Die Vorbereitungen für das Motocross in Aichwald laufen auf Hochtouren. Auf die treue Helferschar ist dabei Verlass. Und doch gab es nach drei Jahren Pause ein paar Anlaufschwierigkeiten.
Pferdestärken statt Schafe: Auf diese Formel lassen sich die Bestrebungen zusammenfassen, wenn es in Aichwald auf das Motocross-Wochenende zugeht. Schließlich liegt die Wiese „In den Horben“ das ganze Jahr über friedlich da. Schafe weiden und grasen dort und treten den Boden fest. Doch im Sommer rücken Helfer an, graben mit teils schwerem Gerät den Boden um, stellen Zelte und Zäune auf und verwandeln das Grün in eine Motocrossstrecke. Eine Kraftanstrengung, die nur mit großer Helferschar und viel Gemeinsinn zu stemmen ist. Die Schafe ziehen derweil auf eine Weide abseits von Bau- und Motorenlärm um.
Derzeit wird am Hang zwischen Aichschieß und Schanbach wieder hart gearbeitet, vor allem an den Wochenenden. Schließlich steigt am 23. und 24. Juli das Aichwalder Motocross. In sechs Klassen werden Rennen gefahren. Freitags und samstags wird zudem an den Abenden im Festzelt gefeiert. Das Zelt wurde schon Anfang Juli gestellt. „Das ist ein Kraftakt“, sagt Ralf Kurrle, Pressesprecher des veranstaltenden MSC „Eiserne Hand“ Aichwald. 60 ehrenamtliche Helfer packten mit an, stellten auch Zäune und das Bewirtschaftungszelt. Das Festzelt ist ein paar Meter kürzer als bisher. Auf den gewonnenen Quadratmetern im Freien wird an den Festabenden vor dem Zelt eine Gartenwirtschaft eingerichtet. Das Angebot ist auch an diejenigen gerichtet, die in Corona-Zeiten die Enge im Zelt meiden wollen.
Das Dorf steht für die Großveranstaltung zusammen
Am vergangenen Wochenende waren wieder 50 Tatkräftige im Einsatz. Bauzäune wurden um das Gelände aufgezogen, zusammen reihen diese sich auf zwei Kilometer aneinander – die Strecke muss schließlich abgegrenzt werden. Torsten Tenelsen ist einer derjenigen, die da sind, wenn „schwer angepackt werden muss“ und die Bauzäune gestellt werden. Der große, kräftige Gießereimechaniker ist auch ein Beispiel dafür, wie das Dorf bei dieser Großveranstaltung zusammensteht und zusammenhält. Tenelsen wurde in Viersen geboren, lebte lange in Heidenheim und zog vor zwölf Jahren nach Aichwald. Über die Kinder Damian und Sophia kam er mit Vätern in Kontakt, für die das Helfen beim Motocross zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Tenelsen ließ sich nicht lange bitten. „Das ist eine starke Gemeinschaft, ein gutes Team. Jeder packt mit an. Und es macht Spaß“, sagt er.
uch die Wasser- und Stromversorgung müssen gesichert sein. Für den Strom an der Strecke, im Fest- und im Bewirtschaftungszelt sowie im Fahrerlager sorgt ein sechsköpfiges Elektrikerteam. Mit dabei sind auch Simon Schäfer und Walter Maier. „Da müssen viele Kabel gezogen werden“, sagt Schäfer. Und ein möglicher Stromausfall muss immer mit ins Kalkül gezogen werden. „Daher haben wir einen zweiten Stromkreis“, verdeutlicht Maier. Fällt der erste aus, wird umgesteckt. Damit soll aber nicht nur der Rennbetrieb gesichert werden. Im Festzelt könnte eine plötzliche Dunkelheit Panik aufkommen lassen – die aber gilt es zu vermeiden.
Zusätzliche Auslaufzonen zur Sicherheit
Zusätzliche Arbeit bescherte in diesem Jahr eine Auflage: In Auslaufzonen an der Strecke mussten neue Zäune aufgestellt werden. Das sorgt für mehr Sicherheit und ist die Folge eines Unfalls beim Motocross in Bielstein (Nordrhein-Westfalen): Vor sechs Jahren wurde dort ein Zuschauer nach dem Sturz eines Fahrers vom Motorrad getroffen und tödlich verletzt. Die Verbände reagierten und ordneten zusätzliche Sicherheitszäune an.
Manuel Dorn ist mit dem Stand der Vorbereitungen sehr zufrieden. „Das Wetter macht mit, und es sind brutal viele Helfer da“, sagte der Vorsitzende des MSC Aichwald. Und doch hat es nach der Corona-Zwangspause – auf dem Schurwald wurde zuletzt 2019 ein Motocross ausgefahren – Anlaufschwierigkeiten gegeben. „Wir mussten uns nach drei Jahren Pause erst wieder orientieren, Prozesse mussten sich wieder einspielen“, sagt Dorn.
Jetzt wird an den Details gefeilt
Doch mittlerweile ist alles wieder im Fluss. Nächstes Wochenende und in den Tagen vor den Rennen wird weiter an der Strecke gearbeitet, werden Pfosten gesetzt, Container angeliefert, wird an den Details in den Zelten gefeilt und noch mehr vorbereitet. Nach dem Rennwochenende heißt es dann wieder Schafe statt Pferdestärken. Die Strecke wird eingeebnet, Gras wird gesät und die Schafe dürfen wieder in ihr angestammtes Revier – zumindest für elf Monate.
So finanzieren sich die Renntage
Investition
Laut dem MSC-Vorsitzenden Manuel Dorn wurden 60 000 Euro investiert, um die Strecke und das Drumherum voranzubringen. So wurde die Startanlage einige Meter nach hinten gerückt, damit wieder 40 Piloten nebeneinander starten können. Außerdem wurden Sicherheitszäune angeschafft, und auch am Motorrad-Waschplatz im Fahrerlager gab es Handlungsbedarf.
Preise
Die steigenden Kosten gehen auch am Aichwalder Motocross nicht vorbei, insbesondere die Energiekosten machen den Verantwortlichen zu schaffen. So wurde nach Einsparpotenzial gesucht. Geld spart etwa der Verzicht auf zwei Miet-Container: Für die Medien gibt es jetzt nur noch einen, die Massage der Fahrerinnen und Fahrer wird von einem solchen stählernen Kasten in eine Planen-Behausung verlegt. Und auch die Eintrittspreise wurden leicht angehoben.