Metropol-Kino Wir können auch anders

Von Gunther Reinhardt, Wolfram Hannemann 

„Beasts­ of the Southern Wild“ ist nicht unbedingt genrekonform.  Besetzt mit Laiendarstellern, erweist  er sich als poetische Weltuntergangsballade Foto: Festival
„Beasts­ of the Southern Wild“ ist nicht unbedingt genrekonform. Besetzt mit Laiendarstellern, erweist er sich als poetische Weltuntergangsballade Foto: Festival

Ein kleines bisschen Horrorshow: Das Fantasy-Filmfest in Stuttgart vergnügt sich wieder jenseits der Genregrenzen.

Aus Holland kommt eine mörderische Neuinterpretation der „Hangover“-Erfolgskomödie, aus Großbritannien eine monströse Umdeutung von Spielbergs „Jurassic Park“, zwei Südkoreaner erzählen „Blade Runner“ weiter, Daniel Brühl erfindet Roboter, Charlotte Rampling legt sich mit einem Terroristen an, Jet Lee mit Tartaren, David Hasselhoff mit Piranhas. Wieder einmal testet das Fantasy-Filmfest, das an diesem Mittwoch im Kino Metropol in Stuttgart eröffnet wird, die Grenzen des Fantastischen aus.

Früher taugten Horror- und Fantasystoffe bloß für die sogenannten B-Movies Hollywoods, für billige, zweitrangige Kinoware, die sich bestenfalls als Beiprogramm eines aufwendig produzierten Hauptfilms eignet. Doch längst dürfte klar sein, dass Fantasy nicht mehr nur Stoff für die Schmuddelecke bietet. Das ist zum einen der Verdienst von Filmemachern wie Seit Filmemacher wie Peter Jackson („Herr der Ringe“) oder Sam Raimi („Spider-Man“), die sich zunächst im Horrorgenre verdient machten, bevor sie das Mainstreamkino übernahmen. Zum anderen ist das aber auch dem Fantasy-Filmfest, das in der Vergangenheit immer wieder vorgeführt hat, dass der fantastische Filme auch ein großartiges Versuchslabor für atemberaubende neue Ideen sein kann.

Das britische Kino ist stark vertreten

So sind die Erwartungen hoch, die an die Filme geknüpft sind, die eine Woche lang über die Leinwände des Kinos Metropol flimmern. All denen, die sich keine der längst ausverkauften Dauerkarten gesichert hat, dürfte es schwer fallen die richtige Wahl aus dem Fundus von 70 Lang- und elf Kurzfilmen zu treffen. Auch wenn sich das Festival seit über 20 Jahren primär als Festival für Horror, Science-Fiction und Thriller versteht, so liegt seine Stärke doch darin, sich über Genregrenzen hinwegzusetzen. Nicht selten avancieren gerade jene Filme zu Festival-Favoriten, denen gute Ideen wichtiger sind als der Regelkanon des fantastischen Films.

So standen auch schon Filme wie die französische Romanze „Die fabelhafte Welt der Amélie“ oder die dänische Groteske „Adams Äpfel“ auf dem Spielplan. Eine Strategie, die für die Veranstalter zu einem Qualitätssiegel geworden ist und für deren Flexibilität spricht. Neugierig ist man in diesem Jahr beispielsweise auf Patrice Lecontes Animationsfilm „The Suicide Shop“: Darin geht es um einen Laden, in dem lebensmüde Zeitgenossen die Utensilien für einen perfekten Abgang kaufen können. Doch die ansteckende Frohnatur des Inhaber-Sprösslings bringt die Geschäftsgrundlage ins Wanken. Auch der in den Sümpfen von Louisiana angesiedelte Debütfilm „Beasts­ of the Southern Wild“ ist nicht unbedingt genrekonform. Besetzt mit Laiendarstellern, erweist er sich als poetische Weltuntergangsballade.

Das britische Kino, das den Zombies mit „Shaun of the Dead“ vor acht Jahren das Lachen beibracht, ist gleich mit elf Filmen vertreten: „Cockneys vs. Zombies“ (Rentner machen Front gegen Untote) und „Grabbers“ (saufende Iren gegen fette Monster) versprechen ein Fest des schwarzen Humors. Aus Frankreich gibt es nur zwei aktuelle Produktionen zu sehen. Die Regisseure Olivier Marchal („A Gang Story“) und Frédéric Schoendoerffer („Switch“) gelten aber als Garanten für intelligente und actionreiche Thriller. Von den vielen US-Produktionen, die das Festival überschwemmen, dürfte der neue Film von Jennifer Lynch besonderes Augenmerk verdienen. Mit „Chained“ provoziert die Regisseurin von „Boxing Helena“ einmal mehr ihr Publikum. Hier treffen moderne Sklaverei und bestialische Morde ungebremst aufeinander.

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