Der Ausbildungsnachwuchs fehlt in vielen Branchen. Um Abhilfe zu schaffen und die Berufsausbildung attraktiver zu machen, ist ein Schulterschluss aller Akteure nötig, meint Imelda Flaig.
Azubis von heute sind die Fachkräfte von morgen. Umso wichtiger ist es, junge Menschen für eine Berufsausbildung zu begeistern. Die Unternehmen tun viel, aber lösen können sie das Problem nicht allein.
Viele Jugendliche tun sich schwer, überhaupt einen Berufswunsch zu formulieren, seit Corona hat sich das noch verschlimmert. Mehr Transparenz in der Berufsvielfalt wäre zumindest ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Der Vorschlag von Südwestmetall, dass etwa aus zehn Mechaniker- und Elektronikerberufen nur noch zwei werden sollen, hat Charme. Ebenso dass nicht gleich von Beginn an alle Ausbildungsinhalte festgezurrt werden sollen. Schließlich müssen Ausbildungskonzepte für Jugendliche und Unternehmen gleichermaßen passen.
Die duale Ausbildung als Erfolgsmodell ist kein Selbstläufer und erfordert das Engagement von allen Beteiligten, ob Verbände, Kammern, Organisationen oder Berufsschulen – nicht nur wegen des Fachkräftemangels, auch wegen der zunehmenden Heterogenität der Berufseinsteiger. Die Bandbreite ist groß, denn die viel zitierte Generation Z lässt sich nicht über einen Kamm scheren.
Was spricht denn beispielsweise gegen spezialisierte Ausbildungsangebote für leistungsstarke Azubis und ein vorgeschaltetes Einstiegsjahr für jene, die Förderbedarf haben, um überhaupt eine Ausbildungsreife zu erlangen? Ideen gibt es viele, jetzt müssen sie diskutiert und in die Tat umgesetzt werden. Die Wirtschaft kann es sich nicht leisten, dass Talente verloren gehen – Ungelernte mit eingeschlossen. Auch die Wertschätzung für viele Berufe könnte sich so verbessern und potenzielle Bewerber motivieren.