Willi Trepl schätzt das Entstehungsjahr seines Lieblingsbildes „Venedig“, das die Kirche Santa Maria della Salute darstellt, auf etwa 1985. Foto: Martin Bernklau

Lebensbilder: Willi Trepl, Kopf des Kunstkreises, war nicht nur in Venedig mit dem Zeichenstift unterwegs.

Möhringen - Wenn die Mitbegründerin Gisela Abt das Herz des Möhringer Kunstkreises ist, dann ist Willi Trepl der künstlerische Kopf. Er ist der, den die Hobby-Maler um Rat fragen und um ein Urteil bitten. Denn es ist nicht nur die Erfahrung eines langen Lebens, es ist auch seine solide künstlerische Ausbildung, wenngleich er auch einen Brotberuf hatte.

Sein eigenes Lieblingsbild heißt „Venedig“ und stellt die barocke Kirche Santa Maria della Salute an der Einfahrt zum Canal Grande dar. Willi Trepl schätzt das Entstehungsjahr auf etwa 1985. Dass es ihm so wichtig ist, liegt nicht nur an der hohen Qualität. Es ist vielleicht auch ein ganz typisches Gemälde für seine besondere, vom Licht des Impressionismus und expressionistischer Energie geprägte Mitte zwischen naturalistischer Darstellung und Abstraktion. Zu einem kraftvoll pastosen Auftrag der Ölfarbe hat er „schon immer geneigt“.

Sein Vater, von dem er in liebevoller Dankbarkeit spricht, war in den Inflationsjahren als arbeitsloser Glasschleifer aus dem Bayerischen Wald nach Stuttgart gekommen, hatte nach harten Jahren bei der Straßenbahn Arbeit gefunden und ein Mädchen aus Öschingen auf der Schwäbischen Alb geheiratet.

„Wer Akt zeichnen kann, der kann alles zeichnen“

Den 1928 geborenen Sohn holte der Vater von der Höheren Handelsschule und riet dem lesehungrigen und kunstbegabten einzigen Kind zu einer Buchhändlerlehre, damit er nicht eingezogen wird. Willi Trepl kann abenteuerliche Geschichten aus dem von Bombenangriffen verwundeten Stuttgart und seiner eigenen Fahnenflucht aus dem Reichsarbeitsdienst in den letzten Kriegswochen erzählen.

Der Vater war es auch, der den jungen Heimkehrer in ein Architekten-Atelier schickte, wo eine Gruppe Kunstmaler den Bedarf an schönen Bildern für die wiederaufgebauten Wohnungen deckten und etwas verdienten. Außer diesem Job ging er abends auf die gleich nach Kriegsende gegründete Freie Kunstschule. Und dort lernte er bis 1950, was ihm heute noch als Grundlage aller Malerei und Skulptur gilt: das Zeichnen, Porträt und Akt. „Das ist das Schwerste von allem. Aber wer Akt zeichnen kann, der kann alles zeichnen.“

Als Plakatmaler verdiente er zu unregelmäßig und heuerte schließlich als Verwaltungsangestellter bei der Landesversicherungsanstalt an, wo er sich in Leitungspositionen hocharbeitete und über die Zuständigkeit für Prospekte, Zeitschriften und Grafiken des Hauses auch ein wenig mit der geliebten Kunst zu tun hatte. Trepl hatte 1954 geheiratet, 1962 wurde der einzige Sohn geboren. Der ist zwar beruflich ein Computer-Freak, eifert aber auch als Künstler inzwischen dem Vater nach. Unter dem Dach des Reihenhauses auf dem Fasanenhof hatte sich Willi Trepl sein Atelier eingerichtet. Nicht nur auf Reisen hatte er stets den Zeichenblock dabei. Aus den Skizzen heraus schuf er seine Gemälde.

Während des Gesprächs verfertigt er mit dem Bleistift so nebenbei zwei Porträts, ohne den Faden zu verlieren. Sein wichtigstes Vorbild als Maler ist Lovis Corinth, dessen Kunst als eine Art Übergang vom deutschen Impressionismus zum Expressionismus gilt. Zum Malen kommt er inzwischen kaum noch, weil die Pflege seiner Frau Edith viel Zeit und Kraft kostet. Dem Kunstkreis aber bleibt Trepl verbunden, wenngleich er ein wenig bedauert, dass dort seine pädagogischen Fähigkeiten für eine gründliche Zeichenschulung nicht mehr so nachgefragt sind. „Die Leute wollen halt immer gleich richtige bunte Bilder malen.“

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