Dieses Foto des Autos von Naim A. hatte die Polizei im Juli 2022 veröffentlicht Foto: Polizei LB

Im Mordprozess am Stuttgarter Landgericht werden erstmals Indizien in Augenschein genommen. Nun ist auch der genaue Fundort der Leiche klar.

Die Hälfte des Mordprozesses um die im vergangenen Sommer getötete Tabitha E. aus Asperg (Kreis Ludwigsburg)  ist vorbei. Der Angeklagte schweigt weiterhin beharrlich. Zu den Vorwürfen, er habe die 17-Jährige erwürgt, sagt er nichts. Deshalb muss sich die 1. Große Strafkammer am Landgericht Stuttgart vor allem durch Zeugenaussagen ein Bild von dem Mann aus Syrien machen – und die zeichneten bislang nicht unbedingt ein positives Bild von ihm.

 

Dass der 36-Jährige schon in Haft nichts zur Aufklärung beigetragen hatte, führte dazu, dass zu dem Fall lange nichts bekannt wurde. Am Dienstag, dem vierten von acht Verhandlungstagen, wurde erstmals über Details gesprochen. Unter anderem zeigte der Vorsitzende Richter Joachim Holzhausen Auszüge aus mehreren DNA-Gutachten. Demnach wurden Speichelspuren, die aller Wahrscheinlichkeit nach von Tabitha E. stammen, an der Kofferraumabdeckung des BMW, den der Angeklagte fuhr, gefunden. Außerdem gab es Blutspuren am Beifahrersitz im Wagen, die per Analyse dem Teenager zugeordnet werden konnten. Am vorhergegangenen Verhandlungstag hatte eine Zeugin ausgesagt, dass Naim A. an seiner Wohnung gesehen wurde, wie er gerade den Beifahrersitz säuberte. Zu diesem Zeitpunkt war Tabitha E. schon als vermisst gemeldet.

Blut klebt am Beifahrersitz des Autos

Im Laufe der Verhandlung war bereits mehrmals davon gesprochen worden, dass Tabitha sich gerne vom Angeklagten Naim A. herumfahren ließ. Seine Verteidigerin Sibylle Walch-Hermann wollte deshalb von der 34-jährigen Kriminalhauptkommissarin, die mit der Spurensicherung befasst war, wissen, ob das Blut auch „schon älter sein könnte“. Dazu konnte die Polizistin nichts sagen.

Am Leichnam der jungen Frau selbst sowie an weiteren Gegenständen, etwa an ihrem Verbundpass sowie an einer Handyhülle fanden sich hingegen keine eindeutigen DNA-Spuren, die die Experten dem Angeklagten zuordnen konnten. Gleiches galt für Reifenspuren, die in der Nähe der Stelle gefunden wurden, an der die Leiche von Tabitha E. abgelegt worden war. Die Abdrücke stammten nicht vom BMW des Angeklagten, sagte die Kriminaltechnikerin, sondern von einem anderen Fahrzeug. Die Spuren hatten sich an einer aufgeschütteten Haltebucht abgezeichnet. Die Strecke war im vergangenen Juli wegen Arbeiten gesperrt gewesen.

Bilder von Leichnam nicht gezeigt

Um den genauen Fundort war lange spekuliert worden, konkrete Angaben machten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht – bis jetzt. Gefunden wurde der Leichnam an der Kreisstraße zwischen dem Bietigheimer Ortsteil Untermberg und Unterriexingen, etwa 400 Meter vor dem Abzweig. Dort war sie eine relativ steile und sehr stark bewachsene Böschung an der parallel verlaufenden Enz hinabgeworfen worden. Als der Körper gefunden wurde, war er bereits stark verwest. Die Bilder bekamen daher am Dienstag nur die Verfahrensbeteiligten zu sehen, der Öffentlichkeit blieben sie erspart.

Am vierten Verhandlungstag wurden auch zwei ehemalige Mitbewohner aus dem Flüchtlingsheim, in dem Naim A. in Markgröningen untergebracht war, befragt. Viel Erhellendes konnten beide, obwohl einer später auch mit ihm in einer WG gewohnt hatte, nicht beitragen. Dass Naim A. Tabitha E. heiraten wollte, wusste der 30-jährige Zeuge sehr wohl. Er habe ihm geraten, sich nicht mit Minderjährigen einzulassen, sagte der Bekannte. Das sei Naim A. egal gewesen.