Daniel Didavi hat wieder die Lockerheit, die er für sein Spiel braucht. Foto: Baumann

Daniel Didavi nimmt beim Fußball-Zweitligisten VfB Stuttgart wieder eine zentrale Rolle ein. Das Stuttgarter Offensivspiel kreist um ihn.

Stuttgart - Daniel Didavi rennt so viel wie schon lange nicht mehr. In jedem Training und in jedem Testspiel bisher. Volles Tempo. Der Mittelfeldspieler grätscht auch so viel wie noch nie zuvor. Obwohl das ja gar nicht seine Kernkompetenz ist. Doch vor allem spielt der 29-Jährige mit einer Leichtigkeit, die man schon länger nicht mehr bei ihm beobachtet hat. Schwerfällig wirkte alles, was Didavi in der Endphase der Vorsaison fußballerisch anging. So konnte er seinem VfB Stuttgart in den entscheidenden Begegnungen nicht helfen – und das war bitter für das Eigengewächs.

 

Jetzt steht eine andere Nummer zehn auf dem Platz. Keine neue, sondern vielmehr eine alte mit feinem linkem Fuß. Vielleicht ist es sogar der beste linke Fuß der zweiten Liga, den ein fitter Didavi zu bieten hat. Sicher ist dagegen, dass ihm der offensive Ansatz des neuen Trainers guttut. „Daniel Didavi strahlt Spielfreude aus“, sagt Tim Walter, „und das ist wichtig für ihn, weil er ein Spieler ist, der über die Emotionen kommt.“

Die Augen glänzen vor dem Saisonstart am Freitag (20.30 Uhr) gegen Hannover 96 also wieder anders. Weil Didavi nicht mehr ständig nach oben schauen muss, um zu sehen, wie die Bälle über ihn hinwegfliegen. In Stuttgart wird jetzt kurz und flach von hinten herausgespielt. Konsequent. Viele der Elemente, die Walter zur Umsetzung seiner Spielidee dabei braucht, versammeln sich in Didavi. Er kann das Stuttgarter Spiel mit seinen Pässen ebenso beschleunigen wie drosseln. Er kann im gegnerischen Defensivverbund Lücken finden, die andere gar nicht sehen – und das Spielgerät ebenso durch dieses Nadelöhr wie über eine Freistoßmauer zirkeln. Und er kann mit seinem kompakten und kräftigen Körper Zweikämpfe gewinnen. Solange dieser mitspielt.

Konkurrenzkampf um die Plätze in der Startelf

Das tut er im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als Didavi mit Achillessehnenbeschwerden vom VfL Wolfsburg zurückkehrte. Anschließend fand der als verletzungsanfällig geltende Techniker nicht in Tritt und schon gar nicht zu seinem Rhythmus. Nun verleiht ihm die Gewissheit, die Vorbereitungszeit komplett mitgemacht zu haben, die Lockerheit, die er für sein Spiel benötigt.

Zum Fixpunkt in Walters System ist Didavi geworden. Um ihn herum kreisen die anderen Mittelfeldspieler. Denn der Coach verlangt bei Ballbesitz ständige Positionswechsel. Ohne Ball braucht es aber eine Grundordnung, um die Räume zu besetzen. In einer Raute hat Walter sein Mittelfeld bisher meistens aufgestellt. Das ergibt vier Plätze und einen verschärften Konkurrenzkampf, weil einem schon auf Anhieb genug Namen einfallen, mit denen der Anspruch verbunden wird, in der Startelf stehen zu wollen.

Santiago Ascacibar und Atakan Karazor kommen für die dann einzige Sechserrolle infrage. Aber da gibt ja auch noch Orel Mangala, der nach seiner Teilnahme an der U-21-EM etwas später in den Trainingsbetrieb eingestiegen ist. Walters Idealtypus für die zentrale Position vor der Abwehr scheint jedoch Karazor zu verkörpern. Ihn kennt er noch aus der gemeinsamen Saison bei Holstein Kiel. Und der 22-jährige Neuzugang ist mit den geforderten Rotationen vertraut.

Es sieht wieder nach Fußball aus

Der groß gewachsene Karazor ist zudem ein fast so guter Balleroberer wie Ascacibar. Wobei der Ehrgeiz des Argentiniers nicht zu unterschätzen ist, ebenso wenig wie Ascacibars Bereitschaft, sich spielerisch und strategisch weiterzuentwickeln. Auf der Halbposition hat Walter den Dauerläufer mehrfach aufgeboten. Ein Revier, das auch Gonzalo Castro und Philipp Klement für sich beanspruchen – in ganz unterschiedlichen Ausprägungen. Castro ist der ballsichere Routinier, Klement der torgefährliche Neueinkauf.

Aus dieser starken Mitte soll beim VfB der Spielfluss entstehen, der ihn nach oben trägt. Mitreißend schnell kann das gehen. Doch wenn ein Überfallkommando in wenigen Sekunden nicht möglich erscheint, verlangt Walter Spielkontrolle. Dann soll die Kugel durch die eigenen Reihen laufen – wie streckenweise in den Freundschaftsspielen gegen den FC Basel (3:2) und den SC Freiburg (4:2).

Nach Fußball sieht das wieder aus. Doch nicht ohne Risiko ist dieses Treiben zu haben. Denn die Abwehrreihe steht unter Walter hoch und schaltet sich in die Angriffe ein. Ein Moment der Unaufmerksamkeit erhöht da die Konteranfälligkeit enorm. Weshalb es zum einen eine gute Absicherung braucht, zum anderen aber auch eine sichere Ballzirkulation im Mittelfeld – mit einem Spielmacher Didavi, der rennt und das Offensivspiel lenkt.