Miss Germany 2018: Anahita Rehbein Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Das hat sich Anahita Rehbein anders vorgestellt. Immer nur Brautmoden vorführen statt spannender Fotoshootings. Trotzdem bereut sie ihr Jahr als Miss Germany nicht.

Stuttgart - Die Freudentränen über ihren Sieg bei der Wahl zur Miss Germany 2018 musste sie sich auf dem Podium ganz schnell abwischen. Ihr künftiger Manager unten im Publikum machte hektische Bewegungen: „Das sind die offiziellen Pressefotos!“ „Also hab ich gelächelt, aber meine Lippen haben gewackelt.“ Zwischen Lachen und Weinen, zwischen Faszination und Ernüchterung: So könnte man Anahita Rehbeins Bilanz des Jahres 2018 zusammenfassen. Beim 349. Dekra-Spätschoppen im Kickers Club-Restaurant auf der Waldau hat sie am Montagabend über ihre Zeit als schönste deutsche Frau gesprochen.

Dabei wiederholte sie die Kritikpunkte, die sie in einem Interview mit unserer Zeitung geäußert hatte. Statt spannender Fotoshootings habe sie das Jahr auf Hochzeitsmessen und in Brautmodeläden verbracht. Sie sei nicht als Model Anahita Rehbein vermarktet worden, sondern ausschließlich als Miss Germany, die mehrheitlich die Aufträge des Hauptsponsors zu erfüllen hatte. Solche Vorwürfe hört man bei der Miss Germany Corporation offenbar nicht gerne. Die Folge: „Ich darf meine Schärpe nicht mehr tragen.“

Damit scheint die 24-Jährige, die in Degerloch im sehr kleinen Schwarzen mit kniehohen Stiefeln erschien, kein Problem zu haben. Trotz Ohrenschmerzen plauderte sie entspannt mit dem Moderator Hermann Orgeldinger, der von seiner Gesprächspartnerin sichtlich angetan war. Und nicht nur er: „Eine hübsche Frau“, urteilte der frühere Rennfahrer Hans Hermann. Auch an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg, wo Anahita Rehbein Bildungswissenschaften studiert, seien die männlichen Dozenten ihr gern entgegen gekommen, wenn sie wegen ihrer PR-Termine mal wieder gefehlt habe, verriet sie arglos.

Geradlinig, authentisch, bodenständig: So präsentierte sich die Ex-Schönheitskönigin mit dem exotischen Vornamen („so hieß eine Schulfreundin meiner Mutter“) in der Vereinsgaststätte. Bodenhaftung gibt ihr vor allem ihre Heimat. Sie ist mit drei jüngeren Geschwistern aufgewachsen in Inzigkofen bei Sigmaringen in Oberschwaben. Dort wo sie als neue Miss Germany wie ein Megastar gefeiert wurde. „Ich durfte auf der Ledigenstange sitzen.“ Wie bitte? „Da dürfen normalerweise nur die ledigen Jungs drauf, wenn jemand neu ist im Ort und man bräuteln geht.“ Muss eine große Ehre gewesen sein.

Einst auch Miss Campingplatz

Ursprünglich wollte Anahita Rehbein wie so viele junge Mädchen Kandidatin bei der TV-Show „Germany’s Next Top Model“ werden. Davon, dass es so etwas wie Miss-Wahlen gibt, erfuhr sie durch Zufall. Anfangs war sie unsicher, ob sie sich bei der Wahl zur Miss Bodensee überhaupt bewerben sollte. Die war in Lindau, dort hat die Mama einen Schuhladen, und die meinte: „Anahita, des machsch du.“ Erfahrung hatte sie bereits von vielen Sommerurlauben am Gardasee, wo sie jedes Jahr die Miss Campingplatz wurde.

Vor der Wahl zur Miss Germany im Europark Rust, wo nicht nur gutes Aussehen sondern in der Endrunde auch Schlagfertigkeit erwartet wird, war dann die ganze Familie im Vorfeld Stichwort-Geber. „Die wissen doch viel besser, wie ich wirklich bin.“ Und auch nach dem großen Finale ist Anahita Rehbein im Herzen Schwäbin geblieben. So gab es als Geschenk für sie unter anderem Strumpfhosen aus der Miss Germany Kollektion mit einem Strasskrönchen an der Fessel – weil aber die Königin auf Zeit keine Strumpfhosen mag, „da hab ich sie meiner Oma geschenkt.“

Vielleicht ein Café eröffnen?

Die Geschenke sind längst verteilt, das auf ein Jahr zur Verfügung gestellte Auto zurück gegeben. Gerade hat Anahita Rehbein, die mit ihrem Freund am Killesberg wohnt, ihre Bachelor-Arbeit abgegeben. Ihr Studium möchte sie nicht fortsetzen, sondern vielleicht ein Café eröffnen, als Moderatorin arbeiten oder ihren Instagram-Account ausbauen und noch mehr junge Menschen als bisher „mitreißen“. Auch wenn ihre Oma davon wenig begeistert sei: „Anahita, such dir was Gscheits.“

Als typische Vertreterin ihrer Generation hat die Enkelin auf ihrem Nachttisch kein Buch mehr liegen, sondern ihr Ladekabel. Das Jahr quasi auf Dauerwerbetour durch ganz Deutschland bereut sie nicht. Dass sie als 17-Jährige mit Triathlon aufgehört hat, „weil ich nicht mehr aufs Treppchen kam“, dagegen schon. Sie vermisse ihr Hobby. Aber: „Ich muss halt immer gewinnen.“

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