Die drei Damen von Die Heiterkeit. Foto: promo

An diesem Freitag erscheint „Monterey“, das neue Album der Hamburg-Berliner Band Die Heiterkeit.

An diesem Freitag erscheint „Monterey“, das neue Album der Hamburg-Berliner Band Die Heiterkeit.

Hamburg - Hier gibt es nichts zu grinsen, gehen Sie bitte weiter! Auch wenn ein Bandname wie Die Heiterkeit zuallererst nach bonbonseliger Dauerschmunzelei klingt, auch, wenn das Bandlogo ein Smiley ist. Doch der Mund des Kreiskopfes ist ein Minusstrich, und so schaut er höchst unentschieden drein.

Egal und lau findet niemand die Musik der Hamburg-Berliner Band Die Heiterkeit, man findet sie grauenvoll oder liebt sie sehr. Das liegt zu einem großen Teil an der besonderen Stimme von Stella Sommer, die so klingt, als habe sie gerade in verschiedenen Stimmlagen ausprobiert, wo sie beim Singen idealerweise ansetzen muss - und sich dann für eine Lage entschieden, die gerade ein Stückchen zu tief ist.

Manche erinnert das an Nico, in jedem Fall ist es ein in diesen Tagen unerhört inbrünstiger und manchmal auch getragener Gesang, viel langsamer als gewohnt. „Souverän“, sagt Stella. „Souverän“ ist ein sehr gutes Adjektiv, um das erste Bild zu beschreiben, das die Öffentlichkeit im Oktober 2010 von ihrer Band zu sehen bekam: Stella Sommer, Bassistin Rabea Erradi und die damalige Schlagzeugerin Stephanie Hochmuth saßen ganz in Schwarz vor Rhododendronhecken wie eine leicht misslaunige Teegesellschaft. Nur, dass es offenbar Champagner gab. Im Sommer 2012 erschien dann auf dem kleinen Label der befreundeten Band Ja, Panik das herrliche Heiterkeit-Debütalbum „Herz aus Gold“, ganz ohne vorherige Fleißtour durch die Jugendhäuser und Kleinstklitschen. Darauf neben anderen tollen Liedern auch das allerbeste Lied für Menschenvergrämer, in dem sehr oft völlig ungerührt eine Zeile wiederholt wird: „Alle Menschen mögen mich“. Nun erscheint „Monterey“, das zweite Album, mit Anna-Leena Lutz ist eine neue Schlagzeugerin zur Band gekommen, sonst hat sich nicht viel verändert.

Ziemlich viel gewartet wird in den neuen Texten, wobei es eigentlich egal ist, ob der andere wirklich auftaucht oder nicht. Personen treten auf und gehen wieder ab, ein alter Kapitän, ein Goldhaar-Junge. „Als wir die fertige Platte das erste Mal durchgehört haben, sagte unser Produzent Moses Schneider danach als Erstes: ,Puh, was für Wetter heute!.‘ Etwas anderes kann man dazu auch wahrscheinlich nicht sagen.“

Noch immer ist die Musik sehr reduziert instrumentiert, die Akkorde minimalistisch wie eine dieser schönen leeren Wohnungen, wie Rollkragenwerber sie wahrscheinlich haben. Ein bisschen mehr Hallpolsterung, etwas mehr Bassmelodie vielleicht, Und Stella Sommer singt dazu souverän wie zuvor, zum Beispiel die Zeile „Es ist so warm in Kalifornien“, die leicht vorwurfsvoll ist. Die Sonne, sie ist eine Plage.

Quietschver­gnügt in Kalifornien kann man sich die meistens recht ernsthaft dreinschauenden Heiterkeitsfrauen nicht recht vorstellen – warum haben sie ihre Platte also nach einem Pazifikküstenstädtchen benannt? „Ich hatte gelesen, dass man dort sehr gut ausreiten kann“, sagt Stella Sommer. „das passte, weil wir sowieso Pferde auf das Album nehmen wollten, wegen unserem Lied ‚Die ganzen müden Pferde‘.“ Das ist auch auf der Platte und schwach inspiriert von Bob Dylans Song „All The Tired Horses“. „Als ich mir das zum ersten Mal angehört habe, fand ich den Titel sehr schön, aber den Text enttäuschend. Und dachte mir, das könnte man auch ein bisschen besser ­machen.“

Sätze, bei denen echten Muckertypen ­direkt das Blut in den Ohren zu rauschen beginnt. Würde man ihre Musik anders wahrnehmen, würden hier nicht Frauen, sondern Männer musizieren? Stella Sommer glaubt: Ja. „Bei einer Jungsband hieße es wahrscheinlich, sie klingen mit Absicht dilettantisch. Bei Mädchen heißt es eher: Sie können es nicht besser, aber wenigstens haben sie Spaß.“ Am Nebentisch bellt eine Dogge, Hundefreundin Stella ­lächelt ein schnelles Lächeln. „Wobei wir ja wirklich die letzte Band sind, die irgendwie Spaß hat.“

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