Anni Wöllhaf hat vor 40 Jahren das Nordic Walking in Reichenbach populär gemacht. Bis heute setzt die 80-Jährige auf Bewegung.
Beim TV Reichenbach gilt Anni Wöllhaf als Institution. Das liegt nicht nur an der jahrzehntelangen Mitgliedschaft, die 1958 begann, sondern vor allem an ihrem beständigen sportlichen Engagement. Vor allem dem Gesundheitssport hat die agile 80-Jährige in ihrem Verein auf die Sprünge geholfen. Außerdem zählt Anni Wöllhaf in ihrem Heimatort zu den Pionierinnen des Nordic Walking, der Variante des Walkings, bei dem dank Stockeinsatz auch Rücken und Arme gestärkt werden.
Mit schnellem Schritt bergauf
„Wir führen den Stock hinter den Körper“, ruft Wöllhaf ihrer Gruppe zu. Behende gehen die Frauen und Männer, die sich auf dem Parkplatz beim Reichenbacher Freibad versammelt haben, den Anweisungen ihrer Trainerin nach. Mit Armschwingen, Rumpfbeugen und vielen anderen Übungen aus dem Repertoire der „Fünf Esslinger“ von Dr. Runge wärmen sich die Teilnehmer für den Ausflug in die Natur auf – und schon geht es schnellen Schrittes bergauf.
Jeden Dienstag trifft sich die Gruppe, um wechselnde Touren zu gehen. Diesmal steht die Runde nach Ebersbach-Roßwälden (Kreis Göppingen) auf dem Programm. Das bunte Laub leuchtet mit dem Lächeln von Anni Wöllhaf um die Wette, denn neben ihrem feuerroten Haarschopf ist auch die gute Laune ein Markenzeichen der Trainerin.
„Wenn man gesund ist, kann man auch im Alter noch viel machen“, erläutert sie das stramme Tempo, mit dem sie ihre Gruppe bergauf führt und nebenher locker plaudert. „Bewegung ist im Alter die beste Medizin“ sagt Wöllhaf, die mit ihren 80 Jahren zu den Ältesten ihrer Gruppe zählt, sich aber nicht groß als Vorbild in den Vordergrund stellen will. Aber ein bisschen stolz sei sie schon darauf, dass sie mit ihren 80 noch mal die Schulbank gedrückt hat, um noch einmal ihren Trainerschein C Breitensport mit dem Schwerpunkt Ältere abzulegen. „Meine Freundin und ich war die ältesten, die jemals die Sportschule Ruit besucht haben“, erinnert sie sich schmunzelnd.
Mit dem Vorschulturnen fing alles an
Die Jüngste in der Walkinggruppe ist erst 50 Jahre alt und kennt „Anni seit dem Vorschulturnen“, wie die Reichenbacherin berichtet. Tatsächlich fing so alles an. Als Anni Wöllhafs Tochter mit fünf Jahren ebenfalls zum Vorschulturnen kam, wurde die Mama bei der Gruppe des TV Reichenbach bald als Aushilfe verpflichtet, machte den Übungsleiterschein und kam so in den festen Trainerinnenstamm hinein. Nach zehn Jahren wechselte sie zu den Rückenfitkursen und machte sich für die neue Abteilung Gesundheitssport stark, die sie lange Zeit leitete.
„Die Anni macht das wunderbar“, darin sind sich gleich mehrere Walker in ihrer Gruppe einig. Dank der abwechslungsreichen Touren und der Gymnastik werde es nicht langweilig, was auch die jahrelange Treue beweist, immerhin sind mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer schon seit 25 Jahren mit von der Partie.
Nach einer einstündigen Tour, bei der ein idyllischer Ausblick auf das Filstal für der Aufstieg belohnt, stellt sich die Gruppe zu den obligatorischen Dehnübungen auf und der Abend endet mit einem Einkehrschwung in der Pizzeria. Auch die Geselligkeit gehört zum Erfolgsrezept und ist den Reichenbachern wichtig, die mit Ausnahme der Coronajahre jedes Jahr gemeinsam zu einem Busausflug aufbrechen und schöne Erinnerungen an Wanderwochenenden in Südtirol und anderswo teilen.
Sie sucht eine Nachfolgerin
„Seit fünf Jahren suche ich eine Nachfolgerin“, sagt Anni Wöllhaf mit Blick auf ihre Walkingkurse, aber das bisher leider vergebens. Sechs Stunden pro Woche engagiert sich die frühere Friseurin ehrenamtlich und dazu kommt alle 14 Tage auch noch ein Gymnastikangebot für Senioren im Reichenbacher Teichmannstift.
Nach Reichenbach kam Wöllhaf als junges Mädchen aus Franken auf der Suche nach einer Lehrstelle und wurde der erste Lehrling im Friseurgeschäft der Familie Staib – samt Kost und Logis, wie sie sich lächelnd erinnert. Heute lebt sie mit ihrem Lebensgefährten, der Tochter und den Enkeln in einem Dreigenerationenhaus und schätzt auch dort die gute Gemeinschaft.