Martin Ruppert hat die Modellbahnanlage im Blick. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Es ist eine ganz besondere Welt im Kleinen, die dem großen Original doch möglichst genau nachgebildet ist. Fünf Tage lang öffnet der Modelleisenbahnclub seine Pforten für Besucher.

Stuttgart - Täglich laufen Tausende Menschen an ihrer Tür vorbei. Unscheinbar liegt der Eingang zum Modelleisenbahnclub Stuttgart (MECS) unter der Erde, im Mittelstock des Treppenhauses zur S-Bahn-Station Universität in Vaihingen. Was sich dahinter verbirgt, ahnt kaum jemand – umso beeindruckender ist der Schritt über die Schwelle. Es ist ein Schritt aus der großen in eine ganz eigene kleine Welt.

An fünf Tagen zwischen dem 8. Dezember und dem 26. Januar öffnet der MECS seine Türen für Besucher. Das Angebot, einen Blick in die Modellbauwelt der rund 15 aktiven Mitglieder zu werfen, wird vermutlich wieder Tausende Gäste anlocken. Das ist sehr wichtig für den Club, denn auch vom ­finanziellen Erfolg dieser Veranstaltung hängt die weitere Gestaltung der Modelllandschaft in den Clubräumen ab.

300 Arbeitsstunden stecken im elektrischen System

Beim Modelleisenbahnclub Stuttgart ist alles so originalgetreu wie möglich. Auch die Sprache. „Martin, schau mal, was gerade auf Gleis 4 in Nordingen eingefahren ist“, ruft Hans-Ulrich Firnhaber, der stellvertretender Vorsitzende des MECS, vom Balkon aus. Von dort hat man einen guten Blick über die ganze Anlage. Der Club hat den Balkon zu einem kleinen Café ausgebaut. Darunter sitzen an vier elektronischen Gleisstellpulten die Hobbyschaltmeister, vertieft in bunte Lichter, Schalter und Linien. Auch kleine Laptops gehören zur Ausstattung. Der Vorsitzende des Clubs, Wolfgang Krampe, hat das komplexe elektronische System in mehr als 300 Stunden Arbeit entwickelt und zusammengelötet. Es sieht aus wie echt. Bildschirme an der Wand zeigen, wo welcher Zug entlangfährt und welche der vielen Weichen wie eingestellt sind.

Die Begeisterung, mit der die Mitglieder an ihrer Anlage arbeiten und sie präsentieren, steckt an. Stolz erzählt Peter Anhalt, Geschäftsführer des Clubs, dass dieser schon 1947 gegründet wurde. Damit ist der MECS der älteste Modellbauclub Stuttgarts. Lange Zeit heimisch in Untertürkheim, mussten die Mitglieder 1993 nach Vaihingen umziehen. Bilder an den Wänden des großen Raums erinnern noch an die Umbauarbeiten. Der Aufwand war immens, aber es habe sich gelohnt, betont Anhalt. „Wir sind alle damit groß geworden – jeder hat schon als Kind mit Modelleisenbahnen gespielt.“ Firnhaber ergänzt: „Das ist wie ein Virus – aber ein äußerst gutartiger.“

95 Kilometer Kabel verlegt

Die Dimensionen der Vaihinger Anlage sind immens. Rund ein Kilometer Schienen schlängeln sich auf mehreren Ebenen durch die nachgebildete Mittelgebirgslandschaft. 330 Weichen sorgen dafür, dass mehr als 80 Züge und 800 Waggons immer den richtigen Weg finden. Dafür wurden 95 Kilometer Kabel verlegt. Wenn man die Arbeitszeit hochrechnet, weiß Peter Anhalt, komme man auf mehr als 75 000 Stunden.

Neu ist in diesem Jahr viel an der Elektrik, „deshalb sieht man einiges auch nicht auf den ersten Blick“, so Anhalt. An den beiden großen unter den Miniaturbahnhöfen finden sich neue Beleuchtungen, und erstmals fährt neben den Zügen auch ein Bus der SSB auf einer unsichtbaren Magnetspur. Der Wendelberg, der größte Berg auf der Anlage, wurde bemalt, mit Bäumen und einem großen Wasserfall versehen. Ihn erklimmt eine kleine Zahnradbahn. Ideen für die Gestaltung kann jedes Vereinsmitglied einbringen. Dann wird intensiv beraten, diskutiert und schließlich abgestimmt, so dass die besten Vorschläge umgesetzt werden.

2000 bis 3000 Besucher erwartet

„So richtig fertig wird man nie“, erklärt Hans-Ulrich Firnhaber. An einigen Ecken ist das auch noch gut zu erkennen. So entsteht gerade die zweite große Paradestrecke. ­Kleine Drahtkonstruktionen deuten schon Weinreben an den Bergen an. Auch eine neue Eisenbahnbrücke wird erst im nächsten Jahr in Betrieb genommen.

Mit Spannung fiebern die Eisenbahner den fünf Tagen mit großem Publikum entgegen. Sie erwarten 2000 bis 3000 Besucher aus ganz Deutschland. Peter Anhalt erzählt: „Wir haben einige Stammgäste, aber viele kommen auch zufällig vorbei und staunen, was sich hinter dieser Tür verbirgt.“

Die wichtigsten Daten auf einen Blick

Der Modelleisenbahnclub Stuttgart öffnet seine Clubräume jeweils an den Sonntagen vom 8. und 15. Dezember sowie am 6. und 26. Januar, immer zwischen 10 und 18 Uhr. Zu finden sind diese im Mittelstock der S-Bahn-Haltestelle Universität, Ausgang Schranne. Die Erbauer verraten ihre Tricks und zeigen alle Einzelheiten in Aktion. Die Eltern können das kleine Café des Clubs besuchen, Kinder dürfen sich im Bastelzimmer ihre eigene kleine Modellwelt bauen. Der Eintritt kostet für Erwachsene 3,50 Euro, Kinder von vier bis 14 Jahren zahlen einen Euro, Familien acht Euro.

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