Smudo (re.) und Redakteur Dominik Ignée vor der Fahrt über die Nordschleife Foto: Four Motors/Flitzfoto

Smudo von den Fantastischen Vier ist nicht nur ein guter Sänger, er ist auch ausgezeichneter Rennfahrer. Unser Redakteur Dominik Ignée hat sich davon überzeugt – als Beifahrer auf der Nordschleife des Nürburgrings.

Nürburgring - Das Wetter am Nürburgring? Zwei Varianten gibt es: Sieht man von der Haupttribüne der Rennstrecke die auf einem Hügel thronende Nürburg nicht, ist das Wetter schlecht. Und wenn man sie sieht, dann wird es schlecht.

Jedes Kind in der Eifel weiß das, und diese Faustregel macht den etwas anderen Nürburgringausflug womöglich zum Himmelfahrtskommando. Doch nicht nur sie. Die Ausgangslage für die Mitfahrt in einem Rennwagen der Marke Porsche basiert auf drei Zutaten, die den Eindruck erwecken, man habe mit dem Leben bereits abgeschlossen. Springst du von einer Brücke, geht es schneller.

Die Lage? Es geht erstens über die 20 Kilometer lange Nordschleife, die sie die grüne Hölle nennen, weil auf der gefährlichsten Rennpiste der Welt schon Profis, aber vor allem Amateure umgekommen sind. Zweitens: die Wahrscheinlichkeit, dass bei der so genannten „Renntaxifahrt“ grundlegend etwas schiefgehen könnte, wird erhöht durch den fiesen Eifelregen. Und drittens: am Steuer sitzt Smudo.

Wie blöd muss man sein

Wie blöd muss man sein, sich solch einer Gefahr auszusetzen, deshalb nehmen wir den Sänger der „Fantastischen Vier“ noch einmal freundlich ins Gebet. „Smudo, ich habe zwar nicht drei Töchter wie du, sondern nur eine – aber du musst mir bei dem Sauwetter jetzt echt nichts beweisen“, lautet der letzte Versuch, das Risiko zu minimieren. Smudo winkt ab: „Keine Sorge. Ich gebe da nur 70 Prozent, manchmal 80, und wenn ich eingefahren bin auch mal 90.“

Grüne Hölle, Dauerregen und ein hoch motivierter Musiker – eine teuflische Mischung. Doch so gewagt dieser Dreiklang des Risikos auch sein mag: Michael Schmidt, wie der Künstler im bürgerlichen Leben heißt, ist alles andere als ein blutiger Anfänger. Seit 2003 gehört er dem charmanten Reutlinger Rennteam Four Motors an, das der ehemalige DTM-Pilot Tom von Löwis mit Leidenschaft führt. Der Haudegen des PS-Sports wechselt sich mit Smudo und zwei jüngere Piloten bei Langstreckenrennen der VLN-Serie in dem Porsche Cayman GT4 immer ab.

Von Löwis ist sozusagen der Fahrlehrer von Smudo. Seit mehr als 14 Jahren sind die zwei mit jugendlichem Witz ausgestatteten Piloten dort angelangt, wo es hinführt, wenn die Chemie einfach stimmt. „Wir sind wie ein altes Ehepaar“, sagt der Adelsnachfahre über sich und den Fanta-Vier-Mann, der beim DTM-Finale am Samstag in Hockenheim übrigens mit seinen Sprechgesangs-Brüdern auftritt.

Geschichtsunterricht bei Tempo 200

Da haben sich zwei gefunden. Doch die Erkenntnis über eine Männerfreundschaft hilft im Auto herzlich wenig. Ein Teammitglied presst den Beifahrer mit dem Sechspunktgurt in den Schalensitz und gibt den Hinweis: „Junge, wenn was passiert, einfach hier vorne drehen, dann geht der Gurt schon auf.“ Unter den Oberschenkeln des Co-Piloten ist ein imposanter Feuerlöscher festgemacht. Keine Ahnung, wie das Ding funktioniert, aber alles klar, Freunde des Rennsports – es kann losgehen!

Schneller als der Lehrmeister

Smudo, den sie in der PS-Branche glücklicherweise als guten Rennfahrer bezeichnen und der manchmal sogar schneller ist als sein Lehrmeister von Löwis, gibt also Stoff. Auf dem Formel-1-tauglichen Teil der Piste ist die Welt noch Ordnung – Auslaufzonen so groß wie Handballfelder, ein Hochgenuss! Dann aber geht nach einem Linksknick in die grüne Hölle. Seit Niki Laudas Feuerunfall 1976 entspricht die Nordschleife nicht mehr den Sicherheitsstandards der Formel 1. Dort, wo Lauda fast verbrannte, wird Smudo dann aber dreimal aufs Armaturenbrett klopfen – das ist so abgemacht, denn ein bisschen Geschichtsunterricht muss bei Tempo 200 schon sein.

Smudo prügelt also den 385-PS-Cayman gnadenlos über die nasse Piste. Die montierten Regenreifen beruhigen etwas. Doch das hohe Tempo, mit dem wir bei Nässe auf eine Gerade einbiegen und immer mehr in Richtung Streckenbegrenzung treiben, lässt dieses seltsame Gefühl aufkommen: Das kann jetzt gut gehen – muss es aber nicht! Auf der Berg- und Talfahrt durch die Eifel gibt es überdies so viele Kuppen, dass dem Piloten blind vertraut werden muss. Der gute Mann wird ja wohl wissen, wie es dahinter weitergeht.

Plötzlich öffnet sich der Himmel

Smudo weiß es. Der „Taxi-Fahrer“ wirft die Kiste brutal über die Randsteine. In einer Steilkurve küsst der Asphalt den Unterboden oder den Frontspoiler – krrrrrrch macht es da. Das schrille Pfeifen der Bremsen ist ebenso unerträglich, doch irgendwie auch beruhigend. Es signalisiert: Der Pilot nimmt vor einer engen Biege ganz ordentlich das Tempo raus – gut so!

Das späte Anbremsen vor den Kurven auf nasser Fahrbahn zeugt von gewaltigem Mut. Wie versprochen gibt Smudo das Niki-Lauda-Signal, manchmal brüllt er dem Beifahrer auch etwas zu, das dieser bei dem hohen Lärmpegel im Auto natürlich nicht versteht. Die Döttinger Höhe, die letzte lange Gerade, knallt der prominente Rennfahrer dann mit Tempo 250 entlang. Das Poltern auf dem welligen Untergrund lässt dabei noch einmal das ungute Gefühl aufkommen : Es ist noch nicht geschafft.

Der Porsche erreicht die Boxengasse. Smudo klatscht sich nach seiner beeindruckenden Vorstellung mit dem Beifahrer ab und zieht Bilanz: „Ich habe 80 Prozent des Möglichen gegeben, aber es war schwierig, weil ich uns immer zwei, drei Meter Platz lassen musste, falls wir mal wegrutschen.“

Das Leben ist schön – denn nach dem Aussteigen öffnet sich ganz wunderbar der Himmel. Die Hölle, sie liegt hinter uns.

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