Der Angeklagte sagt, er habe niemanden töten wollen. Foto: dpa

Weil er seiner Ex-Verlobten das Knie ins Gesicht gerammt und ihren Vater mit einem Messer verletzt hat, steht ein Mann vor dem Landgericht Stuttgart. Ihm wird versuchter Totschlag vorgeworfen.

Stuttgart - Es wird eng für den 28 Jahre alten Mann, der vor der Strafkammer 1a des Landgerichts auf der Anklagebank sitzt. Er weiß dies auch. „Es geht um meine Zukunft in Deutschland“, sagt er. Denn er ist zwar in Aschaffenburg geboren, hat aber nur einen türkischen Pass. Sollte er, wie angeklagt, wegen versuchten Totschlags verurteilt werden, droht ihm die Ausweisung.

Der berufslose Mann, geübt in Kampfsportarten wie Thaiboxen und Martial Arts, hatte nach mehreren Gelegenheitsjobs in Deutschland 2015 ein Mädchen in Istanbul kennengelernt. Dort arbeitete er am Flughafen. Die junge Frau ist weitläufig mit ihm verwandt. Im Juni 2016 verlobte sich das Paar. Die Frau wollte jedoch in Deutschland leben.

Überbordende Eifersucht

Also siedelte das Paar um und wohnte bei der Familie der Frau in Zuffenhausen. Wegen der offenbar überbordenden Eifersucht des 28-Jährigen und wegen den Kontrollaktionen, mit denen er seine Partnerin überzog, scheiterte die Beziehung.

Die Verlöbnis wurde schon im Januar dieses Jahres wieder gelöst, was der Mann aber nicht auf sich sitzen lassen wollte. Es kam zu unschönen Szenen, die darin gipfelten, dass er intime Fotos seiner ehemaligen Partnerin an deren Familie verschickte. Schließlich erwirkte die Frau ein Annäherungs- und Kontaktverbot gegen ihren Ex-Verlobten. Der wiederum reiste zur Verwandtschaft in die Türkei.

Dort habe er erfahren, dass ihn seine ehemalige Partnerin wegen der Nacktfotos angezeigt habe. „Obwohl sie mir versprochen hatte, dies nicht zu tun“, sagt er. Er setzte sich in den nächsten Flieger und kam am Nachmittag des 13. März in Stuttgart an. „Ich wollte mit ihr reden“, sagt der 28-Jährige. Also fuhr er zu ihrer Arbeitsstelle nach Bad Cannstatt.

Dort lief ihm seine Ex-Verlobte gegen 18.30 Uhr in die Arme. Der Frau war nicht zum Reden zumute. Der Angeklagte packte sie an den Haaren und schlug ihr mit der Faust auf den Hinterkopf. Dann drehte er die Frau und rammte ihr sein Knie mehrmals ins Gesicht. Couragierte Passanten gingen dazwischen.

„Ich wollte nur abschrecken“

Der Mann fuhr nach Zuffenhausen. „Ich wollte mich bei ihr entschuldigen“, sagt er. Im dortigen Park habe er unter einer Bank ein Küchenmesser aufgelesen. „Ich hab’s genommen, als Schutz“. Denn er habe befürchtet, dass die Frau ihren Vater informiert haben könnte. Und der Vater habe, davon gehe er aus, eine Schusswaffe, so der Angeklagte. Schließlich habe der Vater ihm mehrmals gedroht, ihn zu erschießen.

Tatsächlich tauchten Vater und Tochter in einem Lieferwagen auf. Als der Vater aussteigen wollte, zog der 28-Jährige das Messer, trat an das offene Autofenster heran und stach dem Vater in die Schulter. „Er wollte eine Waffe aus dem Mittelfach holen“, sagt der Angeklagte. Gesehen habe er die Waffe indes nicht. „Ich wollte nur abschrecken, aber niemanden töten.“ Nächster Prozesstermin ist der 18. September.

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