Die Menschenmassen an Bahnhöfen ziehen auch Kriminelle an. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Wie sicher ist man im öffentlichen Verkehr im Land? Das Landesverkehrsministerium hat auf Anfrage der Landtags-Grünen die aktuelle Lage beleuchtet.

Wie sicher ist die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln im Land? Auf eine Anfrage der Grünen im Landtag hat das Landesverkehrsministerium jetzt einige aktuelle Daten geliefert. Fazit: Die Sicherheit im öffentlichen Verkehr hält ihr hohes erreichtes Niveau. Dieser Bereich hat durchaus Gewicht: Etwa jede vierte Straftat im öffentlichen Raum findet im öffentlichen Verkehr statt. Damit ist nicht nur das Geschehen in den Fahrzeugen gemeint, sondern auch rund um die Verkehrsanlagen, etwa die Bahnhöfe.

 

Das Risiko, von einem Verbrechen betroffen zu werden, bleibt gering. Den 64439 Straftaten im Jahr 2022 standen ziemlich genau eine Milliarde im Linienverkehr beförderte Passagiere gegenüber. Und dabei ist etwa die Laufkundschaft an Bahnhöfen noch gar nicht mitgezählt.

In den Fahrzeugen ist man recht sicher

Generell ist man in den Fahrzeugen selber recht sicher. So waren unter den 5888 Opfern von Aggressionsdelikten im vergangenen Jahr, also körperlichen Angriffen oder Bedrohungen, insgesamt 164 Busfahrer, Zugbegleiter oder sonstiges Fahrdienstpersonal. Fahrgäste waren es 299. Etwa die Hälfte dieser Zwischenfälle führten zu meist leichten Körperverletzungen.

Wer das Jahr 2021 mit 2022 vergleicht, dürfte allerdings zunächst erschrecken. Im Jahresvergleich ist die Zahl der Delikte im öffentlichen Personenverkehr um ein Fünftel gestiegen.

Rückgang relativ zur Zahl der Passagiere

Doch 2022 sind im Linienverkehr im Südwesten auch ein Drittel mehr Menschen unterwegs gewesen als im Coronajahr 2021. Die Zahl der Kriminalfälle ist also relativ zur Anzahl der Passagiere zurückgegangen. Die so genannten Aggressionsdelikte sind hingegen genauso gestiegen wie die Passagierzahlen – um etwa ein Drittel.

Wenn man das Ganze mit 2019, dem letzten Jahr vor der Pandemie vergleicht, gab es im Jahr 2022 3,3 Prozent weniger Fälle als vor Corona. Aber im vergangenen Jahr waren andererseits 13,7 Prozent weniger Personen im Linienverkehr des Landes unterwegs als 2019. Hier ist der Trend also leicht negativ. Die langfristige Entwicklung seit 2015 bleibt allerdings nach Angaben des Landesverkehrsministeriums günstig. Heute gebe es knapp ein Viertel weniger Kriminalitätsfälle als damals. Relativ gesehen ist der Effekt nicht ganz so deutlich: Die Fahrgastzahlen sind heute auch um 13 Prozent niedriger als 2015.

Auch Kriminalpolizisten fahren gratis mit

Das Ministerium verweist auf einige Maßnahmen, die zu mehr Sicherheit führen sollen. So könnten seit Juli 2022 neben Polizeibeamten in Uniform auch Angehörige der Kriminalpolizei gratis im öffentlichen Nahverkehr mitfahren, sofern sie sich erkennbar als solche identifizieren.

Um auch hier den notwendigen Präventionseffekt zu erzielen, sei für diese nicht uniformierten Polizisten ein eigener, gut sichtbarer Identifikationspass ausgegeben worden, was bisher bundesweit einmalig sei. Wie viele Polizeibeamte so unterwegs sind, dazu hat das Ministerium aber keine Zahlen.

Mehr Zugbegleiter und Videoüberwachung

Zu jedem Verkehrsvertrag im öffentlichen Schienennahverkehr gehört auch eine teils nach Stunden, teils nach gefahrenen Kilometern festgelegte Präsenz von privatem Sicherheitspersonal. So müssen etwa im Netz Neckartal bei jährlich 7,5 Millionen Zugkilometern mindestens für 2200 Stunden im Jahr Doppelstreifen zusteigen.

Auch die Zahl der Zugbegleiter im Schienennahverkehr steige, sagt das Ministerium. Auf nachfragestarken Linien seien sie in jedem Zug anzutreffen. Ansonsten wolle man deren Präsenz auf die Hälfte der Züge steigern. Zudem werde die Videoüberwachung intensiviert. So werden beispielsweise neu beschaffte Nahverkehrszüge damit ausgestattet.

Außerdem läuft auf der Schwarzwaldbahn ein Pilotprojekt, bei dem die Zugbegleiter mit so genannten Bodycams ausgestattet werden und – mit entsprechender Vorwarnung – in Konfliktsituationen selber Videoaufnahmen machen können.