Rose gibt gerne Interviews – und spricht zurzeit am liebsten über Fußball. Foto: Bernklau

Das Museumsradio U 14 im Haus der Geschichte wird von Kindern und Jugendlichen gemacht. Es ist ein Projekt der Museumspädagogik – und macht vielen Spaß.

S-Mitte - Luzie hat den Umgang mit Mikro und Rekorder und Kopfhörer in Null Komma nichts gecheckt. Aber den großen Wunsch der Zweitklässlerin aus der Vogelsangschule im Stuttgarter Westen kann Caroline Sproll nicht erfüllen. Luzie würde gerne ein Interview mit Bastian Schweinsteiger führen. Doch der ist gerade ein bisschen weit weg von Stuttgart und dem Haus der Geschichte. Und so befragt Luzie übungshalber ihre Freundin Rose. Im Radio ist man per Sie: „Wie hat Mario Gomez gespielt? Haben Sie alle Tore von ihm gesehen?“

Museen müssen keine staubtrockene Angelegenheit sein. Das Haus der Geschichte neben der Staatsgalerie gehört nicht nur im 60. Jubiläumsjahr des Landes Baden-Württemberg zu den Einrichtungen, die sich besondere Mühe bei der Wissensvermittlung geben. Museumspädagogik heißt das. Und es betrifft Erwachsene nicht weniger als die Jüngsten. An diesem Samstag macht Caroline Sproll ihr U 14 Museumsradio für die jüngste Zielgruppe von acht Jahren an.

Reportage über das Haus und seine Abteilungen

Das Museumsradio U 14 ist ein Radioclub, in dem Kinder und Jugendliche nicht einfach vorgesetzt und erklärt bekommen, was das Haus der Geschichte an Wissenswertem zu bieten hat. Nein, die jungen Besucher erobern sich diese Welten und Zeiten ganz aktiv. Sie machen eine Radioreportage über das Haus und seine unterschiedlichen Abteilungen. Kinder haben andere Fragen an das Museum und an die Geschichte.

Dass an diesem Sommertag nur diese beiden Mädchen zu der auf drei Stunden angesetzten Museums-Expedition kommen, ärgert Caroline Sproll nicht, zumal die beiden knitzen Freundinnen so viel Wirbel machen, dass es die helle Freude ist. Der Besuch schwankt stark, aber bewährt haben sich die Angebote längst, seit sie vor ungefähr vier Jahren in das Programm aufgenommen wurden.

Luzie und Rose waren zwar beide schon mit den Eltern im Haus der Geschichte. Aber der Radioclub U 14 ist neu. Allerdings hat Luzie auch schon ein Fernsehstudio besichtigen können. Im Vergleich dazu ist die Technik beim Museumsradio doch sehr überschaubar und schnell gelernt. Die Mädchen merken sofort, dass der Ton sauber ausgesteuert werden muss, wenn er beim Abspielen unter dem Kopfhörer nicht in den Ohren wehtun soll.

Audio-Stream auf der Homepage

Und dann geht es los. Die Museumspädagogin macht behutsam Vorschläge. Als erstes ist der geheimnisvolle Raum der Kultur dran mit seinen durchsichtigen hängenden Kugelsitzen und den weißen Stoffbahnen, auf die Gesichter, Filme, Statements projiziert werden. Aber den Tänzer Ismael Ivo, die Ballerina Marcia Haydée oder den Opernintendanten Klaus Zehelein kennen sie nicht. Schnell drehen sich die gegenseitigen Interviews wieder um Schweinsteiger und Gomez.

Draußen vor der Tür aber gibt es viele Sachen, die spannend sind. Alltagsgegenstände zum Beispiel wie eine Spätzlespresse. Zu dem verspiegelten Wappenpferd auf der Terrasse weiß Rose sogar zu erzählen, dass ein Verwandter damit „viel Geld gewonnen“ habe. Ob es das Honorar des Künstlers war, lässt sich nicht so präzise klären.

Aber interessant ist es doch. „Das kann ins Internet“, entscheidet Luzie über die Passage. Da wird es irgendwann als Audio-Stream auf der Homepage des Hauses der Geschichte zu hören sein, wie dreißig weitere Beiträge zu ganz unterschiedlichen Themen, die von den U 14 Museumsradio-Machern bislang produziert worden sind.

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