Der Journalist Jamal Khashoggi ging Anfang Oktober wegen einer Formalität in das saudische Konsulat in Istanbul. Er kam nicht lebend wieder heraus (Archivbild). Foto: AP

Die USA werden die Verantwortlichen für die Tötung des saudiarabischen Journalisten Jamal Khashoggi nach Worten von US-Vizepräsident Mike Pence zur Rechenschaft ziehen.

Port Moresby - Der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman hat nach Einschätzung der US-Geheimdienste die Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi angeordnet. Das sagte ein US-Regierungsbeamter am Freitag unter Verweis darauf, anonym bleiben zu wollen. Die Regierung in Riad hat jegliche Verantwortung der saudischen Führungsspitze zurückgewiesen. Zuletzt beantragte die Generalstaatsanwaltschaft des Königreichs die Todesstrafe für fünf Verdächtige im Fall Khashoggi. Die US-Regierung reagierte zunächst verhalten auf die neuen Enthüllungen.

Die „Washington Post“ berichtete zuerst über die Erkenntnisse der CIA. Demnach fingen die Geheimdienstler ein Telefonat Khashoggis mit dem Bruder des Kronprinzen und aktuellen Botschafter in den USA, Chalid bin Salman, ab. Dieser sagte Khashoggi darin offenbar, es sei sicher, für Formalitäten in das saudische Konsulat in Istanbul zu gehen. Khashoggi kam nach dem 2. Oktober nicht mehr lebend aus dem Gebäude heraus. Laut „Washington Post“ ist zwar unklar, ob der Botschafter wusste, dass Khashoggi dort getötet werden sollte. Den Anruf habe er aber auf Anweisung des Kronprinzen gemacht.

Saudische Botschaft weist Bericht als falsch zurück

Der Bericht wurde von der saudischen Botschaft in Washington als falsch zurückgewiesen. Eine Sprecherin teilte der Nachrichtenagentur AP mit, Chalid habe Khashoggi nur einmal persönlich im September 2017 getroffen. Danach hätten die beiden in Textnachrichten kommuniziert. Die letzte Nachricht des Botschafters an Khashoggi sei am 26. Oktober 2017 geschickt worden. „Nichts mit Bezug zur Türkei“ sei diskutiert worden, sagte sie. „Botschafter Prinz Chalid bin Salman hat niemals Telefongespräche mit ihm gehabt.“

Am Freitag twitterte auch der Botschafter selbst, zuletzt am 26. Oktober 2017 Kontakt zu Khashoggi gehabt zu haben. „Ich habe niemals ein Gespräch am Telefon mit ihm geführt und ich habe sicherlich nicht vorgeschlagen, dass er aus irgendeinem Grund in die Türkei gehen sollte.“ Er forderte die US-Regierung auf, die Informationen zu dieser Behauptung öffentlich zu machen.

Fall Khashoggi verschlechtert die Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien

US-Vizepräsident Mike Pence sagte am Samstag, er könne geheime Informationen nicht kommentieren. Allgemein über den Fall sagte er: „Der Mord an Jamal Khashoggi ist eine Grausamkeit gewesen. Er war auch ein Affront der freien und unabhängigen Presse, und die Vereinigten Staaten sind entschlossen, all diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die für diesen Mord verantwortlich sind.“ Die USA würden „den Tatsachen folgen“, während sie versuchten, einen Weg zur Aufrechterhaltung der „starken und historischen Partnerschaft“ mit Saudi-Arabien zu finden.

Der Fall Khashoggi hat die Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien verschlechtert. Präsident Donald Trump ließ bislang Sanktionen gegen 17 Personen aus Saudi-Arabien verhängen. Die Geheimdiensterkenntnisse dürften die Bemühungen des Kongresses bestärken, in der Sache eine noch härtere US-Reaktion zu erzwingen.

Khashoggi berichtete als Reporter für die „Washington Post“ kritisch über die saudische Königsfamilie. Die Behörden in Istanbul wie Riad haben geschlussfolgert, dass er von einem Team aus dem Königreich umgebracht wurde.

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