Schlechtes Wetter, große Gefühle: In einer Barbourjacke kann Prinzessin Diana (Emma Corrin) bei Prinz Philip (Tobias Menzies) Sympathiepunkte sammeln. Foto: Sophie Mutevelian/Netflix/Sophie Mutevelian

Seit der Netflix-Serie „The Crown“ will wieder die halbe Welt Barbour tragen. Über eine Jacke, die Modegeschichte geschrieben hat.

Stuttgart - Ach, das Leben könnte so schön sein – und so einfach. Nach dem stärkenden Frühstück mit Black Pudding, Porridge und einer guten Kanne Tee in der rustikalen Landhausküche auf Schloss Balmoral steht ein morgendlicher Ausritt durch Wald und Flur an, begleitet vom Bellen der Jagdhunde und dem Brummeln eines Range Rovers. Irgendwo knistert noch das Feuer im Kamin, draußen dampfen die ewiggrünen Wiesenhügel Schottlands.

 

Schlammfarbenes Glück

Es riecht wieder mal nach Regen. Doch das macht gar nichts. Denn alle tragen schlammfarbene Jacken, die speziell gewachst sind und deswegen die Feuchtigkeit abhalten, dazu derbe Stiefel, die voller Matsch sind und die nach dem Ausflug ein Diener putzen wird. Landadliger müsste man sein. Oder englische Prinzessin. Oder beides.

Royales Landleben

Allen bürgerlichen Freunden des royalen Landlebens, deren wärmendes Kaminfeuer leider nur aus einem Fernseher besteht, sei die vierte Staffel der Netflix-Serie „The Crown“ rund um das beliebt-berüchtigte britische Königshaus ans Herz gelegt. Große Teile dieser Prinzessin-Diana-Staffel spielen in Schottland.

Das Stilerbe von Prinzessin Diana

Auf Schloss Balmoral genießen die Royals den Rückzug aufs Land selbstverständlich in passender Kleidung. Die Traditionsfirma Barbour müsste der „The Crown“-Kostümdesignerin Amy Roberts einen Vorstandsposten anbieten – so wie die typischen Wachsjacken von Barbour dank der Netflix-Serie nun geadelt werden. Emma Corrin spielt Prinzessin Diana und trägt andauernd diese Jacke. Kein Wunder also, dass das Interesse an diesem ikonischen Kleidungsstück stark gewachsen ist, was nicht zuletzt an den stark gestiegenen Anfragen etwa bei der Online-Suchmaschine Lyst abzulesen ist.

Offizieller Hoflieferant

Dass die Macher von „The Crown“ bei der Kostümierung der Figuren nah dran am Original sind, ist der simplen Tatsache geschuldet, dass Barbour eines der wenigen ausgesuchten britischen Unternehmen in textiler Hinsicht ist, das sich mit dem Titel eines offiziellen Hoflieferanten schmücken darf.

Prinzessin Kate mag Barbour

Umgekehrt gilt aber auch, dass die britischen Royals zweifelsohne die besten Werbeträger der traditionsreichen Wachsjacken mit den charakteristischen Cordkragen sind. Prinzessin Kate zum Beispiel hat eine Vorliebe für das Modell „Defense“ von Barbour, war aber auch schon im Modell „Edith“ auf Instagram zu sehen, die aus jener Edition stammt, die der Kooperation mit der Modeschöpferin Alexa Chung entsprungen ist.

Jura und BWL

Wer sich folglich für die irgendwie aristokratisch anmutende Jacke entscheidet, der kauft nicht nur eine praktische Wind-und-Wetter-Jacke, sondern ziert seinen Körper fortan mit einer ganzen Reihe von Klischees und Zuschreibungen. Barbour tragen, heißt vordergründig: bloß nicht links sein. Es geht das Gerücht um, dass die Jacke in konservativen Kreisen vor allem von Juristinnen, BWL-Studenten, Edeljägern und höheren Töchtern gern getragen wird, auch jenseits eines Pferdestalls.

Christian Krachts Roman „Faserland“

Nachdem der Schweizer Schriftsteller Christian Kracht Mitte der 90er Jahre in seinem großartigen Roman „Faserland“ die Barbourjacke als Fetischobjekt verewigt hat, wird das Teil in möglichst abgewetzter Version nicht selten von Hamburger Rockmusikern und großstädtischen Bohemiens spazieren getragen. Das Teil erfordert wie kein zweites Stück Kleidung ein gewisses Talent für Ironie.

Ursprünge im Proletariat

Darüber könnte man fast vergessen, dass es sich bei dieser stark aufgeladenen Modeklamotte nur um eine Jacke für Männer wie Frauen handelt. Seit 1894 hat das Familienunternehmen, heute in fünfter Generation, seinen Sitz im Nordosten Englands. Bis heute werden etwa die klassischen Modelle wie „Beaufort“ und „Bedale“ in South Shields produziert, wo sich der Schotte John Barbour Ende des 19. Jahrhunderts niedergelassen hatte. Von Mode für Adlige und Schnösel konnte damals keine Rede sein. Die Barbourjacke war ursprünglich eine Kluft für draußen hart arbeitende Menschen. Sie war schwer, wächsern und roch intensiv. Sie schützte Fischer, Seeleute und Hafenarbeiter vor dem rauen Wetter der Nordsee. Später entdeckten auch Landwirte die Vorzüge der Jacke.

Made in England

Auf der Insel hat sie schon lange eine identitätsstiftende Funktion. Selbst Daniel Craig als James Bond jagte schon genau in dieser Nationaltracht Bösewichte, die Großbritanniens Freiheit bedrohten.

In Deutschland wiederum ist Barbour traditionell sehr erfolgreich, das Land ist weltweit der drittgrößte Markt für Barbour, was auch daran liegen mag, dass die Deutschen in modischen Angelegenheiten ein gewisses Faible für Tragbares und Gemütliches haben. Nicht wenige träumen in diesen Zeiten von einem herrschaftlichen Haus auf dem Land, wo man sich vom schnöden Alltag zurückziehen kann.