Im Fall der ermordeten Maria Bögerl tappen die Ermittler weiter im Dunkeln. Foto: dpa

Die Bankiersgattin Maria Bögerl wurde vor vier Jahren entführt und kurze Zeit später ermordet im Wald entdeckt. Unzählige Spuren und Hinweise sowie ein DNA-Massentest brachten bislang keinen Erfolg.

Die Bankiersgattin Maria Bögerl wurde vor vier Jahren entführt und kurze Zeit später ermordet im Wald entdeckt. Unzählige Spuren und Hinweise sowie ein DNA-Massentest brachten bislang keinen Erfolg.

Ulm - Die Entführung von Maria Bögerl vor vier Jahren hielt die Polizei wochenlang in Atem. Hunderte Beamte suchten nach der verschleppten Bankiersgattin. In grünen Regenponchos stocherten sie mit langen Metallstäben durchs nasse Unterholz in Wäldern nahe Heidenheim. Dutzende Leichenspürhunde waren im Einsatz. Hubschrauber suchten das Gebiet aus der Luft ab. Die Polizei ließ Tausende Suchplakatedrucken und bat die Bevölkerung über das Fernsehen, Radio und Internet um Hinweise.

Per Telefon meldeten sich die Entführer damals bei Thomas Bögerl, dem Ehemann und Chef der Heidenheimer Sparkasse. Sie forderten 300.000 Euro Lösegeld für seine Ehefrau. Sie sei in Lebensgefahr, soll sie ihrem Mann am Telefon noch gesagt haben. Es sollte das letzte Gespräch zwischen dem Paar gewesen sein. Eine Lösegeldübergabe scheiterte.

Unter Tränen richtet die Familie des Opfers daraufhin im Fernsehen einen emotionalen Appell an die Entführer: „Wir haben alles getan, was Sie wollten. Wir appellieren in unserer Verzweiflung an Ihre Menschlichkeit. Bitte geben Sie uns unsere geliebte Mama, meine Frau, wohlbehalten zurück. Sie hat Ihnen nichts getan. Wir flehen Sie an, unsere Bitte zu erfüllen.“ Vergeblich. Anfang Juni 2010 findet ein Spaziergänger die verweste Leiche der Bankiersgattin an einem Waldrand bei Heidenheim. Dort, wo Tage zuvor Hundertschaften nach der 54-Jährigen gesucht hatten. Warum die Polizei Bögerl nicht entdeckt hatte, ist bis heute ungeklärt. Fest steht nur: Sie wurde erstochen.

Ein Jahr danach nimmt sich Thomas Bögerl das Leben. Er wird erhängt im Keller seines Hauses gefunden. Zuvor musste er immer wieder Gerüchte aushalten, nach denen er in die Tat verwickelt sei. Sogar der Sohn gerät zeitweise unter Verdacht. Womöglich zu viel für den Banker.

Knapp 10.000 Spuren hat die Polizei bis heute gesammelt

Knapp 10.000 Spuren hat die Polizei bis heute gesammelt. Doch die entscheidende war bislang noch nicht dabei. Denn zentrale Fragen sind noch immer offen: Warum wurde die 54-Jährige ermordet? Wer steckt hinter der Bluttat? Wo ist das Tatwerkzeug? Es ist ein Puzzle mit Tausenden Teilen, das die Ermittler der „Soko Flagge“ zusammensetzen müssen. Helfen soll dabei ein Mitte Februar gestarteter DNA-Massentest. „Bislang sind 2968 Proben erhoben worden“, sagt Rudi Baur von der Ulmer Polizei. Ausgewertet wurden rund 1800 - ohne Treffer. Insgesamt sind 3327 Männer aus Neresheim im Visier der Ermittler. Die 8000-Einwohner-Stadt war immer weiter in den Fokus von Polizei und Staatsanwaltschaft gerückt. So weit, dass die Ermittler inzwischen davon ausgehen, die Täter in der Kleinstadt zu finden.

Diejenigen Männer, die eine Abgabe ihres Speichels verweigern, machen der „Soko Flagge“ viel Arbeit. „Wir müssen bei jedem, der keine Probe abgegeben hat, das Alibi überprüfen“, erklärt ein Polizeisprecher. Eine aufwenige Aufgabe. Die Kosten des Massengentests schätzt die Polizei auf bis zu 100.000 Euro. Zum DNA-Massentest war die Sonderkommission im Januar von 12 Beamte auf 19 Beamte vergrößert worden. Es gebe noch wichtige Ermittlungsansätze, die so schneller abgearbeitet werden könnten, sagte ein Polizeisprecher damals. Demnächst soll die „Soko Flagge“ aber wieder verkleinert werden. Zu den Gründen wird geschwiegen. Ob die DNA-Untersuchung oder etwa ins Leere gelaufene Ermittlungsansätze eine Rolle spielen, ist unklar.

Die Ermittler geben sich zu Details nach wie vor wortkarg. Jedes Wort von Sprechern der Staatsanwaltschaft oder Polizei ist wohl überlegt. Das hat seinen Grund: Kurz nach der Entführung waren immer wieder geheime Ermittlungsdetails an die Öffentlichkeit gelangt. Die Staatsanwaltschaft ermittelte daraufhin in den eigenen Reihen. Ohne Ergebnis.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: