Jasmin Wölke ist unter den Top-20-Kandidatinnen der Miss Germany Wahl. Foto: Wendy Stephan

Jasmin Wölke aus Ludwigsburg gehört zu den Top 20 der Miss Germany Wahl und möchte ihre Stimme nutzen, um Frauen dazu zu bewegen, mutiger zu sein.

Beim Stichwort Miss Germany haben die meisten Menschen wohl das Bild von jungen, hübschen Frauen im Kopf, die knapp bekleidet einen Laufsteg auf und ab gehen. Dass dies nichts mehr mit der Realität zu tun hat, dürfte überraschen. Denn die Zielrichtung bei der Wahl zur Miss Germany hat sich um 180 Grad gewendet und ist heute alles andere als ein Schönheitswettbewerb. Mit dem Wechsel in der Führungsebene kam auch das Umdenken.

 

Das Konzept sei nicht mehr zeitgemäß, und man müsse mehr darauf achten, welche Frauen wirklich Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen. „Es geht darum, welche Frau wirklich nachhaltig Veränderung bewirken kann und eine starke Stimme in Deutschland hat“, erklärt Jasmin Wölke.

Die 32-Jährige aus Ludwigsburg will bei Miss Germany ihre Mission vorstellen und andere Frauen inspirieren. Seit Oktober gehört sie zu den Top 20 im Wettbewerb um den Titel der Miss Germany 2024.

Über 15 000 Bewerberinnen

Der Weg dahin enthält einige Etappen. „Es bewerben sich jährlich etwa 15 000 Frauen aus ganz Deutschland. Aus diesen werden dann die Top 100 ausgewählt“, erklärt Wölke. Nach einem digitalen Casting mussten sich die Top-40-Kandidatinnen auf einer Karrieremesse in München behaupten. „Wir nahmen in verschiedene Gruppen an Podiumsdiskussionen teil. Uns wurden Fragen gestellt, und wir sollten kontrovers diskutieren. Zum einen zu unseren Missionen, zum anderen zu ganz allgemeinen Themen“, sagt Wölke. So hat sie es bis in die Top 20 geschafft.

Mission statt Laufsteg

Jede der Frauen bewirbt sich mit einer Mission. Dazu gehört auch ein Bewerbungsvideo, in dem die Kandidatin diese vorstellt. „Es gibt ganz verschiedene Richtungen. Beispielsweise gibt es eine Kandidatin mit Diabetes, die auf chronische Erkrankungen aufmerksam machen möchte. Eine andere hat ein Spenderherz und möchte das Thema Organspende in den Fokus rücken“, berichtet sie. Die amtierende Miss Germany studiert Religions-und Gemeindepädagogik und gründete in Magdeburg eine Jugendgemeinde, um junge Menschen zu fördern.

Wölkes Mission ist das Thema Intrapreneurship, was das unternehmerische Verhalten von Mitarbeitern innerhalb eines Unternehmens beschreibt. „Ich bin der Meinung, dass wir Veränderung von innen vorantreiben können.“ In den letzten Monaten sei ihr aufgefallen, dass häufig weibliche Gründerinnen in den Fokus gestellt würden. Auch das sei sehr wichtig, jedoch würden Frauen, die schon im Angestelltenverhältnis in Unternehmen arbeiten, komplett in den Schatten gerückt. „Egal ob Kleinunternehmen, Mittelstand oder Großkonzern, es gibt so viele bestehende Strukturen, durch die sich diese Frauen Tag für Tag durchkämpfen. Und ihnen wird das Scheinwerferlicht nicht geschenkt. Ich möchte den Fokus gerne wieder auf die Vielfalt, die Stärke und den Erfolg von diesen Frauen lenken“, erklärt Wölke ihre Mission.

Der Fokus liegt auf Arbeitnehmerinnen

Seit sie 17 ist, arbeitet Jasmin Wölke in Großunternehmen, aktuell als Fachreferentin der Geschäftsführung, bei Bosch Power Tools in Leinfelden-Echterdingen. Damit gehört sie laut Statistischen Bundesamt zu den rund 48 Prozent der erwerbstätigen Frauen, die in einem Angestelltenverhältnis tätig sind. „Es gibt so viele bemerkenswerte Frauen, die sich bewusst für eine Unternehmenskarriere entschieden haben und von innen heraus Veränderungen anstoßen“, sagt Wölke. In ihrer Zeit als Angestellte habe sie die Erfahrung gemacht, dass am meisten Veränderung passiere, wenn man selbst, intrinsisch, dafür sorge. Man müsse nicht auf Quoten oder Vorgaben der Geschäftsführung warten, um etwas Neues anzustoßen. „Wenn wir mutig sind, dann schaffen wir es, Veränderungen anzustoßen. Ich möchte Frauen eine Stimme geben, ich möchte sie ermutigen, lauter zu sein, sich zu behaupten und sich das zu holen, was sie sich erarbeitet haben. Ohne dass sie in die zweite Reihe gestellt werden, weil ein Mann lauter ist.“

In ihrem Unternehmen spreche sie als Gastrednerin, um Impulse zu setzten. Gemeinsam mit ihrem Chef beschäftige sie sich mit dem Thema Inklusion, Arbeitskultur und Diversität. „Wir haben gemerkt, dass wir erfolgreicher sind, wenn wir diversere Teams haben und auch die Arbeitskultur besser ist.“

Auch ohne Sieg ein Erfolg

Im Dezember startet Jasmin Wölke zum Miss Germany Camp. „Das Camp soll nachhaltig Auswirkungen haben, deshalb bekommen wir in dieser Zeit Persönlichkeitstrainings und arbeiten weiter an unseren Missionen“, erklärt Wölke. Innerhalb dieser Woche werden die zehn Frauen ausgewählt, die im Finale im Europapark dabei sind.

„Ich denke, dass jede Teilnehmerin ihre Mission weiter vorantreiben wird, egal ob sie gewinnt oder nicht. Mit dem Titel kann man aber sein Thema weiter streuen und bekommt mehr Aufmerksamkeit.“ Für Wölke habe sich die Zeit bei Miss Germany gelohnt. Ihre Mission habe sich deutlich weiterentwickelt und geschärft.

Die Abkehr vom Laufsteg bei der Miss Germany Wahl

Revolution
 2022 feierte die Wahl zur Miss Germany 100-jähriges Jubiläum. Die wohl größte Veränderung in der Geschichte fand zur Wahl 2021 statt. Neben der Abschaffung der Krone für die Siegerin hat sich der Wettbewerb von einem Schönheitswettbewerb hin zu einer Plattform für die Stimmen starker Frauen entwickelt. Statt Laufsteg stellen Frauen ihre Missionen vor und nutzen ihre Stimme. Diese neue Richtung ist weltweit einzigartig, deshalb qualifiziert sich die Siegerin nicht für eine weitere Miss Wahl.

Finale
 Am 24. Februar 2024 findet das Finale im Europapark in Rust statt. Die Siegerin erhält 25 000 Euro für ihre zukunftsweisende Mission.