Für den Bernhausener Motocross-Fahrer Nils Weinmann steht der Saisonstart unmittelbar bevor. In der 250er-Klasse hat der 20-Jährige große Ziele und seinen Traum noch nicht aus den Augen verloren – trotz aktueller Schrammen und hoher Kosten der Sportart.
Hoch sensible, anfällige Athleten sind im Sport keine Seltenheit. Motocrosser? Gehören mitnichten zu dieser Spezies. Schürfwunden und blaue Flecken sind der Alltag der harten Hunde, selbst im Training. Auch diverse Brüche begleiten das sportliche Dasein. Diese werden ebenfalls weggesteckt und sind kein Hindernis, um anschließend wieder verstärkt am Gashebel zu drehen. So wie der 20-jährige Nils Weinmann aus Bernhausen, unter anderem dreifacher Gesamtsieger des Baden-Württemberg-Cups in der 85- und 125-Kubikzentimeter-Klasse. Diesen warf in der aktuellen Saisonvorbereitung ein Oberarmbruch zurück, aber nicht aus der Bahn. Zum ersten Rennen am 6. April in Göggingen wird er an der Startlinie stehen – diesmal mit einer 250er-Maschine .
Liebt matschige Strecken
Technisch anspruchsvolle, matschige Strecken, da fühlt sich Nils Weinmann wohl, kann er seine Stärken ausspielen. Zu denen gehört auch das Auftaktrennen. Da komme er stets zügig weg, sagt er. Doch der Youngster, der im vergangenen Sommer seine Ausbildung als Fliesenleger abgeschlossen hat und nun als Geselle arbeitet, weiß auch, wo bei ihm buchstäblich Sand im Getriebe ist: auf sandigen Böden. Schwer berechenbar sei es für ihn, ob die Streckenbeschaffenheit dementsprechend hart sei und halte oder weich und man einbreche. „Mir fehlt da noch das Vertrauen und Feingefühl, dies einzuschätzen“, sagt der 20-Jährige. Zwangsweise und ganz im Gegenteil zur Konkurrenz aus dem hohen Norden. Deren Vorteil: Dort gebe es genügend Strecken mit dem feinkörnigen Untergrund, „in unserer Region eben keine“, konstatiert Weinmann mit Bedauern.
Also was tun? Strecken aufsuchen, die sozusagen auf Sand gebaut sind. Genau das machte der Bernhausener im Winter in der Toscana – und da passierte es, am zweiten Weihnachtsfeiertag. Eine schon ausgefahrene Strecke mit tiefen Spurrillen wurde Weinmann, der für den MSC Betra startet und dem Rennteam KDH-Motorsport (bei Nürnberg) angehört, zum Verhängnis. Er kam zu Fall und schlug mit dem Arm gegen einen Erdwall. Die Folge: ein komplizierter Oberarmbruch, eine OP, eine zehnwöchige Abstinenz vom Motorrad. Erst zweimal ist er seitdem wieder auf seinem Sportgerät gesessen, startet über Ostern einen erneuten „Sandanlauf“ – dieses Mal auf einem anderen Parcours in Italien.
Eine Woche später steht der erwähnte Beginn im Baden-Württemberg-Pokal an. In der 250er-Klasse wurde Weinmann vor zwei Jahren Vizemeister. Deshalb ist für ihn klar: „Ich peile erneut einen Podestplatz an.“ Für den letztjährigen Sieger des Hessen-Cups – „ich wollte dabei andere Strecken kennenlernen“, sagt Weinmann – stehen aber noch weitaus hochklassigere Rennen im Terminkalender. Unter anderem der Auftakt zur deutschen Meisterschaft am 13. April in Grevenbroich. Alle Rennen der Serie wird er nicht absolvieren. Teilweise wären es bis zu 1000 Kilometer Anreise. Dennoch, einen Platz unter den ersten 15 des Gesamtklassements hat er sich vorgenommen – zudem so viele Punkte wie möglich. Während es in der Baden-Württemberg-Serie nämlich nur einen Pokal gibt, wird bei der nationalen Konkurrenz jeder Punkt mit vier Euro belohnt. Und bei der ADAC-Masters-Serie der „Youngster“ gibt es sogar jeweils sechs Euro. An diesem Wettbewerb nimmt Weinmann auch teil, will sich dort durch gute Resultate für die große Masters-Serie empfehlen. „Liefert man dort ab, werden die größeren Rennställe auf einen aufmerksam und vielleicht winkt ein Profivertrag“, weiß Nils Weinmann. Letzteres sei immer noch sein ganz großes Ziel.
Primär zählt nun aber erst mal jeder Punkt sprich Euro. Denn die Sponsoren rennen Weinmann nicht die Bude ein. Einen einzigen hat er derzeit, und der ist auch noch hausgemacht: seinen Papa Michael. „Es können gerne mehr sein, über weitere Unterstützer wären wir dankbar“, sagt er. Schließlich ist der Motocross-Sport teuer, der Materialverschleiß – unter anderem Reifen und Bremsbeläge – hoch. Konkret: Zwischen 15 000 und 20 000 Euro steckt Vater Michael Weinmann in die Leidenschaft seines Filius, dem zwei Motorräder zur Verfügung stehen – eine 250-KTM-250-Viertakt aus dem Vorjahr und eine neue 250-KTM-250-Zweitakt.
Auch wenn der Armbruch Nils Weinmann etwas ausgebremst hat, Folgendes ist sicher: Er wird zum Saisonstart wieder ordentlich am Gashebel drehen und nicht zur Spezies der sensiblen Athleten gehören.