Die Gattin des Heidenheimer Sparkassenchefs, Maria Bögerl, wird vor 13 Jahren entführt und ermordet. Ein wichtiger Ermittler bleibt weiterhin am Fall dran.
Es gibt Fernsehbilder, die brennen sich ins Gedächtnis ein. So der verzweifelte Aufruf der Familie Bögerl im Jahr 2010. Unter Tränen, eng zusammengerückt, sitzen der Vater und seine zwei erwachsenen Kinder da und bitten, flehen förmlich die Entführer, die Mutter und Ehefrau Maria Bögerl freizulassen. Am 12. Mai 2010 wurde sie aus dem Einfamilienhaus in Heidenheim an der Brenz entführt. Drei Wochen später wird sie tot im Wald gefunden. Die Polizei kann trotz jahrelanger Bemühungen den Fall nie lösen. Nun sind die Ermittlungen 13 Jahre nach dem Tod der damals 54-jährigen Frau eingestellt worden, teilte die zuständige Staatsanwaltschaft Ellwangen am Montag mit.
Den einen Zeitpunkt, an dem die Ermittlungen für beendet erklärt werden, gebe es nicht, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Ellwangen. Der Einstellung sei ein längerer intensiver Austausch zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft vorausgegangen. Extrem lange war die Soko beibehalten worden: Erst nach sechs Jahren wurde sie im Jahr 2016 aufgelöst und durch eine Ermittlungsgruppe ersetzt.
Der Entführer hatte 300 000 Euro Lösegeld gefordert. Eine Summe, die der Familienvater als Bankchef zwar beschaffen konnte. Allerdings kam das Geld zu spät am Übergabeort an. Der war an der Autobahn mit einer Deutschlandflagge markiert. Daher hatte die Sonderkommission des Falles auch ihren Namen: Soko Flagge. Unweit des Übergabeortes wurde die Tote drei Wochen später von einem Spaziergänger gefunden. Das ist einer der Kritikpunkte an der Polizeiarbeit: Das Waldstück war schon einmal erfolglos abgesucht worden. Schlimmer noch wertet es die Familie allerdings, dass im Zuge der Ermittlungen auch Familienmitglieder in den Verdacht gerieten. Auch die zu späte Spurensicherung im Haus der Bögerls ist ein Kritikpunkt. Der Ehemann zerbrach an seinem Kummer. Gut ein Jahr nach der Entführung nahm er sich das Leben. In einem großen Interview mit dem „Stern“ sprachen die Kinder danach über ihre Trauer und ihre Wut – auch auf die Polizei.
Immer wieder habe es neue Spuren gegeben, werden die Ermittelnden nicht müde, zu betonen. Allzu viel verraten sie freilich nicht darüber. Denn irgendwo da draußen ist noch der Täter. Große Hoffnungen setzte man lange Zeit in eine DNA-Spur. Doch ein Massengentest brachte kein Ergebnis. Mehr als 10 000 Spuren seien ausgewertet worden.
Mord verjährt nicht. So auch nicht der an Maria Bögerl, die heute 67 Jahre alt wäre. Bei der Polizei in Ulm bleibt der Fall als ungelöster Cold Case beim Chef der Soko Flagge. Jederzeit können die Ermittlungen wieder aufgenommen werden – es ist kein Abschluss für immer, was am Montag verkündet wurde.