Außerhalb der EU sind Telefonate mit dem Handy weiterhin deutlich teurer als zu Hause. Selbst in der Bodenseeregion kann es überraschend teuer werden. Was gilt es vor und bei einer Reise zu beachten?
Stuttgart - Innerhalb der Europäischen Union (EU) dürfen Anrufe seit diesem 15. Mai nur noch maximal 19 Cent pro Minute kosten – das ist vom EU-Parlament so festgelegt worden. Zwar fielen im Juni 2017 EU-weit bereits die Roaming-Kosten für Telefonate oder Nachrichten ins Heimatnetz weg, doch die Kosten für Telefonate aus dem Heimatland in ein anderes EU-Land waren bislang noch nicht geregelt. Außerhalb der EU und beispielsweise auf Kreuzfahrten – auch in europäischen Gewässern – kann Mobilfunk enorme Kosten verursachen. Reisende sollten sich also vorab genau über geltende Regeln und Vertragsbedingungen informieren.
Was kosten die Dienste außerhalb der EU?
Außerhalb der EU sind Handy-Telefonate auch weiterhin deutlich teurer – zum Teil gelten Minutenpreise von mehr als vier Euro. Auch eingehende Anrufe können den Urlauber mehr als zwei Euro in der Minute kosten. Die Stiftung Warentest hat für die aktuelle Ausgabe von Finanztest die Preise der wichtigen Mobilfunkanbieter verglichen. Warentest-Autor Thomas Grund rät daher, sich bei Fernreisen unbedingt frühzeitig bei seinem Anbieter über die Kosten zu informieren. Es genüge nicht, die SMS zu lesen, die man vom Betreiber erhalte, sobald man eine Landesgrenze überquert habe. Bei Fernreisen oder auf einer Kreuzfahrt kann schon das Einwählen in ein fremdes Netz enorme Kosten verursachen – etwa wenn man einen Anruf annimmt oder auch bei Datenübertragungen. So kann das Versenden eines Fotos mit mehr als 50 Euro zu Buche schlagen.
Wie schützt man sich vor ungewollten Kosten?
Einige Grundregeln können helfen. Noch zu Hause sollte man den Empfang mobiler Daten in den Einstellungen seines Mobiltelefons ausschalten. Wer ganz sicher gehen möchte, kann auch die Roamingfunktion, das Aktualisieren von Apps über mobile Datenverbindungen sowie die automatische Netzwahl am Telefon zu deaktivieren, rät Thomas Grund. Oftmals würden sich Smartphones nämlich standardmäßig immer ins stärkste Mobilfunknetz einwählen. Insbesondere in der Bodenseeregion müsse man darauf achten, sagt Grund: Das Schweizer Netz sei dort häufig sehr stark – so könne es jederzeit auch auf der deutschen Seite passieren, dass man automatisch in ein schweizerisches Mobilfunknetz eingewählt werde.
Was passiert dann?
„Telefonate können dann pro Minute bis zu 1,82 Euro kosten“, sagt Thomas Grund. Das hängt aber auch vom jeweiligen Vertrag ab: So bezahlen Kunden des Anbieters 1&1 je nach Vertrag für einen eingehenden Anruf in der Schweiz beispielsweise nur einen Cent pro Minute (E-Netz von Telefónica) oder gar 61 Cent, wenn sie bei 1&1 einen Vodafone-Tarif gewählt haben. In der Nähe der Schweiz sollten Reisende daher die Roamingfunktion am besten abschalten.
Lauern ähnliche Fallen auch woanders?
Es gibt auch noch andere Länder in Europa, die nicht zur EU gehören – und als Urlaubsziele sehr beliebt sind. So müssen Reisende in der Türkei, im türkischen Teil Zyperns und in Montenegro aufpassen. Auch dort könnten hohe Kosten von bis zu 2,29 Euro pro Gesprächsminute entstehen. Es sei ratsam, sich bei allen Reisen außerhalb der EU direkt bei seinem Anbieter zu erkundigen, so Warentest-Experte Thomas Grund. Viele würden Datenpakete für bestimmte Länder anbieten, mit denen man die Kosten im Blick behalten könne. Nutzer sollten darauf achten, immer eine Obergrenze mit dem Vertragspartner zu vereinbaren und die Sperre niemals die Sperre ganz aufzuheben. Die Kosten könnten sonst leicht explodieren.
Was kann mit mobilen Daten passieren?
Die Funktion „mobile Daten“ bei den Einstellungen eines Smartphones ist besonders tückisch. Aus Bequemlichkeit stellen viele Nutzer ein, dass sich Apps automatisch aktualisieren – und diese tun das teilweise auch, wenn gerade nur eine mobile Datenverbindung verfügbar ist. Wer die Einstellung so wählt, dass die Aktualisierung von Apps nur über eine Wlan-Verbindung erfolgt, ist auf der sicheren Seite. Es sei daher am besten, die Funktion „mobile Daten“ in Ländern außerhalb der EU vollständig auszuschalten, sagt Thomas Grund.
Kann ich meine Mailbox eingeschaltet lassen?
Auch die Mailbox sollte man vor der Reise am besten ganz ausschalten. Denn sowohl eingehende Anrufe, als auch das Abhören von Nachrichten verursachen teils Kosten.
Wie kann ich am günstigsten telefonieren?
Komplett kostenfrei sind Telefonate im Ausland über Apps wie Whatsapp, Facetime oder Telegram – jedenfalls dann, wenn man in einem kostenfreien Wlan-Netz eingewählt ist. In den meisten Ländern gibt es offene und kostenlose Wlan-Netze, etwa im Hotel, im Café, in der Bahn oder auf öffentlichen Plätzen. Offene Netze sind in der Regel jedoch auch ungesichert. Man sollte sie daher weder für Bankgeschäfte nutzen noch Passwörter eingeben, die von Hackern abgefangen werden könnten.
Gibt es günstige Alternativen?
Relativ günstig sind auch Telefonate über das Programm Skype. Ins deutsche Festnetz telefoniert man für 2,4 Cent pro Minute, in Mobilfunknetze für 10,6 Cent pro Minute. Innerhalb von Skype sind Telefonate wie bei Whatsapp kostenlos. Bezahlt wird entweder mit einem Abo oder mit einem Skype-Guthaben. So bleiben die Kosten im Blick.
Ist es sinnvoll, sich im Ausland eine Prepaid-Karte zu kaufen?
Dies ist oft die günstigste Möglichkeit für Telefonate und Datenübertragungen. Wer sich nicht erst vor Ort eine Sim-Karte besorgen möchte, kann dies über Anbieter wie Simly, Holidayphone oder Travelsim schon im Voraus von zu Hause aus tun. Wählt man Simly als Partner aus, so kann man zwischen Telefonieguthaben und Komplettpaketen wählen – für zahlreiche Länder auf der ganzen Welt. Die Sim-Karte wird per Post zugesandt, die Telefonnummer am Tag vor der Reise via E-Mail mitgeteilt. Ist das Guthaben aufgebraucht, kann von unterwegs aus neues Guthaben aufgeladen werden.
Funktioniert das mit jedem Telefon?
Nein. Eine Übersicht darüber, welches Telefon in welchem Land geeignet ist, bietet zum Beispiel Simly auf seiner Internetseite. Dort finden Kunden eine Geräteliste fast aller Handyhersteller. Es bietet sich an, für eine Urlaubs-Prepaid-Karte ein zweites Telefon mitzuführen.