In Offenburg steht eine Altenpflegerin vor Gericht. Foto: dpa

Einer alten Frau werden in einem Seniorenheim 40 Euro gestohlen. Im Verdacht steht eine dort arbeitende Altenpflegerin. Um den Diebstahl zu vertuschen, soll diese versucht haben, die Seniorin zu ermorden. Nun steht die Pflegerin vor Gericht – und schweigt zu den Vorwürfen.

Offenburg - Knapp ein halbes Jahr nach einem brutalen Angriff auf eine Seniorin in einem Heim im badischen Kehl hat der Prozess gegen eine Altenpflegerin begonnen. Der 49-Jährigen werde versuchter Mord zur Last gelegt, sagte Staatsanwalt Heiko Baumert zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Offenburg am Dienstag. Laut Anklage drückte sie nachts der im Bett schlafenden Seniorin ein Handtuch auf das Gesicht, um die Frau zu ersticken. Dies scheiterte jedoch, weil das Opfer sich heftig wehrte. Die Angeklagte werde sich zu den Vorwürfen zunächst nicht äußern, sagte ihr Verteidiger Michael Ried.

Vor dem Übergriff soll die Altenpflegerin aus dem Schrank der Seniorin 40 Euro gestohlen haben. Die Rentnerin habe dies bemerkt und die Pflegerin zur Rede gestellt. Mit einer Tötung habe die 49-Jährige den Diebstahl vertuschen wollen, sagte der Staatsanwalt.

Sie habe Angst gehabt, die alte Frau könne sie verraten, sagte Baumert zum möglichen Motiv der Angeklagten. Als sie angegriffen wurde, sei die Rentnerin jedoch aufgewacht, habe geschrien und sich erheblich gewehrt. Eine andere Heimbewohnerin sei so auf die Tat, die sich in einer Nacht Ende März ereignete, aufmerksam geworden und habe Alarm ausgelöst. Die Angegriffene erlitt den Angaben zufolge Prellungen und andere Verletzungen, Lebensgefahr bestand nicht.

Pflegerin sitzt in Untersuchungshaft

Die Angeklagte machte am Dienstag lediglich Angaben zu ihrer Person. Die Altenpflegerin war kurz nach der Tat festgenommen worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Von ihrem Arbeitgeber, dem Altenheim, hat sie nach der Tat die Kündigung erhalten. Ihr drohen laut dem Vorsitzenden Richter nun mehrere Jahre Haft.

Für den Prozess sind zunächst sechs Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte es demnach Mitte November geben (Az.: 1 Ks 303 Js 5036/18). Das Opfer der Tat ist Nebenkläger in dem Prozess. Die Frau soll laut Gericht Anfang Oktober aussagen.

Diebstähle und - schlimmstenfalls tödliche - Übergriffe auf Senioren kommen in Altenheimen immer wieder vor. So steht ein Hilfspfleger in Bayern unter Mordverdacht. Er soll in der Nähe von München einen pflegebedürftigen 87-Jährigen mit Insulin getötet haben. Auch andere Todesfälle in weiteren Bundesländern, darunter Baden-Württemberg, wo der Mann Senioren betreute, könnten auf sein Konto gehen.

Im pfälzischen Lambrecht wurden Ende Juni eine Pflegerin und zwei Pflegehelfer zur lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Sie hatten zwei Bewohnerinnen eines Altenheims ermordet sowie weitere Senioren bestohlen und sadistisch gequält.

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