Bekannte und Angehörige haben an der Stelle in der Reuteallee, wo Nadine Ertugrul umgebracht wurde, Blumen und Erinnerungsstücke niedergelegt. Foto: factum/Granville

Die Polizei steht vor einem Rätsel: Die Leiche der 36-jährigen Frau aus Eglosheim war unbekleidet, aber bei der Obduktion fanden sich keine Hinweise auf eine Sexualstraftat. Bislang sei kein Motiv für den Mord erkennbar, sagt das Präsidium.

Ludwigsburg - Die Frau, deren Leiche am Dienstag in einem Gebüsch in Ludwigsburg entdeckt wurde, ist offenbar keiner Sexualstraftat zum Opfer gefallen. Zwar sei sie „zum Zeitpunkt des Auffindens unbekleidet“ gewesen, teilt das Polizeipräsidium jetzt mit. „Anhaltspunkte für ein mögliches Sexualdelikt haben sich bisher jedoch nicht ergeben.“ Die Spurensuche sei inzwischen abgeschlossen, es seien „keine beweiserheblichen Gegenstände“ gefunden worden. Weitere Angaben macht die Polizei derzeit nicht – weder zum Todeszeitpunkt oder zur möglichen Tatwaffe noch zu anderen Hintergründen. Wie in den vergangenen Tagen wird darauf verwiesen, dass es sich bei diesen Informationen um Täterwissen handle, das aus kriminaltaktischen Gründen zurückgehalten werden müsse. Dies gelte auch für die Ergebnisse der Obduktion.

Allerdings bestätigt das Präsidium inzwischen, dass die Mutter zweier Kinder zuletzt lebend am 12. Oktober gegen 20.30 Uhr in einem Lidl-Markt in der Reuteallee in Ludwigsburg-Eglosheim gesehen worden ist. Unweit davon wurde eine Woche später die Leiche gefunden. Dies stützt die Aussagen des Ehemanns, der gegenüber den Ermittlern erklärt hat, seine Frau habe an jenem Abend das Haus verlassen, um noch schnell ein Brot einzukaufen. „Wir stehen vor einem Rätsel“, sagt der Polizeisprecher Peter ­Widenhorn. „Es ist kein Motiv erkennbar, überhaupt nicht.“ Demzufolge gebe es auch keinen Tatverdächtigen.

Das Opfer lebte mit Ex-Mann in einem Haus

Die 36-Jährige hatte sich vor einiger Zeit von ihrem Mann getrennt, die beiden sind aber nicht geschieden und wohnten mit den drei und fünf Jahre alten Kindern unter einem Dach in Eglosheim – obwohl die Frau laut Polizei eine neue Beziehung eingegangen war. Das Präsidium hat am ­Freitag in Ludwigsburg Plakate aufgehängt und Flyer verteilt, auf denen ein Foto des Opfers abgebildet ist. Die Kripo sucht Personen, die die Frau nach ihrem Verschwinden gesehen haben. Die 55 Ermittler der Sonderkommission „Allee“ gehen aktuell bereits 80 Hinweisen aus der Bevölkerung nach.

Eine Rolle bei den Ermittlungen spielen auch die Kleidungsstücke, die das Opfer am 12. Oktober getragen hat. Die Frau war an dem Abend vom Sport nach Hause gekommen und dann sofort in den Lidl-Markt aufgebrochen, sie trug eine schwarze Sporthose, eine schwarze Sportjacke und ein gelbgrünes Top. Da an der Reuteallee keinerlei Kleidung gefunden wurde, hofft die Polizei, dass diese irgendwo auftaucht – wenn der Täter sie „entsorgt oder auch nur achtlos weggeworfen“ hat.

Viele Frauen trauen sich nicht mehr bei Dunkelheit auf die Straße

Im Internet und in der Stadt wird momentan viel über die Hintergründe des mysteriösen Mordfalls spekuliert. Viele Frauen schreiben und sagen, dass sie sich nicht mehr trauen, im Dunkeln durch Eglosheim zu gehen. Die 36-Jährige war in dem Ludwigsburger Stadtteil offenbar fest verwurzelt und sehr beliebt. Am Fundort der Leiche haben Verwandte, Bekannte und Freunde Kerzen aufgestellt und Erinnerungsstücke abgelegt. Bei einer Spendenaktion im Netz für die Kinder der toten Frau sind bislang innerhalb von nur zwei Tagen mehr als 4000 Euro zusammengekommen.

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