Der Export von Waren nach Großbritannien ist nach dem Brexit viel komplizierter geworden. Foto: dpa/Peter Byrne

Auch deutsche Unternehmen leiden unter dem EU-Austritt Großbritanniens. Und ein Ende ist nicht in Sicht, meint unser Korrespondent Knut Krohn.

Seit drei Jahren ist Großbritannien nicht mehr in der EU. Es zeigt sich nun, dass der Brexit die befürchtete politische, wirtschaftliche und bürokratische Hydra ist. Für die Unternehmen tauchen unablässig neue Probleme auf, die sich oft nur mit unglaublichem Aufwand lösen lassen.

 

Eine Übergangslösung nach der anderen

Nun trifft es die für Europa wichtige Automobilbranche. Alles deutet darauf hin, dass eine Regelung gefunden wird und die ein- und ausgeführten Elektrofahrzeuge auf beiden Seiten auch nach 2024 vorerst nicht mit Zöllen belegt werden. Doch das kann wieder nur eine Übergangslösung sein. Denn Großbritannien ist mit dem Brexit final aus dem europäischen Binnenmarkt und der Zollunion ausgetreten. London kann sich nicht die Rosinen herauspicken und sich über die Hintertür solcher Ausnahmen wieder Zugang zum lukrativen EU-Markt verschaffen. Das heißt, dass dieses Thema bald wieder auf dem Verhandlungstisch liegt.

Der Brexit ist ein schwerer Schlag für die exportstarken Unternehmen in Deutschland. Die wirtschaftliche Bedeutung des Vereinigten Königreichs für den deutschen Außenhandel lässt immer weiter nach. Im Jahr 2022 rutschte das Land laut einer Analyse von Daten des Statistischen Bundesamts erstmals in der jüngeren Geschichte aus den Top Ten der deutschen Handelspartner. Das kleine Tschechien verdrängte die Briten vom zehnten Platz.

Ein kleiner Machtzirkel treibt sein Unwesen

Zum wirtschaftlichen Niedergang und dem bürokratischen Chaos gesellt sich eine permanente politische Krise in London, die innerhalb eines Jahres drei Premierminister verschlungen hat. Fraglich ist, wie lange sich der aktuelle Regierungschef Rishi Sunak halten kann. Hinter seinem Rücken wetzen die Gegner bereits die Messer.

Noch immer treibt ein kleiner, aber überaus einflussreicher Machtzirkel innerhalb der politischen Elite des Landes sein Unwesen. Im Kreise dieser Politiker wird der Brexit nicht auf der Basis von Fakten diskutiert. Der Kampf gegen die EU ist für sie eine Glaubensfrage, und jedes noch so kleine Zugeständnis an Brüssel wird als Verrat an der eigenen Nation gesehen. Während sie in verblendeter Arroganz dem Verlust des Empires nachtrauern, leiden aber die einfachen Menschen unter dem maroden Gesundheitssystem und der schwächelnden Wirtschaft.