Messesplitter Die Immobilie wird digitaler

Von Ingo Dalcolmo 

Treffpunkt der Immobilienwirtschaft – der Stand der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart auf der Expo Real in München. Foto: Dalcolmo
Treffpunkt der Immobilienwirtschaft – der Stand der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart auf der Expo Real in München. Foto: Dalcolmo

Einmal im Jahr treffen sich Immobilienexperten aus ganz Europa in München auf der Expo Real. Die Arbeitsmesse gilt als Pflichttermin in der Branche. Ein Streifzug über die Messe.

Hinter Moskau kommt die Region Stuttgart. Auf der am Donnerstag zu Ende gegangenen Gewerbeimmobilienmesse Expo Real in München traf diese Aussage in zweierlei Hinsicht zu. Rein räumlich betrachtet steht der Moskauer Stand vor dem Auftritt der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart. Andererseits hat die russische Metropole noch viel Platz für die Ansiedelung von Gewerbe zu bieten. Anders die Region.

„Ende des Jahres haben wir keine grö- ßeren Flächen mehr in der Region, die kurzfristig für Gewerbeansiedlungen bebaubar wären“, skizziert Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, die Situation. Für den Verband Region Stuttgart spitzt sich die Lage auf dem Gewerbeimmobilienmarkt in der Region schon seit Jahren zu. Doch bislang sind alle Bemühungen des Regionalverbandes, neue Flächen auszuweisen, am Veto der Kommunen gescheitert. Zusätzlich verschärft wird die Situation durch den Mangel an preisgünstigen Wohnungen.

Stephan Kippes, Professor für Immobilienmarketing an der HfWU Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, sieht Stuttgart und die Region längst nicht allein mit der Flächenknappheit. „Das ist in den anderen Großstädten genauso.“ Peter Brenner ist hingegen ganz glücklich. „Wir haben fast alle Flächen verkauft“, freut sich der Geschäftsführer vom Flugfeld Böblingen-Sindelfingen.

Während das zweitgrößte Stadtentwicklungsgebiet in der Region noch auf dem Reißbrett geplant wurde, liegt die Zukunft der Immobilie im Digitalen. Auf der Expo Real gab das Stuttgarter Projektmanagement- und Immobilienberatungsunternehmen Drees & Sommer einen Einblick in das, was schon morgen Standard sein könnte. „Die digitale Transformation wird eine gro- ße Herausforderung für den Stadtumbau werden“, sagt Vorstandsvorsitzender Peter Tzeschlock. Künftig werde die Lage einer Immobilie allein nicht mehr ausreichen, ein Grundstück zu vermarkten.

Die Frage werde vielmehr sein, wie das Grundstück digital erschlossen ist. Dabei geht es nicht darum, Lagepläne digital vorzuhalten oder Baupläne am Computer zu erstellen. Auf einen Klick lassen sich schon heute die energetischen Daten eines Fensters abrufen oder der gesamte Energieverbrauch eines Gebäudes berechnen. Künftig wird die Immobilie in allen ihren Facetten digital darstellbar sein.

Bei Drees & Sommer ist man sich sicher, dass diese Entwicklung eine Revolution in der Immobilienwirtschaft auslösen wird. Wie das zum Beispiel im Handelsbereich schon jetzt funktionieren kann, zeigte Jones Lang LaSalle auf der Expo Real. Das Unternehmen hat eine Software entwickelt, die die Daten von 180 Einkaufsstraßen in ganz Deutschland bereitstellt. Das Programm ist unter anderem in der Lage, einen vollständigen Überblick über Flächengrößen und Miethöhen des Einzelhandelsbesatzes einer Stadt zu geben. Dabei können auch die Besucherströme in den Haupteinkaufsstraßen nach Alter, Herkunft und Geschlecht analysiert werden – und das immer auf dem aktuellen Stand.

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