Der Zugangsbereich wirkt in der Visualisierung beinahe wie ein Campus: Der Neubau des Landratsamts soll Modernität ausstrahlen. Foto: Visualisierungen: BFK Architekten

Aufrichtiges Lob für die liegende Acht: Der Kreistag hat in seiner Sitzung am Donnerstag den Plänen für den Neubau des Landratsamts im Esslinger Merkelpark zugestimmt. Der Millionenauftrag geht an die Firma Züblin.

Esslingen - Dem Bau eines neuen Landratsamts in Esslingen steht nichts mehr im Weg. Der Kreistag hat in seiner Sitzung am Donnerstag den Plänen zugestimmt, am Standort des dem Abriss geweihten Altbaus im Esslinger Merkelpark eine neue Verwaltungszentrale zu errichten. Unterm Strich nimmt der Landkreis rund 144 Millionen Euro in die Hand, um dort ein ein zeitgemäßes Bürogebäude mit rund 675 flexiblen Arbeitsplätzen zu erstellen. Mit ihrem Beschluss hat die Ratsrunde einen Schlusspunkt hinter eine im Jahr 2012 begonnene Diskussion gesetzt.

 

Sanierung keine echte Alternative

Deren Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass das alte, im Jahr 1978 in Betrieb gegangene Landratsamt weder vom Raumprogramm noch vom Gebäudezustand und der technischen Ausstattung her den Anforderungen genügt, die an eine moderne Verwaltung gestellt werden. Im Laufe der Entscheidungsfindung war auch klar geworden, dass die Alternative, eine Generalsanierung des energetisch unzureichenden Betonbaus, die Vorteile eines Neubaus nicht annähernd hätte aufwiegen können. Dieser Einschätzung, zu der verschiedene Gutachten gekommen waren, folgte der Kreistag mit seinem Beschluss nahezu einmütig.

Verbunden mit dem „Bau- und Vergabebeschluss für den Abbruch des Bestandsgebäudes mit Neubau eines Verwaltungsgebäudes“ ist die Auftragsvergabe an das Stuttgarter Bauunternehmen Ed. Züblin AG und dessen Planungs- und Kooperationspartner BFK Architekten. Züblin errichtet den Neubau zu einem verbindlichen Gesamtpauschalfestpreis in Höhe von 123,5 Millionen Euro. Ein Ansatz für Unvorhergesehenes (6,2 Millionen Euro), die Kosten für die notwendigen Ausweichquartiere während der Bauzeit (8,5 Millionen Euro) und die Anschaffung von Mobiliar und Bürotechnik (5,8 Millionen Euro) lassen die Gesamtkosten auf rund 144 Millionen Euro steigen.

Form einer liegenden Acht

Mit dem schon begonnenen Neubau am Standort Plochingen (225 Arbeitsplätze/Kosten: 41,5 Millionen Euro) und dem abgeschlossenen Umbau des auf dem Stumpenhof benachbarten ehemaligen Krankenhauses (197 Arbeitsplätze/23,2 Millionen Euro) sieht sich die Esslinger Kreisverwaltung für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet.

Der Verwaltungsneubau in den Esslinger Pulverwiesen hat die Form einer liegenden Acht und soll sich städtebaulich optimal in die bestehende Umgebung zwischen Merkelpark und Neckar einfügen. Die harmonische Verbindung mit dem Bestandsbau stellt ein als Scharnier dienender viergeschossiger Gebäudeteil her. Der zweite Gebäudeteil des Neubaus hat fünf oberirdische Geschosse, die ebenfalls durch eine senkrechte Gliederung gekennzeichnet sind. Am Kreuzungspunkt der liegenden Acht befindet sich das zentrale Foyer, das auch genügend Platz für Ausstellungen bietet.

Der Neubau, auf dessen Dach eine Fotovoltaik-Anlage installiert wird, erhält eine mit Neckarwasser gespeiste Wärmepumpe, mit der das Gebäude sowohl gekühlt als auch gewärmt werden kann. Die Be- und Entlüftungsanlage in den einzelnen Büros dient auch der Wärmerückgewinnung. Die Raumplanung des Gebäudes sieht eine Mischung aus den Büroformen „Kombibüro“ und „Multispace“ vor.

210 Parkplätze für Beschäftigte

Im Rahmen eines Drei-Zonen-Prinzips ist eine Aufteilung in einen öffentlichen Bereich, einen halb-öffentlichen Bereich sowie einen internen Bereich vorgesehen. Abgerundet wird das Angebot an die Kreisbediensteten durch ein Betreuungsangebot für deren Kinder. Dazu wird eine zweigruppige Kindertagesstätte in den Neubau integriert. Ebenfalls Bestandteil des Züblin-Angebotes ist der Bau einer Tiefgarage für die baurechtlich notwendigen 210 Parkplätze für die Belegschaft. Im Außenbereich bleibt es bei den bisher schon bestehenden 100 Stellplätze für Besucherinnen und Besucher.

Nach dem Baubeschluss wird nun der Entwurf mit der Firma Züblin final abgestimmt und zum Bauantrag vervollständigt. Der soll bis Mitte Januar 2022 eingereicht werden. Parallel werden zum Jahresende 2021 die Umzüge in Interimsanmietungen beginnen. Im April 2022 rollen die Abbruchbagger an. Der Neubau soll im Juli 2026 in Betrieb gehen.