Der Kreis liegt beim Ausbau des Breitband- Internets vorne. Foto: imago/Arnulf Hettrich

Gärtringen verbietet einer offensichtlich dilettantischen Baufirma, weiterhin auf der Markung Glasfaserkabel zu verlegen.

Als die Firma eine Straße aufgrub, obwohl bereits Leerrohre für die Glasfaser-Leitungen im Untergrund lagen, da wurde es dem Gärtringer Bürgermeister Thomas Riesch zuviel: Er drückte das Notaus. Wie er in der jüngsten Gemeinderatssitzung erklärte, habe die Gemeindeverwaltung dem französischen Unternehmen Geodesia verboten, künftig auf der Markung von Gärtringen die Kabel der Deutschen Glasfaser Holding zu verlegen. Damit sei ein Schlussstrich gesetzt unter die Pannenserie von Geodesia, wie Thomas Riesch in der Sitzung erklärte.

 

In Rohrau gab es Probleme

Vor allem in Rohrau habe es Probleme gegeben. Hier habe sich Geodesia nicht an den Ausbauplan gehalten, sondern an anderen Stellen gearbeitet, wodurch die Gemeinde nicht rechtzeitig die Verkehrssicherung errichten konnte. Hausanschlüsse seien anders gelegt worden als vereinbart, an einer Stelle sei einfach durch den Garten gefräst worden. Ein Hausbesitzer soll gar die Polizei geholt haben angesichts des Desasters in seinem Vorgarten. Auch mit der abschließenden Asphaltierung sei die Gemeinde alles andere als glücklich gewesen. An zwei Bauabschnitten, so erklärte ein Mitarbeiter des Tiefbauamtes, sei die abschließende Asphaltierung nicht genehmigungsfähig gewesen. Deswegen ruht jetzt der Ausbau des Glasfasernetzes in Gärtringen, bis eine andere Firme die Arbeiten übernimmt. Die Firma Geodesia mit Sitz in Paris hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Mit großem Werbeaufwand durch die Kommunen

Auch im benachbarten Nufringen werden die Internet-Leitungen der deutschen Glasfaser verlegt, doch hat man dort bessere Erfahrungen gemacht. Hier arbeitet die Firma DG Technik im Auftrag des Glasfaser-Unternehmens. Was auch daran liegen könnte, dass Nufringen die Bauarbeiten mehr unter Aufsicht hält: „Wir lassen erst einmal zwei, drei Straßenzüge unter den Augen des Tiefbauamtes fertigen. Das Tiefbauamt prüft, ob eine fachmännische Ausrüstung vorhanden ist und natürlich, ob ordentlich gearbeitet wird,“, sagt der Nufringer Bürgermeister Ingolf Welte. Erst dann dürfe das Bauunternehmen die nächste Straße in Angriff nehmen.

Die Deutsche Glasfaser Holding aus Borken in Nordrhein-Westfalen war vor einiger Zeit mit großem Werbeaufwand durch die Kommunen des Landkreises gezogen, um Kunden zu werben. Gerade der ländliche Raum soll „auf Großstadtniveau hoch gezoomt werden“, wie es Kai Hölscher von der Unternehmensgruppe Deutsche Glasfaser ausdrückt.

Bis 2025 will die Gigabit Region Stuttgart, eine Gesellschaft, in der neben der Wirtschaftsförderung der Region auch die Landeshauptstadt und die fünf Landkreise der Region Stuttgart vertreten sind, die Hälfte der Haushalte ans schnelle Internet anschließen. Bis zum Jahr 2030 sollen 90 Prozent der Einwohner der Region Stuttgart Breitband haben. „Stand heute werden wir die Ziele für 2025 in allen Landkreisen erreichen“, sagt Helmuth Haag, der Sprecher der Gigabit Region Stuttgart.

Auch im Kreis Böblingen läuft der Ausbau bereits in mehreren Kommunen oder geht demnächst an den Start. „Wir sind in keinem anderen Landkreis so weit und haben so viele Projekte am Laufen wie im Landkreis Böblingen“, sagt Hölscher.