In den Tagen nach dem Mord ist der Brunnen auf dem Endinger Marktplatz zum Ort des Gedenkens geworden. Jetzt stehen dort wieder einige Grablichter. Foto: dpa

Der brutale Mord an einer Joggerin in den Weinbergen des Kaiserstuhls kommt von Mittwoch an vor Gericht. Ob der Angeklagte sein Schweigen bricht?

Endingen/Freiburg - Ihre Joggingstrecke führt durch die Weinberge des Kaiserstuhls zwischen Endingen und Bahlingen bei Freiburg. Gegen 15.25 Uhr kommt Carolin G. an einem abschüssigen Waldstück vorbei. Da taucht ein Mann auf, grapscht nach der jungen Frau und hält ihr den Mund zu. Im Würgegriff zerrt er sein Opfer vom Weg ins Dickicht. Er schlägt die 27-Jährige bewusstlos und vergeht sich an ihr. Er schleppt sie weiter den Hang hinab. Dort zertrümmert er ihren Schädel. Bevor er flüchtet, greift er nach dem Smartphone und einem Schuh des Opfers. Das Handy zerstört er, den Schuh findet die Polizei Tage später in den Reben.

So hat die Freiburger Staatsanwaltschaft den Tatablauf für ihre Anklageschrift rekonstruiert. Vom kommenden Mittwoch an muss sich der 40-jährige Lastwagenfahrer Catalin C. wegen Mordes vor dem Freiburger Landgericht verantworten. Zehn Zeugen, vor allem Polizeibeamte, hat das Gericht geladen, dazu sollen fünf Sachverständige gehört werden. Auch aus Österreich werden Polizisten und Gutachter erwartet. Während der Ermittlungen hatten sich Hinweise ergeben, dass es sich bei dem Täter um einen Serienkiller handeln könnte. Im Januar 2014 war in Kufstein eine französische Erasmus-Studentin unter ähnlichen Umständen zu Tode gekommen. Ein Vergleich der DNA-Spuren zeigte, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um den selben Täter handelte.

Parallelen zu Mord in Kufstein

Über den Fall von Kufstein kann in Freiburg nicht verhandelt werden, weil es keinen Bezug zu Deutschland gibt. Allerdings wird er im Prozess eine bedeutende Rolle spielen. Schließlich war er für den Ermittlungserfolg entscheidend. Die deutschen und österreichischen Behörden konnten ihre Beweisstücke und Indizien zusammenführen. Mehr als ein halbes Jahr nach der Tat nahm die Freiburger Kriminalpolizei Catalin C. in einer Spedition im Raum Endingen fest. Dort hat der Rumäne als Fernfahrer gearbeitet.

Bisher schweigt Catalin C. zu den Vorwürfen. Ob er diese Strategie in der Hauptverhandlung ändert, ist unbekannt. Ihm droht bei einer Verurteilung eine lebenslange Haft, die frühestens nach 15 Jahren endet. Danach ist auch eine Sicherungsverwahrung nicht ausgeschlossen, obwohl der 40-Jährige bisher nicht einschlägig vorbestraft ist. Auch hier spielt der Kufsteiner Fall eine Rolle.

Sollte der Angeklagte im Anschluss an das Freiburger Verfahren auch von einem österreichischen Gericht schuldig gesprochen werden, sei die nachträgliche Anordnung einer Sicherungsverwahrung durch einen weiteren Gerichtsbeschluss möglich, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Dies sei das Bestreben seiner Behörde. Eine spätere Abschiebung nach Rumänien zur weiteren Haftverbüßung sei möglich, es gebe aber keinen entsprechenden Automatismus. Im Gegenteil: „Es ist nicht üblich, dass wir Mörder so einfach aus der Hand geben“, sagte der Sprecher.

Der treusorgende Vater wird frei gelassen

Die Vermutung, Catalin C. könnte auf seinen europaweiten Touren weitere Sexualverbrechen begangen haben, ließ sich bisher nicht bestätigen. Allerdings forderte die Staatsanwaltschaft Ermittlungsakten aus Rumänien an. Dort soll er im Jahr 2005 eine Prostituierte fast erdrosselt haben. Er kam aber wieder auf freien Fuß. Er sei ein treusorgender Familienvater und Ehemann, hieß es damals.

In Endingen stehen derweil wieder Grablichter am Brunnen auf dem Marktplatz, so wie damals vor einem Jahr. Drei Tage lang war fieberhaft nach Carolin G. gesucht worden, ehe sie tot gefunden wurde. „Es war eine offene Wunde. Inzwischen ist es eine große Narbe, die man immer wieder spürt“, sagt der Bürgermeister Hans-Joachim Schwarz (CDU) zu der Tat. Zum Jahrestag und zum Prozessauftakt werde wieder mehr über das Thema gesprochen.

Der Ehemann von Carolin G. tritt vor Gericht als Nebenkläger auf. Acht Verhandlungstage sind angesetzt. Das Urteil könnte noch vor Weihnachten fallen.

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