Mundart-Preis in Stuttgart verliehen Armbrüstle adelt „Auf gut Schwäbisch“

Von StN 

Armbrüstle-Biograph Georg Bahmann (links) und „Auf gut Schwäbisch“-Initiator Jan Sellner bei der Preisverleihung im Braukeller. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Armbrüstle-Biograph Georg Bahmann (links) und „Auf gut Schwäbisch“-Initiator Jan Sellner bei der Preisverleihung im Braukeller. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Große Ehre: Die bereits mit dem Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgezeichnete tägliche Mundart-Serie der Stuttgarter Nachrichten, „Auf gut Schwäbisch“, ist jetzt auch mit dem Traugott-Armbrüstle-Preis bedacht worden, dem ältesten schwäbischen Mundart-Preis.

StuttgartTraugott Armbrüstle, das muss man in aller gebotenen Zurückhaltung feststellen, ist eine Legende. Der Mann aus Heslach, der – zumindest in der Fantasie – von 1804 bis 1876 gelebt und lange drüber hinaus gewirkt hat, ist als begnadeter Dichter und Erfinder in die Geschichtsbücher eingegangen, genauer gesagt in das von Autor Georg Bahmann verfasste Geschichtsbuch, der diesen Armbrüstle wie kein Zweiter kennt, weil er ihn nämlich geschaffen hat, und der seit vielen Jahren auf ebenso kreative wie liebenswerte Weise sicherstellt, dass Traugott Armbrüstle der Nachwelt erhalten bleibt und sich immer neue, wilde Legenden um die Figur des sagenumwobenen Burschen aus Heslach ranken.

So wurde beim jüngsten Treffen der Traugott-Armbrüstle-Gesellschaft am Freitagabend in Carls Braukeller durch vortragende Mitglieder des am 1. April 1976 gegründeten Armbrüstle-Freundeskreises bekannt, dass das Heslacher Universalgenie auch als Erfinder des Pariser Eiffelturms angesehen und gewürdigt werden muss. Bei der Formgebung des Turmes orientierte sich dessen Erbauer, Gustave Eiffel, nämlich an der breitbeinigen Haltung Armbrüstles, die dieser nach dem Genuss von mindestens zehn Trollinger-Viertele in seinem Wengert eingenommen hatte.

Der „schwäbische Nobelpreis“

Auch der Mercedes-Stern, so erfährt das staunenden, 80-köpfige Publikum im Braukeller, gehe auf den großen Heslacher zurück. Als dieser sich einmal den „Meggel“ anschlug, sah er Sternle. Bis zum charakteristischen Mercedes-Stern war es dann nur noch ein kleiner Schritt. Als größte Erfindung Armbrüstles gilt weiterhin der Jazz, den er im Exil in New Orleans entwickelte, wovon bis heute die Bezeichnung TRAD auf ungezählten Jazz-Standards zeugt. Während darin landläufig die Abkürzung für „Traditional“ gesehen wird, weiß der gebildete Tradist: TRAD steht für „Traugott Armbrüstle Deutschland“.

Das alles zeigt, welche Ehre es ist, mit einem Preis ausgezeichnet zu werden, der den Namen des Heslacher Universalgenies trägt. Wenn man dann noch bedenkt, dass es sich beim Traugott-Armbrüstle-Preis um den ältesten schwäbischen Mundart-Preis handelt und sich unten den bisherigen Preisträgern Schwaben-Ikonen wie Wolle Kriwanek und Uli Keuler befinden, dann fällt der Respekt vor dem „schwäbischen Nobelpreis“ (Bahmann) noch viel größer aus.

2700 Dialekt-Kolumnen in neun Jahren

Freuen durfte sich diesmal der Journalist Jan Sellner. Der Initiator und Betreuer der seit April 2009 täglich in den Stuttgarter Nachrichten und ihren Partnerzeitungen erscheinenden Dialekt-Spalte „Auf gut Schwäbisch“ wurde in fröhlicher Runde „für seine langjährigen Verdienste um die schwäbische Mundart“ mit dem Traugott-Armbrüstle-Preis 2017 ausgezeichnet. „Sie haben mit dieser Rubrik eine Quelle angestoßen, aus der es unermüdlich sprudelt“, stellte Bahmann in seiner Laudatio fest. Mit dem typischen Augenzwinkern eines Tradisten fügte er hinzu. „Und wie es bei einer Quelle so ist, werden auch einige Breggala mit herausgeschwemmt“ – ein dezenter Hinweis, dass die bisher erschienenen rund 2700 „Auf gut Schwäbisch“-Spalten auch einige Beiträge enthalten, die Traugott Armbrüstle vermutlich als „Schorle-Schwäbisch“ bezeichnet hätte, als verwässerte Mundart.

Spenden für die Karl-Schubert-Gemeinschaft

Der undotiert Armbrüstle-Preis gilt in Dialekt-Kreisen übrigens als Trophäe. Neben einer kunstvollen Urkunde besteht er aus einem Stück Holz. Die Geschichte dazu: Armbrüstle, der von sich behauptete, mit seinem Luftgewehr aus 100 Metern Entfernung da linke Auge einer Stubenfliege zu treffen, versuchte einmal vergeblich auf ein großes Astloch eines Baumes zu zielen. Der Baum war anschließend so zerfleddert, dass er der Überlieferung zufolge „notgeschlachtet“ werden musste. Aus den Resten wurde der Traugott-Armbrüstle-Preis gezimmert.

Umrahmt wurde die Preisübergabe von der großartigen Happy Jazz Company, die sonst im Stuttgarter Jazz-Keller anzutreffen ist. Nicht zu vergessen die an diesem Abend für Ihre Mundartakrobatik gefeierten Tradisten, Werner Stahl und Jörg Beirer sowie „Schwobablues“-Sänger Martin Heller und andere Armbrüstle-Verehrer. Unter dem Strich: Schwäbisch vom buchstäblich Feinsten, wozu auch die traditionelle Spende für die Karl-Schubert-Gemeinschaft für Menschen mit Behinderung zählt. Traugott Armbrüstle hätte seinen Hut gezogen. (stn)

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