An dieser Hütte des Fischereivereins an einem Weiher bei Weil im Schönbuch wurde vor mehr als zehn Jahren die Leiche von Tobias D. gefunden. Foto: dpa

Im Fall Tobias prüft Polizei Parallelen zu Frankfurter Mord. Im Fall Anja kein Fortschritt.  

Weil im Schönbuch - DNA-Abgleiche treffen immer öfter noch nach Jahren ins Schwarze und überführen Täter, von denen davor jede Spur gefehlt hat. So auch beim Mord am elfjährigen Tobias aus Weil im Schönbuch, bei dem die Polizei neuen Hinweisen nachgeht. In anderen Fällen haben sich neue Hoffnungen jedoch zerschlagen.

Die elfköpfige Ermittlungsgruppe der Böblinger Polizei hat alle Hände voll zu tun. Zwar gibt es vom 47-jährigen Tatverdächtigen im Fall Tobias nicht nur eine passende DNA-Spur am Tatort, sondern auch ein Geständnis. Der pädophile Mann aus Filderstadt hat zugegeben, den Elfjährigen vor elf Jahren mit 37 Messerstichen ermordet zu haben. Es tun sich aber immer neue Fragen auf.

Derzeit sucht die Polizei nach möglichen Querverbindungen zu einem damals 16 Jahre alten Jugendlichen, der auch nach heutiger Überzeugung der Ermittler über Wissen verfügt, das er nur vom Tatort haben kann. Momentan gibt es laut Sprecher Frank Natterer aber keine Hinweise darauf, dass er den mutmaßlichen Täter gekannt hat. "Wir müssen jetzt die gesamte damalige Spurenlage im Lichte des heutigen Kenntnisstandes überprüfen", so Natterer. Zudem habe es einige wenige neue Hinweise aus der Bevölkerung gegeben, seit der Fahndungserfolg öffentlich gemacht worden ist.

Geprüft wird derzeit auch eine mögliche Verbindung zu einem Frankfurter Fall. Dort ist 1998 der 13-jährige Tristan auf ähnliche Art und Weise umgebracht worden wie Tobias zwei Jahre später. "Es scheint so zu sein, dass es einige Parallelen gibt", sagt der Frankfurter Polizeisprecher Manfred Füllhardt. Es sei aber viel zu früh, um daraus Schlüsse zu ziehen: "Bisher handelt es sich um eine reine Routineüberprüfung." Wenn derartige Täter gefasst werden, klärt die Polizei grundsätzlich bundesweit ab, ob sie für weitere Taten infrage kommen.

Im Mordfall Anja Aichele haben sich die Hoffnungen zerschlagen

Im Fall Tobias hat ein DNA-Abgleich einen Treffer gebracht, und auch bei anderen Verbrechen werden die Schuldigen neuerdings oft noch nach Jahren auf diese Weise überführt. Doch das bedeutet nicht, dass der Erfolg früher oder später zwangsläufig kommt. Im ungeklärten Stuttgarter Mordfall Anja Aichele etwa haben sich Hoffnungen, die zu Jahresbeginn aufgekeimt sind, inzwischen zerschlagen.

Die damals 17-jährige Schülerin war am 27. März 1987 auf dem Heimweg von einem Cannstatter Jugendtreff zum elterlichen Wohnhaus im Quartier Muckensturm ermordet und in einem Gartengrundstück verscharrt worden. Der Fall war bundesweit durch die Medien gegangen. Auch Fernsehfahndungen wie in der Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" brachten keinen Fortschritt bei der Suche nach dem Mörder.

Im vergangenen Dezember jedoch gab es Hoffnung. Durch verfeinerte Analysemethoden wurde es möglich, doch eine DNA-Spur des Täters zu sichern. Daraufhin wurden Personen aus dem früheren Bekannten- und Freundeskreis des Opfers sowie ehemalige Nachbarn aufgefordert, freiwillig eine Speichelprobe abzugeben. Etwa 600 Menschen hat die Polizei, sofern die Betroffenen noch verfügbar waren, überprüft. "Es ist aber leider kein Treffer dabei gewesen", sagt Polizeisprecher Jens Lauer. Nach so vielen Jahren werde es nunmehr immer unwahrscheinlicher, noch auf den Täter zu stoßen.

Es sei denn, der Zufall hilft. So wie jüngst im Fall Tobias.

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