Michael Dzovor Mit Wut im Bauch zum Videoclip

Von Annette Clauß 

Für seinen Videoclip mit der Countrysängerin Meg Pfeiffer (hinten) hat Michael Dzovor einen Preis eingeheimst Foto: Horst Rudel
Für seinen Videoclip mit der Countrysängerin Meg Pfeiffer (hinten) hat Michael Dzovor einen Preis eingeheimst Foto: Horst Rudel

Michael Dzovor hat vor wenigen Jahren zum Privatvergnügen sein erstes Musikvideo gedreht. Mittlerweile produziert der 31-Jährige auch Clips für andere und ist nun mit dem Deutschen Rock- und Poppreis geehrt worden.

Winnenden - Am Anfang war Wut. Die hat Michael Dzovor im Bauch gehabt, nachdem Einbrecher seinen Laden in Winnenden ausgeräumt und Handys und andere elektronische Geräte mitgenommen hatten. „Sämtliche teuren Sachen waren weg.“ Etwa acht Jahre ist das her – ein Ärgernis mit weitreichenden Folgen. Denn seinen Frust hat Michael Dzovor damals in Kreativität umgewandelt und seinen ersten Rapsong verfasst. „Der hat natürlich Scheiße geklungen, aber es hat Spaß gemacht“, sagt der Winnender und lacht.

Also hat Michael Dzovor weiter gemacht. Der Umgang mit Worten sei ihm schon immer leicht gefallen, erzählt der 31-Jährige, der von sich sagt, er schreibe „deepe Texte“, solche mit Tiefgang also. Ruckzuck ist er mit einem Song über Armut auf der Internetseite der Organisation „Brot für die Welt“ und im Programm von Kika TV gelandet. Insbesondere letzteres hat ihm viel Häme aus der Szene eingebracht. Die HipHop-Szene, sagt Dzovor, sei „die schlimmste, die es gibt“, Ein ins Internet gestellter Song veranlasst manche Rapperkollegen zu seitenlangen Kommentaren darüber, ob das nun Rap oder „Kinderkacke“ ist. Michael Dzovor hat sich deshalb irgendwann aus der Szene zurückgezogen: „Man bietet mit eigenen Songs zu viel Angriffsfläche“, sagt er. Inzwischen textet der 31-Jährige, der unter seinem ghanaischen Vornamen „Mawuli“, übersetzt „Gott existiert“, rappte, allenfalls zum Privatvergnügen.

Von einem „coolen Video“ als Begleitung zu seinen Songs hat Michael Dzovor schon von Beginn an geträumt: „Aber Profivideos waren viel zu teuer. Mindestens 1000 Euro musste man damals hinlegen – ich habe mir gedacht, das kann ja wohl nicht sein.“ Er recherchierte, welche Kameras und welche Technik es braucht, um Videoclips zu drehen, verbrachte dann ein halbes Jahr mit Tutorials im Internet.

Video der Countrysängerin Meg Pfeiffer brachte Auszeichnung

Nach den Trockenübungen kaufte er sich eine Spiegelreflexdigitalkamera und legte los. Das erste Video, das er mit Rapperkollegen in Winnenden drehte, kam gleich gut an. „Kaum war es im Netz, hatte ich schon die erste Anfrage für ein zweites“, erzählt Dzovor. Vor vier Jahren hat er schließlich seine Firma MEM Pictures gegründet. Ein Ein-Mann-Betrieb, der nach Dzovors drei Vornamen Michael Emanuel Mawuli benannt ist und den 31-Jährigen ziemlich auf Trab hält.

Der Videoclip, den der Winnender für die Countrysängerin Meg Pfeiffer gedreht hat, ist kürzlich mit dem Deutschen Pop- und Rockpreis ausgezeichnet worden. Und das, obwohl Michael Dzovor bei dem Dreh im SI-Centrum Stuttgart „ins kalte Wasser geworfen worden ist“ und aus dem Stand das beste aus der Situation machen musste. Im Clip sitzt Pfeiffer auf einem Barhocker, eine Gitarre im Arm, auf dem Kopf einen Cowboyhut, und singt „Out of my soul“. Im Hintergrund wabert Nebel aus der Maschine, die Dzovor mitgebracht hatte.

Die warmen Farben, das, was Dzovor „den klassischen Ami-Look“ nennt, hat er der Szene im Nachhinein am Rechner verliehen. Denn nach der kräftezehrenden Dreharbeit, bei der der Einzelkämpfer seine Kunden zigtausend Mal aus verschiedenen Blickwinkeln filmt, kommt die mindestens ebenso aufwendige Nachbearbeitung. Zwei bis drei Wochen könne letztere dauern für ein Video, das am Ende fünf Minuten lang ist, sagt Dzovor. Wenn er vom Dreh kommt, packt er aber zunächst das gesammelte Material auf die Festplatte, trennt dann die Spreu vom Weizen und beginnt wie bei einem Puzzlespiel, aus den Einzelteilen ein stimmiges Ganzes zu machen.

Im Falle von Meg Pfeiffers Video, das Dzovor noch nicht einmal selbst zum Wettbewerb eingereicht hatte, halten sich die Spezialeffekte in Grenzen, doch wenn es passt und der Kunde es so haben möchte, dann lässt Michael Dzovor mithilfe seines speziellen Computerprogramms auch ein Auto oder ein Gebäude explodieren oder er montiert einen Mond an den Himmel. „Man sitzt einen ganzen Tag an so einem Effekt“, sagt Dzovor, der „den perfekten Hollywoodlook haben will“. Einen Spielfilm zu drehen, das würde ihn reizen. Hollywood hat sich zwar noch nicht gemeldet, doch seit August ist Michael Dzovor bei Adidas unter Vertrag. Im Auftrag des Sportartikelherstellers dreht er Werbespots über Kampfsportarten wie Jiu-Jitsu – ganz ohne Wut im Bauch.

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