Studentischer Entwurf für das Projekt „Schlafhäuser am Mineralbad Berg“ Foto: Boris Miklautsch

Kammergruppe Ost: Kleinod in Berg muss gepflegt werden - Bezirksbeirat stimmt für Sanierung.  

Stuttgart - Aus dem Kreis der Architekten in Stuttgart kommt scharfer Protest gegen den Plan, das Mineralbad Berg wie von unserer Zeitung berichtet, in ein Freibad mit erweitertem Sommerbetrieb oder in ein Ganzjahres-Freibad umzuwandeln. Die Kammergruppe Stuttgart-Ost der Architektenkammer Baden-Württemberg hat mit einem Schreiben an die zuständigen Bürgermeister und Bezirksvorsteher Martin Körner Widerspruch eingelegt.

Mit ungläubigem Staunen habe er von Planungen gelesen, große Teile des Mineralbads Berg abzubrechen und den Ganzjahresbetrieb einzustellen, schrieb der Vorsitzende der Kammergruppe, Thomas Herrmann. Die Stadt habe das Bad doch erst vor fünf Jahren vollständig erworben, um den Bestand zu sichern.

In allen einschlägigen Publikationen brüste sich Stuttgart damit, dass es das zweitgrößte Mineralwasseraufkommen in Europa habe, urteilte Herrmann. Im Stadtbild sei davon jedoch kaum etwas wahrzunehmen. Die zahlreichen öffentlichen Mineralwasserbrunnen würden ein unbeachtetes Schattendasein fristen. Lediglich im Berger Bad, das wegen Geldnot seit den 1950er Jahren kaum verändert worden sei, könne man noch eine spezifisch stuttgarterische Badekultur spüren - "jene Mischung aus Reformideen des frühen 20. Jahrhunderts, pietistischer Askese und großstädtischer Liberalität". Dieses Kleinod müsse gepflegt und weiterentwickelt werden. Das Potenzial des Nachbargrundstücks dürfe auch nicht verspielt werden. An dieser Stelle müsse etwas Besonderes gelingen im Sinne einer neuen Kultur im Umgang mit den Mineralquellen.

Gerade solche Ideen versucht ein aktuelles Kooperationsprojekt zwischen der Stadt Stuttgart, den Bäderbetrieben und der Universität Stuttgart zu entwickeln. Sybil Kohl, Leiterin des Instituts für Darstellen und Gestalten an der Universität Stuttgart, untersucht mit ihren Studierenden gestalterische Möglichkeiten für "Schlafhäuser am Mineralbad Berg". Der Anspruch: "Mittels eines studentischen Projektes ein überregionales wie auch bundesweites Interesse an den Stuttgarter Mineralbädern sowie am Mineralbad Berg zu aktualisieren." Bis Ende Juli sollen die Entwürfe vorliegen und dann diskutiert werden. Als mögliche Fläche für die "Schlafhäuser" sieht das Kooperationsprojekt einen schmalen Grund auf Höhe der Berg-Gartenterrasse vor. Mit Gestaltungsqualität im Detail zu einer neuen Wertigkeit für das gesamte Areal? Die "Schlafhäuser" könnten einen Weg dorthin weisen.

Der Bezirksbeirat Ost hat am Mittwochabend für eine Generalsanierung des Mineralbads Berg votiert. Eine von der Stadtverwaltung beauftragte Projektgesellschaft hatte deren Kosten jüngst auf 27 Millionen Euro geschätzt. Das Votum im Bezirksbeirat Ost dürfte die Debatte im Stuttgarter Gemeinderat noch einmal neu entfachen.

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