Zum angestrebten Volumen schweigt sich Schaeffler aus. Foto: dpa

Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler will am 5. Oktober sein Debüt am Frankfurter Aktienmarkt feiern. Schaeffler könnte deutlich mehr als 2,5 Milliarden Euro einsammeln.

Frankfurt - Das fränkische Familienunternehmen Schaeffler wagt trotz schlechterer Geschäfte einen milliardenschweren Börsengang. Der Auto- und Industriezulieferer will am 5. Oktober sein Debüt am Frankfurter Aktienmarkt feiern. „Der geplante Börsengang der Schaeffler AG ist ein strategischer Schritt, um die Verschuldung weiter zu reduzieren und die Kapitalstruktur zu verbessern“, begründete Vorstandschef Klaus Rosenfeld am Montag das Vorhaben.

Zum angestrebten Volumen schwieg er sich aus. Ein Insider sagte, Schaeffler könnte deutlich mehr als 2,5 Milliarden Euro einsammeln. Eigentümer des Herzogenauracher Unternehmens sind die Milliardärin Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und ihr Sohn Georg. „Die Schaeffler Gruppe bleibt auch zukünftig ein Familienunternehmen“, sagte Schaeffler-Thumann. Anfang Oktober stehen die Börsenkandidaten bereits Schlange: Am 1. Oktober sollen die Aktien des Internet-Kleinanzeigenportals Scout24 erstmals gehandelt werden, die Bayer -Kunststofftochter Covestro soll einen Tag später folgen. Scout24 will bis zu 1,6 Milliarden Euro erlösen, Covestro 2,5 Milliarden Euro.

Kein öffentliches Angebot für Privatanleger

Insgesamt bietet Schaeffler institutionellen Anlegern im Rahmen einer Privatplatzierung ab dem 28. September bis zu 166 Millionen Vorzugsaktien an. Ein öffentliches Angebot für Privatanleger findet nicht statt. 66 Millionen Aktien stammen aus einer Kapitalerhöhung der Schaeffler AG, die restlichen 100 Millionen aus dem Bestand der Schaeffler Verwaltungs GmbH. Diese Holdinggesellschaft der Familie Schaeffler kontrolliert auch die 46-prozentige Beteiligung an dem Reifenhersteller Continental, die Zahlen von Conti fließen nicht mehr in die Bilanz der Schaeffler AG.

Mit den Einnahmen aus dem Börsengang will Schaeffler vor allem den Schuldenberg abtragen. „Wir verschaffen uns so noch mehr finanzielle Flexibilität, um zusätzliche Wachstumschancen zu erschließen“, sagte Rosenfeld. Auf der Schaeffler AG, in der das operative Geschäft des Unternehmens gebündelt ist, lasten 6,2 Milliarden Euro Schulden. Das Familienunternehmen hatte sich 2009 mit der Übernahme des dreimal so großen Continental-Konzerns verhoben und in einer existenzbedrohenden Übernahmeschlacht einen Schuldenberg von rund neun Milliarden Euro angehäuft. Auf der Holding, die nach dem Börsengang unter anderem vergleichsweise hoch verzinste Anleihen tilgen will, lasten aktuell 3,6 Milliarden Euro. Der Preis für die Aktien soll am 02. Oktober festgelegt werden. Nach dem Börsengang werden sich 25 Prozent der Aktien im Streubesitz befinden.

China-Schwäche setzt Schaeffler zu

Wie vielen Autobauern setzt auch Schaeffler die Nachfrageflaute in China, dem größten Automarkt der Welt, zu. In den Sommermonaten habe sich der Markt schwächer als erwartet entwickelt, beklagte Schaeffler. Der Konzern senkte seine Umsatzprognose und erwartet nun für 2015 ein währungsbereinigtes Plus von vier bis fünf Prozent. Bislang hatte Schaeffler ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von fünf bis sieben Prozent in Aussicht gestellt. Die Rendite (Ebit-Marge) solle im Gesamtjahr auf dem Niveau des ersten Halbjahres von 12,2 Prozent liegen. Bislang hatte Schaeffler eine Rendite von 12 bis 13 Prozent erwartet.

Während das Geschäft mit der Automobilindustrie bislang rund lief, kämpft der Konzern mit seinen 84.000 Mitarbeitern schon seit längerem mit Problemen in der Industrie-Sparte. Schaeffler hatte angekündigt, bis Ende 2017 bis zu 500 Arbeitsplätze in Vertrieb und Verwaltung in der Sparte zu streichen, die Wälz- und Präzisionslager für zahlreiche Branchen herstellt.

Aktionäre will der Großaktionär des Dax-Konzerns Continental unter anderem mit einer Dividende von 25 bis 35 Prozent des Jahresüberschusses sowie weiteren Umsatz- und Gewinnzuwächsen locken. „Trotz der leichten Abschwächung in den Sommermonaten sind wir auf einem guten Weg, unser Geschäft auch in diesem Jahr weiter auszubauen und so unseren langfristigen, profitablen Wachstumskurs fortzusetzen“, warb Rosenfeld. Begleitet wird der Börsengang von der Deutschen Bank und der Citigroup als Joint Global Coordinators.

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