Kann sich sehen lassen: Die Kunst der Fahrer – und die anspruchsvolle Rennstrecke. Foto: Eibner-Pressefoto/Michael Memmler

Spitzensport nonstop: Die Zuschauer strömen auf den Holzgerlinger Schützenbühlring, wo sich Motocrossfahrer Duelle liefern – die auch interessant sind, wenn man mit diesem Sport wenig zu tun hat.

Einmal im Jahr ist es vorbei mit der Beschaulichkeit im Tal zwischen Mauren und Holzgerlingen: Wenn tollkühne Männer, aufstrebende Youngster und wagemutige Junioren auf Motocross-Maschinen auf der malerisch in die Landschaft eingebettete Lehmpiste brettern, dann ist wieder Rennwochenende auf dem Schützenbühlring bei der KFV Kalteneck.

 

Racing vom Feinsten

Am Wochenende war es wieder so weit: Das ADAC MX Masters war zum sechzehnten Mal zu Gast auf der Schönbuchlichtung. Die siebte von acht Stationen der Rennserie, die in Europa nach Weltmeisterschaften zu den renommiertesten gehört, stand auf dem Programm. Neben den Big Boys, wie sich die Fahrer der Topklasse nennen, traten auch Nachwuchsfahrer in drei weiteren Klassen an. Mit den vorgeschalteten Qualifikationsrennen plus jeweils zwei oder drei Wertungsläufen pro Klasse, hieß das: Zwei Tage nonstop Racing vom Feinsten für die zahlreichen Zuschauer.

Auffallend viele Familien mit Kindern hatten das Kaiserwetter für einen Tagesausflug zum Motocross genutzt. Kein Wunder, denn der 1,8 Kilometer lange Rundkurs ist von fast jeder Position am Streckenrand fast komplett einsehbar – und außerdem lockte ein vielfältiges Rahmenprogramm von Händlermeile über Motocross-Schnuppertraining – mit Vorab-Anmeldung – bis zur Hüpfburg. Auch für das leibliche Wohl war im großen Festzelt und entlang der Strecke bestens gesorgt. Dort lieferten die Strecken-Kommentatoren Tommi Deitenbach und Lukas Greussing alles Wissenswerte von den Wettläufen – und mit Interviews auch darüber hinaus. Greussing, das am Rande, ist Bürgermeister der Gemeinde Möggers im österreichischen Vorarlberg – wenn er nicht gerade Motocross-Rennen kommentiert.

Die Spurrillen werden immer tiefer

Beeindruckend das Bild, wenn sich 40 Fahrer nebeneinander in der Startaufstellung hinter dem Startbalken aufreihten. Imposant der Sound der Motoren, der während der letzten 15 Sekunden vor dem Start immer weiter anschwoll und akustisch einem großen Hornissenvolk glich, bevor der Balken für das Fahrerfeld fiel. Der Kampf um die Führung nach der Doppellinkskurve nach dem Start war nur einer von vielen spannenden Momenten, die es in jedem Rennen gab. Bei 17 Sprüngen, anspruchsvollen Kurven sowie technisch schwierigen Bergauf- und Bergab-Passagen und spektakulären Positionsduellen, zeigte sich immer wieder, mit welch artistischen Fähigkeiten die Fahrer ihre Maschinen beherrschen – besonders bei immer tiefer werdenden Spurrillen.

Insbesondere beim MX Masters, wo die Top-Fünf vor Holzgerlingen keine 100 Punkte getrennt voneinander waren, brannte bei allen drei Läufen nicht nur wegen der brütenden Hitze die Luft. Auch die beiden Lokalmatadoren in der Top-Klasse, Christian Forderer und Sascha Ströbele vom KFV schlugen sich als reine Amateure wacker: Beide schafften den Sprung in die Wertungsläufe. Sascha Ströbele war „megahappy“ über diesen Erfolg, berichtete Jens Nausch, der Pressesprecher der KFV Kalteneck.

Schlange am Autogrammstand

Die hohen Temperaturen und der strahlende Sonnenschein waren nicht nur für die Fahrer eine Herausforderung, sondern auch für das Streckenpflege-Team der KFV Kalteneck, das aber über langjährige Erfahrung beim nächtlichen Bewässern und sowie der Streckenpräparation mit Traktoren zum Grubbern hat. Als „perfekt“ bezeichnete Nausch die Bedingungen: „Das Feedback von den Fahrern ist durchweg positiv.“

Das Nahbarkeit der Rennteams trägt viel zum Flair des Schützenbühlrings bei: Das Fahrerlager ist jederzeit zugänglich. Und bei einer Autogrammstunde hatten große und kleine Fans die Gelegenheit, die Unterschriften der vier deutschen Motocross-Cracks Maximilian Spies, Tom Koch, Max Nagl und Noah Ludwig zu ergattern. Ein Programmpunkt, der gut ankam – wie die lange Schlange am Stand des Titelsponsors zeigte.

Zufriedener Organisator

Angesichts der hochsommerlichen Temperaturen „hätten wir nicht gedacht, dass so viele Leute kommen“, sagt der KFV-Vorsitzende Swen Blümer in einer ersten positiven Zwischenbilanz am frühen Sonntagnachmittag: „Ich gehe davon aus, dass wir wie im Vorjahr die 10 000 Besucher über die Gesamtveranstaltung knacken.“ Dazu gehörte auch zweimal Livemusik am Abend: Friendly Elf sorgte am Freitag mit Partyrock für Stimmung, und am Samstag brachten Die Lederrebellen das Festzelt zum Kochen.

Ergebnisse

Masters
 Die meisten Punkte bei den drei Rennen des ADAC MX Masters sammelte der Franzose Jordi Tixier, knapp vor Max Nagel, der die Masters-Wertung anführt.

Nachwuchs
Beim „MX Youngster Cup“ hat der Spanier Oriol Oliver Vilar alle drei Rennen gewonnen und sich vorzeitig den Sieg der Serie gesichert. Lyonel Reichl aus Liechtenstein hat beide Rennen im „MX Junior Cup 125“ gewonnen. Der Ungar Aron Katona war Bester beim „MX Junior Cup 85“