Fundort Gaisburger Brücke: Einsatzkräfte bergen die Wasserleiche. Foto: 7aktuell.de/Jens Pusch

Das Rätsel um die Neckarleiche, die am Dienstagabend bei der Gaisburger Brücke gefunden worden war, beginnt sich langsam aufzuklären: Bei der Toten handelt es sich um eine vermisste Frau aus Obertürkheim. Sie wurde offenbar Opfer eines Gewaltverbrechens.

Stuttgart - Die Wasserleiche war übel zugerichtet. Sie war so verstümmelt, dass die Probe eines genetischen Fingerabdrucks notwendig wurde, um sie zu identifizieren. Nun wissen die Ermittler der Stuttgarter Kripo aber, wer da am Dienstagabend im Neckar kurz vor der Gaisburger Brücke gefunden wurde: Die Tote ist Brigitte H., eine 72-Jährige, die zuletzt in Obertürkheim wohnte und am 10. Oktober als vermisst gemeldet worden war. Der DNA-Vergleich der Toten mit einer Probe aus dem Vermisstenfall brachte am Donnerstag die letzte Sicherheit.

Nun ermittelt die Sonderkommission Ruder. Für die Ermittler ist dies ein naheliegender Name: „Es waren Ruderer im Neckar, die am Dienstag gegen 18.20 Uhr die Leiche im Neckar gefunden hatten“, sagt Polizeisprecher Tobias Tomaszewski. Mit dem Schiffsverkehr dürften der Zustand der Toten allerdings nichts zu tun haben: Die Verstümmelungen der Leiche, das ergab auch die Obduktion eines Gerichtsmediziners, konnten unmöglich von einer Schiffsschraube stammen. Damit steht fest: Brigitte H. wurde das Opfer eines Gewaltverbrechens. Wie sie genau getötet wurde, wird derzeit noch untersucht.

Das Opfer wurde offenbar von wenigen vermisst

Seit Donnerstag ermitteln die Beamten der Sonderkommission verstärkt im Umfeld der Toten. Denn auch schon beim Vermisstenfall hatte es Auffälligkeiten gegeben. Ein Angehöriger der 72-Jährigen hatte am 10. Oktober Vermisstenanzeige erstattet, nachdem er schon lange nichts mehr von Brigitte H. gehört hatte. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass sie noch viel länger verschwunden war: Ein Bekannter gab an, sie am 26. September das letzte Mal gesehen zu haben.

Und dann wurde Brigitte H. in diesen 13 Tagen von niemandem vermisst? Der Angehörige, der schließlich zur Polizei ging, hatte offenbar einen nicht so engen Kontakt, als dass ihm das aufgefallen wäre, heißt es. Der Bekannte des Opfers aus der Region Stuttgart, der ihr Ende September zum letzten Mal begegnete, wird für die Mordkommission zu einem wichtigen Zeugen. Weitere Hinweise werden von der Kripo unter der Rufnummer 07 11 / 89 90 - 57 78 erbeten.

Kripo sucht den eigentlichen Tatort

Wo aber ist der Tatort? Obertürkheim, der letzte Wohnort der 72-Jährigen, liegt vier Kilometer Luftlinie vom Fundort im Neckar entfernt. Wo der Täter die Frau tötete und massiv verstümmelte, ist aber unklar. Es gilt als wahrscheinlich, dass er die Leiche am Neckar lediglich entsorgte – er muss sie vom noch unbekannten Tatort zum Ufer transportiert haben. Von einem Sack oder einem Transportbehältnis fehlt aber bisher jede Spur: Die Ruderer fanden die im Wasser treibende Leiche jedenfalls ohne Verpackung vor.

Der Bezirk Obertürkheim ist aber nicht der einzige Lebensmittelpunkt von Brigitte H. gewesen. Nach Informationen unserer Zeitung war sie Anfang der 1990er Jahre unter der Berufsbezeichnung Versicherungskauffrau im Asemwald gemeldet. Später war sie als Finanzkauffrau beruflich tätig, wohnte gut 20 Jahre in Plieningen, wo sie im östlichen Stadtteil nahe am Körschtal noch bis 2016 gemeldet war.

Ob ihre einstige berufliche Tätigkeit mit der Gewalttat in Zusammenhang steht, ist unklar. „Jetzt, nachdem die Identität geklärt ist, laufen intensiv Umfeldermittlungen“, sagt Polizeisprecher Tomaszewski. In Polizeikreisen ist klar: Wer eine Leiche so zurichtet, dass eine Identifizierung nur noch mit DNA-Probe möglich ist – der muss sein Opfer mit großem Hass getötet haben. Oder der Täter wollte eiskalt alle Spuren vernichten.

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