Norbert und Marion Lux freuen sich auf die neue Aufgabe. Foto: Sägesser

Marion und Norbert Lux leiten neuerdings die Amsel-Kontaktgruppe Degerloch und Westfilder. Sie haben viele Ideen für die Zukunft.

Möhringen - Die Wanderschuhe stehen im Schrank, als wäre nichts. Als würden sie schon bald über Wurzelpfade stolpern. Doch das ist vorbei. Marion Lux, der die Schuhe gehören, kann gerade mal hundert Meter laufen. Die 53-jährige Möhringerin hat Multiple Sklerose (MS).

MS ist eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, eine Krankheit mit tausend Gesichtern. Bei den einen geht es mit einem Kribbeln in den Händen los, bei anderen wollen die Beine nicht mehr. Bei allen ist die Kommunikation zwischen Gehirn und Körper gestört, bei allen wird es mit der Zeit schlechter.

Marion Lux ist inzwischen Expertin für MS. Unfreiwillig zwar, doch für ihre neue Aufgabe eine gute Voraussetzung. Sie und ihr Mann Norbert leiten neuerdings die Amsel-Kontaktgruppe Degerloch und Westfilder.

Die Kontaktgruppe ist eine Selbsthilfegruppe

Amsel ist das Kürzel für ein Wortungetüm: Aktion Multiple Sklerose e.V. Landesverband. Die Kontaktgruppen sind so etwas wie Selbsthilfegruppen. Sie laden zu Treffen ein, bei denen es vor allem um eines geht: die Kranken aus der Einsamkeit zu locken, um Kontakt eben. Wer nicht mehr gut zu Fuß ist und auch sonst immer weniger kann, verschanzt sich oft.

Die schlimme Nachricht ist dreieinhalb Jahre alt. Marion Lux hat erst gar nicht richtig hingehört. In den Jahren zuvor hatte sie immer wieder irgendein Zipperlein. Der Rücken hat geschmerzt, die Beine auch. Marion Lux war damals Dauergast bei Ärzten. Und dann der Tag vor dreieinhalb Jahren, der Tag der Diagnose. „Das war natürlich ein Schlag, ich habe nur noch an den Rollstuhl gedacht“, erzählt sie.

Der Rollstuhl gehört heute zum Alltag. Und das fühlt sich nicht mehr so unerträglich an wie damals. Sie braucht das Gefährt, um von A nach B zu kommen – wenn die Strecke zu lang ist. An guten Tagen geht Marion Lux am Stock mit dem Hund Gassi. An schlechten Tagen muss sie sich hinlegen, wenn sie die halbe Spülmaschine ausgeräumt hat.

Die Neuen treten in große Fußstapfen

Bei der Amsel lösen Marion und Norbert Lux Inge Keller aus Heumaden ab. Sie hat die Kontaktgruppe Degerloch und Westfilder 25 Jahre lang geleitet. Ende vergangenen Jahres hat sie aufgehört. „Das sind natürlich große Fußstapfen“, sagt Marion Lux. Sie wollen nun zunächst hinhören, was sich die Leute wünschen, wenn sie zu den Treffen kommen. Sie haben aber auch selbst Ideen. „Das geht von Gymnastik über Vorträge bis dahin, zusammen ein Instrument zu bauen und dann ein Konzert zu machen“, sagt Norbert Lux.

Dass sie den Job zu zweit machen, liegt auf der Hand. Marion Lux kann nicht mehr so, wie sie gern würde. Doch sie hat dringend eine Aufgabe gesucht. An normale Arbeit ist nicht mehr zu denken.

MS bedeutet, dass sich das Leben verändert. „Es hat alles umgekrempelt“, sagt Marion Lux. Im November ist das Paar nach Möhringen gezogen, weil das bisherige Zuhause in Esslingen der Kranken das Leben schwer gemacht hätte. Sie muss hinnehmen, dass ihr Mann den ganzen Tag arbeitet, abends noch den Haushalt schmeißt – und sie nicht helfen kann. „Ich sitze da, sehe ausgeruht aus, aber kann nicht laufen.“

Dass hatten sie sich wahrlich anders vorgestellt. Zumal sie sich erst zwei Jahre vor dem Tag der Diagnose das Ja-Wort gegeben haben. Sie wollten doch so gern noch viele Kilometer zusammen zurücklegen. In den Wanderschuhen, die jetzt im Schrank stehen, ganz so als wäre nichts.

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