Viele Reisende sind von den Streiks betroffen. Foto: dpa/Jan Woitas

Immer wieder müssen Menschen in der Region Stuttgart auf den Nahverkehr mit Bussen und Bahnen verzichten oder ihre Flugreisen verschieben. In den vergangenen Monaten wurde in der Verkehrsbranche oft gestreikt. Wie häufig war das der Fall? Eine Übersicht

Erst vergangenen Mittwoch hat der öffentliche Nahverkehr in Stuttgart und Esslingen überwiegend stillgestanden, in der kommenden Woche droht erneut ein ganztägiger Streik. Die beiden Tage reihen sich ein in zahlreiche Arbeitsniederlegungen in der Region Stuttgart. Ein Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate.

 

17. Februar 2023 – Flughafen

Die Gewerkschaft Verdi ruft die öffentlich Bediensteten an sieben deutschen Flughäfen zum Streik auf. In Stuttgart werden alle der 162 geplanten Flüge gestrichen, rund 20 000 Passagiere sind betroffen. Für die Bodenverkehrsdienste fordert Verdi 10,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat. Die Arbeitgeber lehnen die Forderung ab.

3. März 2023 – Nahverkehr

Diesmal legt nicht das Flughafenpersonal die Arbeit nieder, sondern die Beschäftigten der kommunalen Verkehrsbetriebe streiken. Wieder ruft Verdi zum Streik auf. In Stuttgart sind fast alle Bahnen und Busse betroffen, und auch in Esslingen wird gestreikt. In den Tarifverhandlungen fordert die Gewerkschaft bessere Arbeitsbedingungen im Nahverkehr, um dringend benötigte Fahrerinnen und Fahrer zu gewinnen.

13. März 2023 – Flughafen

Zehn Tage später ruft Verdi erneut zum Streik auf. Wie im Februar ist wieder das Flughafenpersonal im öffentlichen Dienst betroffen – diesmal aber nur in Berlin, Hamburg, Bremen und Hannover. Der Flughafen in Stuttgart ist nicht direkt betroffen, aber 22 Flüge fallen aus, weil sie aus den genannten Städten kommen oder dahin unterwegs sein sollten.

27. März 2023 – Bundesweiter Mega-Streik

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und Verdi organisieren zusammen einen großen Streik-Tag. Mit dem Mega-Streik sind Einschränkungen im gesamten Verkehrsbereich verbunden. In Stuttgart und Esslingen fährt, wie in vielen anderen Städten auch, der öffentliche Nahverkehr nicht. Davon betroffen ist diesmal auch die S-Bahn. Die Deutsche Bahn (DB) stellt auch den Fern- und Regionalverkehr ein. Der Flughafen Stuttgart muss alle 170 geplanten Ankünfte und Abflüge streichen.  

21. April 2023 – Deutsche Bahn und Flughafen-Sicherheitspersonal

Auch am 21. April fallen zwei Streiks auf den gleichen Tag. Für den Vormittag ruft die EVG erneut die Beschäftigten der Deutschen Bahn zum Streik auf. Der Fern- und Regionalverkehr kommt zum Erliegen und auch die S-Bahn in der Region Stuttgart fährt wieder nicht. Nach einem Aufruf von Verdi streikt zusätzlich das Luftsicherheitspersonal am Flughafen, das für die Sicherheitskontrollen zuständig ist. Die Gewerkschaft fordert Zuschläge für Nacht- und Feiertagsschichten.

15. November 2023 – Deutsche Bahn

Diesmal ist es die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), die zum Arbeitskampf aufruft. Die DB muss ihren Personen- und Güterverkehr für 20 Stunden einstellen, in Stuttgart fährt die S-Bahn nicht. „Dieser Streik ist völlig unnötig“, sagt DB-Personalvorstand Martin Seiler. Von der Gewerkschaft wird mehr Geld für die Beschäftigten gefordert, aber vor allem eine Arbeitszeitreduzierung von 38 auf 35 Stunden für Schichtarbeiter bei vollem Lohnausgleich. Die Bahn hält die Umsetzung für nicht realisierbar.

7. Dezember 2023 – Deutsche Bahn

Eine Einigung zwischen der GDL und der Bahn ist nicht in Sicht. Wieder ruft die Gewerkschaft die Beschäftigten auf, ihre Arbeit niederzulegen. Die Folgen sind die gleichen wie im November. Immerhin verzichtet GDL-Vorsitzender Claus Weselsky auf weitere Streiks kurz vor und nach Weihnachten.

10. Januar 2024 – Deutsche Bahn

Die GDL zeigt sich nach Gesprächen mit der Bahn weiterhin unzufrieden und startet einen diesmal dreitägigen Streik. Das Ziel der Gewerkschaft ist weiterhin eine Absenkung der Wochenarbeitszeit von 38 auf 35 Stunden, bei vollem Lohnausgleich. Die Deutsche Bahn hatte noch versucht den Streik gerichtlich abzuwenden, aber das Hessische Landesarbeitsgericht lehnte den Antrag ab.

24. Januar 2024 – Deutsche Bahn

Mit einem erneuten Arbeitskampf unterstreicht die GDL wieder einmal ihre Forderung auf eine Arbeitszeitreduzierung auf 35 Stunden pro Woche. Am 25. Januar kommt GDL-Chef Claus Weselsky zur Kundgebung nach Stuttgart. Erst nach fünf Tagen bricht die Gewerkschaft den inzwischen vierten Streik im laufenden Tarifkonflikt mit der Bahn ab. Bis zum 3. März gibt es vorerst keine weiteren Streiks, denn bis dahin gilt eine Friedenspflicht.

1. Februar 2024 – Flughafen-Sicherheitspersonal

Verdi ruft die Beschäftigten der Luftsicherheitskontrollen zu Arbeitsniederlegungen auf. Ohne Sicherheitskontrollen ist kein Flugbetrieb möglich und so müssen alle Abflüge vom Flughafen Stuttgart gestrichen werden. Die Gewerkschaft fordert 2,80 Euro mehr Lohn pro Stunde sowie Zuschläge für Überstunden. Die Arbeitgeber bieten Gehaltssteigerungen von vier Prozent für dieses Jahr und drei Prozent für das kommende Jahr an.

2. Februar 2024 – Nahverkehr

In einem Tarifstreit zwischen Verdi und dem kommunalen Arbeitgeberverband Baden-Württemberg (KAV) ruft die Gewerkschaft zum Warnstreik im kommunalen Nahverkehr auf. Betroffen sind unter anderem die Busse und Bahnen in Stuttgart und Esslingen. Verdi legt den Fokus auf unbezahlte Arbeitszeiten im Betrieb, die entlohnt werden sollen.

7. Februar 2024 – Lufthansa

Auch mit der Lufthansa streitet Verdi um Tarifanpassungen. Nach gescheiterten Verhandlungen beginnt ein 27-Stunden-Warnstreik des Bodenpersonals der Airline. Der Flughafen Stuttgart ist davon nicht direkt betroffen, aber einige wenige Flüge von und nach Frankfurt sowie München müssen gestrichen werden. Verdi fordert 12,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 500 Euro monatlich.

20. Februar 2024 – Lufthansa

Die Verhandlungen scheitern erneut und so ruft Verdi zu einem weiteren Streik des Lufthansa-Bodenpersonals auf. Die Lufthansa hat ihr Angebot verbessert: Sie schlägt 10 Prozent mehr Gehalt vor. Verdi bleibt hingegen bei der Forderung von 12,5 Prozent, mindestens aber 500 Euro mehr.

21. Februar 2024 – Nahverkehr

Nach den Streiks an den Flughäfen steht am 21. Februar mal wieder der öffentliche Nahverkehr in Stuttgart und Esslingen still. Immerhin sind die S-Bahnen regulär unterwegs. Die Verhandlungen zwischen Verdi und dem kommunalen Arbeitgeberverband Baden-Württemberg (KAV) sind zwei Wochen zuvor zu keinem Ergebnis gekommen. Die Gewerkschaft fordert wie Anfang Februar weiterhin eine Bezahlung der innerbetrieblichen Wegezeiten.

29. Februar 2024 – Nahverkehr

Da eine Einigung nicht in Sicht ist, hat Verdi bereits den nächsten Streik im ÖPNV verkündet, diesmal für zwei Tage. In Zusammenarbeit mit Fridays for Future sollen am 1. März damit zudem die Forderungen nach Investitionen von Land und Bund in den Nah- und Regionalverkehr unterstrichen werden. Am 6. März wird weiter verhandelt.