigen Zeit für die Theatergruppe ist der Leiter dankbar. „Obwohl die Kultur etwas hinten heruntergefallen ist, gab es eine gute Kommunikation der Kulturschaffenden in Böblingen untereinander“, betont Schubert. So war das TiB einer von mehreren Vereinen, die sich im vergangenen Winter der Initiative „Kultur bewegt Böblingen“ angeschlossen hatten, um bei der Stadtverwaltung für Unterstützung zu werben.
„Wir haben uns oft gegenseitig unterstützt, wenn Not am Mann war“, berichtet Schubert. Das habe ihm geholfen, motiviert zu bleiben. „Als alles langsam wieder losging, hatte ich dann schnell die Idee für ein Open-Air-Theater. Jetzt sind wir froh, dass alles so super geklappt hat.“