In der Corona-Krise sind dem Motocross-Streckensprecher Pascal Greco etwa 20 Termine weggebrochen. Verständlich, dass er es kaum erwarten kann, bis es endlich weitergeht. Und bis dahin übt er einfach im heimischen Wohnzimmer.
Aichwald - Die Zeiten sind hart. Bevor öffentliche Veranstaltungen wegen Corona nicht mehr stattfanden, stapelten sich beim Aichwalder Motocross-Streckensprecher Pascal Greco die Anfragen. Mehrfach war er als Sprecher der Supercross-Reihe in der Stuttgarter Schleyerhalle am Mikrofon, wenn sich unter ihm die Fahrer auf ihren knatternden Zweirädern spannende Rennen in der Arena lieferten. Rund 15 000 Zuschauer kommen regelmäßig zu dieser Veranstaltung. „Es ist meine Leidenschaft, und es sind auch Freundschaften daraus entstanden“, sagt der 22-Jährige über das Moderieren bei Motocross-Rennen.
Auch beim Baden-Württemberg-Cup oder beim Rennen in Aichwald saß er mehrfach in der Sprecherbox. Viele positive Reaktionen auf seine Arbeit, sowohl von Seiten der Veranstalter als auch aus dem Publikum, haben ihn darin bestärkt, seine Karriere als Sportmoderator neben dem Beruf als Kaufmann-Auszubildender weiter zu verfolgen.
Seit Beginn des Jahres wurden jedoch nach und nach alle geplanten Veranstaltungen Corona-bedingt abgesagt. Das vorläufig letzte große Motocross-Ereignis mit Greco am Mikrofon war das Supercross-Rennen in Stuttgart im November 2019. Eigentlich hätte im März das nächste große Rennen stattgefunden. „Mitte Februar kam der Anruf vom Veranstalter“, erinnert er sich. „Dann hat das Ganze seinen Lauf genommen“, beschreibt der Moderator die rennfreie Zeit, die bis heute anhält.
Rund 20 Termine wurden seitdem gestrichen. Lediglich im September konnte er noch eine interne Clubmeisterschaft ohne Zuschauer moderieren. In dieser Situation sei er froh gewesen, in der Vergangenheit dem Rat der Eltern gefolgt zu sein und neben der vor allem an Wochenenden stattfindenden Moderatorentätigkeit eine kaufmännische Berufsausbildung verfolgt zu haben. Um für die Live-Moderation die notwendigen Informationen zu den jeweiligen Fahrern zu haben, bereitet sich Greco auf jedes Rennen akribisch vor. Gespräche mit den Fahrern gehören ebenso dazu, wie Informationen aus dem Internet und aus Zeitschriften. Darüber hinaus muss der Moderator natürlich immer spontan auf die Ereignisse auf der Strecke reagieren. Stürze, bei denen die Fahrer nicht sofort wieder aufstehen, sind zum Beispiel keine Seltenheit. „Da bin ich meistens ruhig, dann herrscht erst einmal Stille“, erklärt Greco. Wenn die verletzten Fahrer vom Rettungsdienst abgeholt werden, wünsche er in der Regel noch eine gute Genesung. Dann liege der Fokus aber schnell wieder auf dem Rennen.
Ernste Verletzungen oder gar einen Todesfall habe es während seiner Moderation glücklicherweise noch nicht gegeben. Der Sport sei aber nicht ungefährlich. Bei Motocrossrennen selbst hinter dem Lenker zu sitzen, das hat Greco nach einigen Stürzen bald wieder aufgegeben. Dem Motorradfahren frönt er seitdem lieber beim gemächlicheren Tourenfahren, beispielsweise auf der Schwäbischen Alb.
Für das kommende Jahr baut der Sportkommentator darauf, dass wenigstens einige der geplanten Termine wieder stattfinden können. „Alle hoffen, dass das Jahr 2021 besser wird. Manche haben echte Existenzängste“, berichtet er aus seinen Gesprächen mit Vereinsverantwortlichen, Veranstaltungstechnikern und Fahrern. Doch es sind nicht allein die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise, die viele Sportbegeisterte seit vielen Monaten umtreibt. „Man hat die Langeweile über das ganze Jahr gespürt“, sagt Greco. Was für ihn derzeit bleibt, ist regelmäßiges Üben im Wohnzimmer, was sich aber nicht immer positiv auf das soziale Miteinander auswirkt. „Ich nerve meine Freundin“, erklärt er launig. Statt in der Sprecherbox kommentiert er nun eben Rennen, die er sich am Bildschirm ansieht. Große Freude mag dabei aber nicht aufkommen. „Das ist nicht das Wahre. Es fehlt etwas“, sagt er.
Dass er trotz der widrigen Umstände in den vergangenen Monaten weiter moderieren möchte, steht für den Motocross-Fan fest. Inzwischen hat er sich mit der Moderation von BMX-Rennen sogar ein weiteres Standbein aufgebaut. Den Sport kennt er aus seinen nicht allzu fernen Jugendtagen, als er selbst an BMX-Rennen teilgenommen und es bis zur Europameisterschaftsteilnahme geschafft hat.
Die BMX-Rennen sind für den Moderator eine echte Herausforderung. „BMX ist sehr, sehr schnell“, erklärt er. Ein Rennen sei in 30 bis 40 Sekunden vorbei. Der Moderator hat also nicht viel Zeit, die Informationen zu übermitteln. Außerdem gebe es eine Idee für ein Indoor-Mountainbike-Rennen, das in Wernau stattfinden soll. Auch dort möchte Greco moderieren. Darüber hinaus hofft er, dass die Motorsport-Vereine in diesem Jahr wieder einige Veranstaltungen auf die Beine stellen können. Ein erster Termin wäre im Mai der ADAC-Baden-Württemberg-Cup. Im Juli könnte dann die deutsche Meisterschaft folgen. Ob die Veranstaltungen stattfinden, sei derzeit aber noch ungewiss.