Die Schwaben sind beim Entertainment nicht mutig genug, findet der Unternehmer Rolf Deyhle. Foto:  

Der einstige Musical-König Rolf Deyhle spricht über Aufstieg und Fall. Als Verlierer sieht er sich nicht.

Stuttgart - Der Stuttgarter Unternehmer Rolf Deyhle (73) dachte schon immer im großen Maßstab - und holte Musicals wie „Das Phantom der Oper“ nach Deutschland. Ende der 90er kam der  Fall, seine Firma ging unter. Doch als Verlierer sieht sich Deyhle nicht.

Herr Deyhle, schmerzt es Sie, dass man Sie vor allem mit der Insolvenz der Stella AG in Verbindung­ bringt und Sie nicht als einstigen Musical-König verehrt?
Nein, das ist mir inzwischen egal. Die Leute können doch reden, was sie wollen. Als ich die Stella AG 1998 verkauft habe, war es ein florierendes Unternehmen mit tollen Zahlen. Was die Banken danach daraus gemacht haben­, war nicht mehr meine Sache. Damit hatte ich gar nichts mehr zu tun.

Also betrachten Sie Ihren persönlichen Schlusspunkt, den Sie mit dem Verkauf Ihres Stuttgarter Musical-Imperiums gesetzt haben, nicht als Untergang?
So ist es. In Stuttgart war zu dieser Zeit absolut nichts los, die Stadt war alles andere als ein Touristenmagnet. Ich habe hier in den ­90er Jahren das größte Live-Entertainment-Zentrum Europas gebaut. Ohne mich gäbe es das alles nicht, keine Musical-Theater, kein SI-Centrum. Möhringen wäre möglicherweise heute noch Brachland. Und Stuttgart um eine riesige Attraktion ärmer.

Sie sagen, dass in den Medien oft Falsches über Sie behauptet wird. Aber einen Grund dafür, dass Sie immer mal wieder mit Negativberichten auftauchen, muss es doch geben.
Wenn Ihre Kollegen genau recherchieren statt Falsches abschreiben würden, würde das sicher nicht passieren. Da gibt es sogar einige­, die nicht einmal bei mir nachfragen, wenn sie über mich berichten. Mit seriösem Journalismus hat das nichts zu tun.

Man hat Sie nicht nur für die Stella-Insolvenz verantwortlich gemacht, sondern auch dafür, dass viele durch das von Ihnen entwickelte Bauherren-Modell Geld verloren haben.
Ich habe mir nichts vorzuwerfen, ich habe immer saubere Geschäfte gemacht. Ich selbst habe damals im Osten sehr viel Geld verloren. S o ist das nun mal im Leben.

Können Sie nachvollziehen, dass manche Menschen Ihnen auch heute noch gram sind?
Ich gebe zu, was ich damals gemacht habe, ist sehr komplex. Wenn viel Geld im Spiel ist, wer­den die Dinge nun mal komplex, das ­ver­steht nicht jeder. Aber das Leben muss weitergehen. Wer keine Zukunft hat, redet eben über die Vergangenheit. Das ist eine indische Weisheit. Ich befasse mich immer mit neuen Aufgaben und will damit weiterkommen.